Kulturvorsteher
«Adieu Politik»: Der Badener Stadtrat Erich Obrist tritt Ende Jahr zurück

Warum der parteilose Kulturvorsteher Erich Obrist mit der Politik aufhört – in Erinnerung bleiben wird nicht nur sein Coup im Jahr 2015.

Pirmin Kramer
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"Adieu Politik" Der Badener Stadtrat Erich Obrist tritt per 31. Dezember zurück.
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Start als Einwohnerrat Seit 1998 setzt sich Obrist für die Badener Politik ein - lange als SP-Einwohnerrat. Hier im Jahr 2005.
2015: Stadtratskandidatur Obrist, Lehrer für Bildnerisches Gestalten, kandidiert 2015 als Stadtrat - ohne Partei im Rücken. Die SP hatte ihn nicht nominiert.
Spezielle Wahlkampftour Der Sohn eines Posthalters machte mit einem Postwagen Wahlkampf.
Sieg im Dreikampf Obrist schafft die Wahl, lässt Jürg Caflisch (SP) und Mario Delvecchio (FDP, rechts) hinter sich.
Die Stadtammankandidaten an der Badenfahrt 2017 will Obrist (2. v.l.) Stadtammann werden. Er tritt gegen Markus Schneider (CVP), Sandra Kohler (parteilos) und Geri Müller (team) an. Die Konkurrenten arbeiten 2017 gemeinsam hinter der Bar des "Bistro de la Presse" des "Badener Tagblatts".
Niederlage Lachender Sieger und neuer Stadtammann: Markus Schneider (Mitte). Obrist und Sandra Kohler treten im zweiten Wahlgang an, haben aber das Nachsehen.
Kulturvorsteher Als Vorsteher des Ressorts Kultur befasste er sich auch mit dem Kulturhaus Royal. 2017 nimmt er eine Petition mit 7000 Unterschriften zum Erhalt des ehemaligen Kinos entgegen.
Umstrittene Kunst 2019 bei der Eröffnung des umstrittenen Gummistapels "Stack" von Kilian Rüthemann beim Schulhausplatz.
Kurtheater Bei der Einweihung des sanierten Kurtheaters - Stadtrat Erich Obrist (5. v.r.) überreicht Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung, Hans Trudels störrischen Esel.

"Adieu Politik" Der Badener Stadtrat Erich Obrist tritt per 31. Dezember zurück.

SEVERIN BIGLER

"Adieu Politik", lautet das Schreiben von Erich Obrist an die Aargauer Zeitung. "Es wird mein letztes Jahr als Stadtrat sein. Ich habe mich entschieden, per 31.12.21 aus dem Badener Stadtrat auszutreten."

2020 sei ein aussergewöhnliches Jahr gewesen: "Stillstand, Verlangsamung des öffentlichen Lebens und mein runder Geburtstag lösten bei mir Gedanken über meine Zukunft aus. Der Wunsch, mich vorzeitig und schrittweise pensionieren zu lassen, hat sich immer stärker manifestiert", schreibt Obrist.

Ein erster Schritt bestehe darin, dass er sich aus der Politik zurückziehen werde. "Denn eine Wahl ist und war für mich auch immer ein Versprechen, mich für eine begrenzte Zeit zum Wohle der Stadt Baden einzusetzen."

Abstecher nach Olten

Damit die Parteien genug Zeit haben, ihre Nominierungen sorgfältig vorzubereiten, sei es ihm ein Anliegen, früh genug über seine Absichten zu informieren.

Obrist war seit 1998 aktiv in der Badener Politik tätig - mit Ausnahme eines fünfjährigen Abstechers mit Wohnsitz in Olten. Lange politisierte er für die SP, ehe es 2015 zum Bruch kam: Weil ihn die Parteibasis 2015 nicht als Stadtratskandidat nominierte, trat er als Parteiloser an - und liess den SP-Kandidaten Jürg Caflisch sowie Mario Delvecchio (FDP) hinter sich.

2017 kandidierte Erich Obrist als Stadtammann, unterlag aber Markus Schneider (CVP). "Die letzten sechs Jahre waren als Stadtrat, der als Parteiloser 2015 mit grossem Vertrauen gewählt und 2017 mit einem Topresultat bestätigt wurde, äusserst spannend und lehrreich – auch wenn ich mein Ziel, Stadtammann zu werden, nicht erreicht habe", bilanziert Obrist.

"Wahlherbst spannend machen"

Als grössten Erfolg seiner bisherigen Amtszeit führt er die "Strategie Langmatt" auf. "Es gelang uns die Lösung des gordischen Knotens. Sie ebnet dem "Juwel für alle" mit der Sanierung der Villa und der Stiftung eine sichere Zukunft."

Nun werde noch ein Jahr Gas geben, sich mit Leidenschaft für Baden einsetzen - "und den Wahlherbst durch meinen Rücktritt spannend machen".