Baden
Adrian Stern zum Songcircle: «Bei uns ist nichts einstudiert»

«Songcircle», die Erfolgsserie der Kulturreihe «Endlich Mittwoch!», geht in die Sommerpause und sorgt zum Saisonschluss für eine total ausverkaufte Stanzerei.

Ursula Burgherr
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Adrian Stern, Marc Sway, Roberto Hacaturyan und Hendrix Ackle Ursula Burgherr

Adrian Stern, Marc Sway, Roberto Hacaturyan und Hendrix Ackle Ursula Burgherr

Marc Sway singt mit seiner samtig-souligen Stimme «Imagine» von den Beatles. Die Kerzenleuchter tauchen die Stanzerei in ein warmes Licht und dem Publikum stellen sich die Nackenhaare auf, weils einfach nur schön ist. Solche ÜberraschungsMomente gibt es oft beim Songcircle von Adrian Stern und Hendrix Ackle. Alle zwei Monate laden die zwei Musiker Gäste ein, spielen sich gegenseitig ihre Lieblingssongs vor und erzählen dazu kleine persönliche Erlebnisse, die sie damit verbindet.

«Bei uns ist nichts einstudiert», sagt Stern im Vorfeld, «die Künstler wissen zwar, was sie singen möchten; aber wir treffen uns oft erst ein paar Stunden vor dem Auftritt zum Soundcheck und legen dann einfach los.» Das Motto «Wir machen Musik, bei der wir nicht wissen, was dabei rauskommt» beschert den beiden Songcircle-Gründern nicht nur ein stets bis auf den letzten Platz ausverkauftes Haus; ab und zu nistet sich bei den Zuschauern sogar eine Coverversion im Ohr ein, die das Original in den Schatten stellt.

«Dr Eskimo» zum Mittanzen

Cellist Daniel Pezzotti wäre der vierte im Bunde des illustren Quartetts gewesen, das sich für den letzten Songcircle vor Saisonschluss in der Stanzerei Baden die Ehre gab. Doch er musste ins Spital. Für ihn sprang Percussionist Roberto Hacaturyan ein, der vor allem als Bandmitglied von Seven, Marc Sway und Müslüm bekannt ist. Er behauptet, dass sein armenischer Vater aus Istanbul ihm als kleiner Junge das erste Mal von Liedermacher Mani Matter erzählte und macht aus «Dr Eskimo» eine flotte, orientalisch angehauchte Mittanznummer.

Stern entscheidet sich für «With a little help from my friends» in der Schweizerdeutschen Version «Mit e chli Hilf vo mine Fründ» zu interpretieren, was ganz gut zur Situation passt. Denn wenn einer seinen Auftritt hat, interagieren die anderen Musiker spontan und spielen oder singen aus dem Stegreif mit. Daraus entstehen dann oft feuergeladene Performances, die selbst die zurückhaltendsten Zuschauer aus der Reserve locken.

Mit Tränen in den Augen

Aber manchmal wird es auch mucksmäuschenstill im Saal: Zum Beispiel wenn Hendrix Ackle «I’d rather go blind» von Etta James so gefühlvoll darbietet, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Ackle wurde drei Tage vor der letzten Songcircle-Ausgabe Vater einer kleinen Tochter. Sie heisst Etta.

Die «Endlich Mittwoch!»-Reihe Songcircle geht nach der Sommerpause in die fünfte Saison mit neuen Gästen, die noch nicht verraten werden. «Solange wir und das Publikum so viel Spass haben, machen wir weiter», meint Stern und gesteht: «Ich plane bei jeder Ausgabe, mich gut vorzubereiten. Aber dann passt das Lied, das ich einstudiert habe, nicht zur Situation. Oft werfe ich kurz vor dem Konzert oder sogar auf der Bühne wieder alles über den Haufen.» Der Songcircle lebt also weiterhin von seiner Spontaneität und wird auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 für aussergewöhnliche und absolut unwiederbringliche Konzertabende in der Stanzerei sorgen.