Wenn in der Dorfmitte etwa 30 Kühlschränke herrenlos herumstehen, kann das nur eines bedeuten: Die Sichlete-Zeit in Kirchdorf steht bevor. Das Fest findet alle fünf Jahre statt und hat im Siggenthal den Status einer kleinen Badenfahrt.

Die Kühlschränke werden nicht in der Dorfmitte stehen bleiben, sondern von den zahlreichen Beteiligten auf die 23 Beizen verteilt, die von Freitag bis Sonntag das Ortsbild prägen werden. Seit Tagen befinden sich die zahlreichen Stände im Aufbau, alte Scheunen und Keller werden ausgeräumt und neu eingerichtet.

«Der Stellenwert der Sichlete im Dorf ist enorm hoch», erklärt Christoph Marthaler, Mitglied des 21-köpfigen Organisationskomitees. «Viele Einwohner nehmen in der Woche vor dem Fest extra frei, um bei den Vorbereitungen zu helfen», fügt er an.

Vor der «Zehnteschüür» gegenüber dem Gasthof Hirschen ist bereits das Gerüst eines Vordaches aufgerichtet, ein Schild kündigt den Besuch der Partnergemeinden Diemtigtal und St-Maurice an. Im Innern präsentieren drei Männer stolz die installierten Scheinwerfer und die extra angefertigten Speiseplatten.

Weiter oben im Dorf, in einem alten Keller, ist Horst Klingler anzutreffen. Er wird am Wochenende, wie schon seit Jahrzehnten, die «Hopfehöhli» betreiben. Der Keller, der an der Sichlete immer mit alten Holzfässern möbliert wird, gehört zum Fest wie das Bier zur Weisswurst. «In diesem Raum befand sich bereits an der ersten Sichlete 1969 eine Beiz», erklärt Klingler.

Alpabzug zur Eröffnung

Verdienen werden die einzelnen Helfer am Wochenende nichts – zumindest nicht direkt. «Der grosse Teil des Gewinns kommt der Vereinigung Kirchdorf zugute», erklärt Marthaler.

Diese spendet einen Teil an gemeinnützige Organisationen und verwendet den Rest für diverse Aktivitäten im Dorf. Zusätzlich wird eine Reserve gebildet. Durch die Sichlete werden alle fünf Jahre zwischen 40 000 und 60 000 Franken eingenommen.

Eröffnet wird das diesjährige Fest mit einem Alpabzug. Zu diesem Zweck führte die Schule gar eine Projektwoche mit Schwingern und Alphornbläsern durch. Am Freitag werden die gut siebzig Kinder dann mit einem Jodlerchor und Weinbauern vom Tromsberg ins Dorf hinunterziehen.

Neben den zahlreichen Beizen soll am Wochenende zudem auf drei Bühnen für Unterhaltung gesorgt werden. Die meisten Besucher werden am Samstagabend erwartet, der durch das Musical «Euses Dschungelbuch» des Jugendchors Siggenthal eröffnet wird.

Die Zukunft der Tradition Sichlete scheint gesichert zu sein. Beim Aufbau und Betrieb sind nebst den Alteingesessenen auch zahlreiche junge Helfer beteiligt. Die Kirchdorfer stehen am nächsten Wochenende im Mittelpunkt und investieren dafür viel Energie. Oder mit den Worten eines Helfers ausgedrückt: «Es ist halt Arbeit, aber am Ende lohnt sich die Mühe.»