Baden-Wettingen

AKB-Regionaldirektor sagt nach 22 Jahren Adieu

Bruno Renggli (links) ist von Marc Hunsperger abgelöst worden. -rr-

Bruno Renggli (links) ist von Marc Hunsperger abgelöst worden. -rr-

Der Badener AKB-Regionaldirektor Bruno Renglli geht in Pension. Er übergibt das Zepter seinem Nachfolger Marc Hunsperger. Er blickt auf 22 Jahre zurück, in denen sich auch in seiner Bank manches verändert hat.

Die beiden Banker waren an diesem Tag beim Empfang des az-Journalisten sichtlich angespannt. Kein Wunder, eben haben Radios und Online-Portale die Nachricht über die Aufhebung des Euro-Mindestkurses berichtet. Und die Börsenkurse waren grad wild in Bewegung geraten. Doch sowohl der abtretende als auch der neue Direktor sind sich einig: «Jetzt muss man einmal abwarten, bis die ersten nervösen Reaktionen vorbei sind, und dann sich ein Bild machen.»

Wer an Banker denkt, der stellt sich zuerst mal fette Boni und ein grosses Büro mit feudalem Ledersessel vor. Nicht so bei Bruno Renggli (63) in der Aargauischen Kantonalbank in Baden. Hinten im Büro steht ein Stehpult. «Wegen der Bandscheibe», erklärt Renggli. Er war von 1993 bis 2001 Sitzdirektor der AKB Baden. Mit der Neuorganisation der AKB im Jahre 2001 wurde er Regionaldirektor. Um das runde Konferenz-Tischchen herum befinden sich vier Stühle, dahinter eine blaue Wand, ganz der Kantonsfarbe verpflichtet – die AKB als Staatsbank.

Als Staatsbank ein sicherer Wert

Jahr für Jahr spült die Kantonalbank dem Aargau einen stattlichen Betrag in die Staatskasse. «Ein sicherer Wert soll nicht zum Spielball werden, das ist meine persönliche Meinung», sagt Renggli. Diskussionen um die Entstaatlichung der AKB tauchen wiederholt auf. Es gebe Für und Wider, meint Marc Hunsperger (44), zuvor Niederlassungsleiter in Fislisbach, der Rengglis Nachfolge angetreten hat. Dann ist da noch das im Aargau aktuelle Lohn-Thema. «Man kann grundsätzlich darüber diskutieren, ob Banker zu viel Geld verdienen», so Hunsperger. «Wenn aber Politiker die Löhne der Banken-Chefs bestimmen, wird es meiner Meinung nach problematisch», sagt Renggli.

Renggli gehört mit fast 22 Jahren Dienstjahren als AKB-Chef in der Region zur aussterbenden Spezies «langjähriger Bankdirektoren», die noch als Institutionen galten. In Baden ist er bestens bekannt und beliebt. Er hat sich ein Netzwerk aufgebaut, das weit über seine Privatkunden und die Geschäftsklientel hinausgeht. «Ich war mit Herzblut für die AKB unterwegs. Kein Termin, kein Abendanlass waren mir zu viel», sagt er rückblickend. Renggli gilt denn auch als kontaktfreudig und humorvoll.

Gewisse Netzwerke bleiben ihm. Renggli ist Mitglied des Rotary Club, hat sich im Vorstand des Gewerbeverbands Citycom engagiert, für das Sozialprojekt des «Roten Turm», in der Baugenossenschaft Pro Familie, um davon einige zu nennen. Nebst Sozialem ist ihm auch die Natur wichtig. Aufgrund der Liebe zu ihr wurde die AKB Sponsorin des Badener Waldes. «Über diese Natursponsoringprojekte können wir der Bevölkerung etwas zurückgeben», sagt Renggli und schwärmt von den Kundenanlässen im Wald, den Konzerten, dem Lichtspiel. Es sei wichtig, dass sich die Banken engagieren, ob für die Natur, die Kultur oder den Sport. Das schaffe Nähe zu den Menschen einer Region.

Mehr EDV – mehr Regulierungen

Sehr vieles habe sich in seiner Berufszeit geändert, sagt Renggli rückblickend. EDV und Informatik hatten einschneidende Auswirkungen auf den Betrieb. «Nach meiner Lehrzeit bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Luzern musste ich für den Jahresabschluss jeweils während einiger Nächte von allen Konten die Zinsen berechnen und verbuchen. Heute übernimmt das die Informatik.»

Das hat sich auf den Personalbestand ausgewirkt. «Als ich die Stelle des Regionaldirektors antrat, arbeiteten 100 Mitarbeitende für die AKB in der Region. Heute sind es 54 Mitarbeitende: In Baden 34, die andern 20 sind in den Niederlassungen Wettingen, Nussbaumen, Fislisbach und Mellingen.»

Der Geldtransfer hat sich vom Schalter an die Bancomaten verlagert. «Das Beratungsgespräch am Schalter bleibt aber wichtig. Dort findet die Kommunikation statt», erklärt Rengglis Nachfolger Marc Hunsperger. Nebst dem Networking sei es in Zukunft noch wichtiger, auf den Kunden zuzugehen, sagt Hunsperger. «Die Zeiten, in denen wir auf die Kunden warten konnten», sind vorbei, bestätigt Renggli. Ebenso drastisch seien die Veränderungen in der Branche selber. Renggli nimmt die «regulatorische Wut» als Beispiel. Die Finma (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht) habe von 32 auf 850 Vorschriften aufgestockt, sagt Renggli.

Zwei, die ähnlich ticken

Der Wechsel an der Spitze werde kaum spürbar sein. «Eigentlich ticken wir sehr ähnlich», sagt Hunsperger denn auch. Am vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang mit der Kundschaft werde sich nichts ändern. «Geduld und Sorge tragen zu den Mitarbeitenden und den Kunden», wie Renggli seine Führungsphilosophie umschrieb, wird sich auch Hunsperger hinter die Ohren schreiben. Er hat am 1. Januar den Posten angetreten, noch unterstützt von Renggli, der Ende Januar offiziell verabschiedet wird.

«Die Begegnungen werden mir fehlen», gesteht Renggli. Doch: «Ich werde es geniessen, am Morgen etwas länger liegen bleiben zu dürfen», fügt er an mit Blick auf seine Zeit als Rentner. An diese werde er sich zwar erst gewöhnen müssen – mutmasslich auch seine Frau Heidi, meint Renggli. Diszipliniert Sport treiben und die Ruhe beim Fischen suchen am Egelsee, das werde er beibehalten. Für alles weitere, auch für die gemeinsamen Skiferien, würde ihm nun einfach mehr Zeit verbleiben.

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