Baden

Alkohol und häusliche Gewalt: Gibt es einen Zusammehang?

Das neue Alkoholgesetz wird von vielen Seiten kritisiert (Symbolbild)

Das neue Alkoholgesetz wird von vielen Seiten kritisiert (Symbolbild)

Ein Infoanlass zeigt: Bei häuslicher Gewalt spielt Alkohol eine grosse Rolle.

«Häusliche Gewalt fängt nicht erst an, wenn jemand seinen Partner würgt», sagt Judith Hochstrasser der Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt. Sie fange oft schon damit an, wenn jemand sage: «Ich liebe dich; du gehörst mir!»

So startete die Therapeutin in die Veranstaltung «Gewaltig gefährdet» im Hotel Blume. Im Rahmen des nationalen «Aktionstags Alkoholprobleme» fanden am Donnerstag in der ganzen Schweiz Events zum Thema Gewalt und Alkohol statt.

Polizei muss täglich ausrücken

«Man kann niemandem Hilfe aufzwingen, es muss zuerst etwas passieren», sagt Josef Sachs, leitender Arzt Forensik an der Klinik Königsfelden, «das ist zwar manchmal tragisch, aber so ist das schweizerische Rechtssystem nun mal.»

Laut einer Statistik des Kantons Aargau sind 2008 rund 1500 Interventionen im häuslichen Raum durch die Kantons- und Kommunalpolizei gezählt worden. «Wir rücken eigentlich täglich aus, weil wir einen Anruf erhalten», sagt Franz Lanter von der Kantonspolizei. Doch dank Anpassungen im Strafrecht sei die Polizei heute in der Lage, etwas zu tun, so Lanter. «Früher konnten wir nur vermitteln, heute können wir ermitteln», verglich er.

Generell sei es schwierig, herauszufinden, wie sich der Konflikt abgespielt hat, sagt Christoph Decker, Untersuchungsrichter beim Bezirksamt Baden: «Ohne Beweise kann ich kein Urteil fällen.» Erschwerend komme hinzu, dass die nicht weniger schädliche psychische Gewalt oft verborgen bleibe, ergänzt Josef Sachs.

Gewalt findet oft zu Hause statt

«Bei häuslicher Gewalt ist oft Alkohol im Spiel», sagt Sachs. Während sich Gewalt von alkoholisierten Jugendlichen häufig in der Öffentlichkeit zeige, finde die Gewalt unter Erwachsenen dagegen eher in den eigenen vier Wänden statt.

«So, wie Alkohol zu Gewalt führen kann, kann auch eine durch Gewalt geprägte Kindheit zu Alkoholkonsum führen», sagt der Forensiker.

«Bevölkerung sensibilisieren»

Gewalt- und Suchtthemen würden verschwiegen, sagte Oliver Fluri vom Beratungszentrum Bezirk Baden. «Wichtig ist, dass solche Themen an die Öffentlichkeit kommen. Man hört nichts darüber, man redet nicht darüber, aber man muss die Bevölkerung sensibilisieren.»

Man müsse Betroffenen von häuslicher Gewalt sagen, dass es Beratungsstellen gebe, sagt Judith Hochstrasser, und Probleme einer nahestehenden Person nicht abwerten. «Auch bei Suchtproblemen soll darauf angesprochen werden», ergänzt Fluri, das brauche Mut von Freunden und Bekannten eines Betroffenen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1