«Bis jetzt hat uns jede Erfindung weitergebracht», sagt FDP-Präsidentin Petra Gössi. Die Digitalisierung mache jedoch Angst und die Politik müsse diese Ängste wahrnehmen, hält Gössi in einem Referat vor 650 Besuchern im Trafo Baden fest. Auf dem Podium sprechen Gössi, Philosoph Richard David Precht, AKB-Chef Dieter Widmer und Landstatthalter Urs Hofmann über die Chancen und Gefahren für die Gesellschaft.

Die Digitalisierung sei ein herausfordernder Prozess, bei dem viele Individuen nicht mitkommen werden, sagt Petra Gössi. Deshalb brauchte es ein starkes soziales Auffangnetz. Es sei aber auch eine Grundeinstellung: «Wenn ich das Beispiel des selbstfahrenden Fahrzeugs nehme: Wenn es nicht mehr so viele Buschauffeure benötigt, dann kommt das nicht von heute auf morgen.» Da müsse die Politik andere Wege und Lösungen aufzeigen. «Aber die Menschen müssen das auch wollen und sie müssen bereit sein, sich auf die neuen Begebenheiten einzustellen», sagt die FDP-Präsidentin.

Impressionen des Podiums: 

Bei der aktuellen digitalen Revolution gebe es einen markanten Unterschied zu den ersten drei industriellen Revolutionen. Die früheren Umwälzungen hätten wachsende Märkte bedient «und man konnte zusätzliche Arbeit schaffen.» Die vierte industrielle Revolution schaffe kaum neue Märkte, sondern mache bestehende effizienter, sagt Richard David Precht.

«Informatik ganz hinten»

«Wenn ich unser Bildungssystem anschaue, steht die Informatik ganz weit hinten» sagt Petra Gössi. Informatik zu erlernen, sei nicht so schwierig, man müsse es einfach machen. «Das Programmieren fördert die Fantasie, die uns abhanden gekommen ist.» Die grösste Herausforderung in der Bildung bestehe darin, Jugendliche und Leute im Arbeitsprozess so weit zu bringen, dass sie mit den neuen Herausforderungen umgehen können, sagt Gössi weiter.

Ob es am Tempo des technologischen Wandels liege, dass viele nicht hinterherkämen, fragt Moderator Florian Inhauser. «Es hat damit zu tun, dass wir heute in einer Wohlstandsgesellschaft leben, mit vielen gut verdienenden Leuten», antwortet Dieter Widmer, Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank: «Wie hoch ist die Bereitschaft eines 50- bis 55-Jährigen etwas Neues zu lernen? Seine Arbeit komplett umzustellen?» Das seien Themen, die ihn mehr beschäftigen, als wenn es in der Schweiz plötzlich 20 Prozent Arbeitslose gebe. «Die Anforderungen wandeln sich, deshalb haben die Leute auch Angst», ergänzt er.

«Ich bin nicht so pessimistisch wie Frau Gössi», entgegnet Regierungsrat Urs Hofmann. Das Bildungssystem bewege sich, es gebe zahlreiche Berufsbilder, in denen mit Fantasie gearbeitet werde. Viele junge Leute hätten Interesse in einem kreativen Umfeld tätig zu sein, was auch Start-ups ermögliche. Die Herausforderung der Digitalisierung sieht Urs Hofmann eher bei den älteren Arbeitnehmern, die mehr brauchen würden, als nur ein bisschen Umschulung.