Adieu Alstom, Welcome General Electric! Seit dem 1. November ist Alstom Power definitiv Vergangenheit. Die Übernahme des Energiebereichs des französischen Konzerns durch den amerikanischen Grosskonzern General Electric ist vollzogen worden. General Electric (GE) Power hat künftig auch in der Badener Energie-Metropole das Sagen. Daran ändert auch nichts, dass es beim Telefonanruf am Dienstag noch «Alstom Schweiz» am andern Ende der Leitung geheissen hat. Und wenn es auch noch Tage und Wochen brauchen wird, bis sämtliche Schriftzüge, die an den französischen Konzern erinnern, verschwunden sind, so sind doch die optisch auffälligsten Leuchtschriften am Konnex-Gebäude nun ersetzt worden.

Interview mit Urs Hofmann zum Alstom-Verkauf

Interview mit Regierungsrat Urs Hofmann zum Alstom-Verkauf (8.9.2015)

Drinnen wird wie bisher mit derselben Belegschaft weitergearbeitet. Dies lässt seitens GE auch der beauftragte Kommunikationsspezialist Stefan Bannwart so verlauten. Welche Bedeutung dem Standort Baden innerhalb weltweit 65 000 GE-Power-Angestellten in einigen Jahren zukommen wird, weiss man erst, wenn sich das Räderwerk des neu formierten Energie-Giganten eingespielt hat.

Zwei Hauptsitze für Baden

In Baden, Birr und Turgi sind 6000 Mitarbeitende von der Transaktion betroffen. Wie im September aufgrund der Intervention der Europäischen Wettbewerbskommission entschieden wurde, geht ein Teil der Gasturbinensparte an die italienische Ansaldo Energia, an welcher der chinesischen Elektrokonzern Shanghai Electric beteiligt ist. Damit werden 420 Alstom-Mitarbeitende (350 in Baden, 70 in Birr) nicht zu GE, sondern zu Ansaldo transferiert.

Von den sechs Geschäftsfeldern der GE Power werden zwei Hauptsitze in Baden angesiedelt: CEO Paul McElhinney wird die GE Power Services von Baden aus führen, und von der Alstom wird Andreas Lusch als CEO der GE Steam Power Systems ebenfalls in Baden ansässig bleiben.

Alstom darf verkaufen.

8.9.2015: Alstom darf verkaufen.

Alstom wird sich nach dem Abschied aus dem Energiegeschäft auf seine Zugsparte beschränken. Die gesamte Übernahme der Alstom-Energiesparte kostete GE letztlich 9,7 Milliarden Euro.

«Die anfängliche Unsicherheit ist einer grossen Freude gewichen, dürfen wir doch davon ausgehen, dass die ehemalige Alstom auch unter der Flagge von GE weiter in Baden Bestand halten kann», erklärt Stadtammann Geri Müller. «Es ist für Baden wichtig, dass die getroffenen Konzern-Entscheide nun lokal sichtbar und greifbar werden. Der neue Eigentümer GE hat sich für unseren Wirtschaftsstandort entschieden. Das ist ein starkes Signal weit über die Region hinaus.»

Finanztechnisch ändert sich mit dem neuen Label nichts für Baden. «Solange das Unternehmen mit seinen Angestellten hier ansässig ist und keine Verlagerungen stattfinden», sagt Thomas Bumbacher, Leiter Finanzen der Stadt. Würde Gewinn erwirtschaftet, so stiege damit der Steuerertrag. Was die Zukunft unter GE der Stadt an Steuereinnahmen bringen werde, das könne jedoch nicht vorausgesagt werden, meint Bumbacher. Würde die Mitarbeiterzahl stark reduziert, so müsste man mit einer Einbusse bei den Steuereingängen der natürlichen Personen rechnen.

In den besten Jahren waren es die «Triple A» (ABB, Alstom, Axpo), die einen grossen Teil der bis zu 35 Mio. Franken Aktiensteuern beitrugen. Inzwischen budgetiert die Stadt mit 17 Mio. Franken. Die Gewinnsteuern – auch der Axpo – sind zusammengefallen. Die einst satten Millionenbeträge der «Triple A»-Firmen reduzierten sich zu knapp siebenstelligen Summen.

Lesen Sie den Kommentar zum Thema hier.