Turgi
«Alles was passiert, ist Schicksal»: die letzten Spuren von Isabella (†20) auf Facebook

Vor ihrem Verschwinden postete die getötete Isabella T. (†20) aus Turgi mehrere Beiträge auf Facebook, unter anderem ein Bild, das sie mit mehreren Männern zeigt. Auch danach war die 20-Jährige ein grosses Thema auf Facebook.

Nora Güdemann
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Das letzte Bild aus dem Ausgang, das Isabella T. postete, stammt vom 31. Oktober.

Das letzte Bild aus dem Ausgang, das Isabella T. postete, stammt vom 31. Oktober.

Facebook

«Alles was passiert, es ist Schicksal, was uns trifft», schrieb Isabella T. auf Facebook zu einem Selfie, gepostet am 12. Oktober 2017. Drei Wochen später folgt ein Bild (siehe oben), das die 20-Jährige zusammen mit einigen Männern in einer Bar zeigt. Isabella schrieb dazu, es sei ein «geiler» Abend gewesen.

Kurz darauf verschwindet die Serbin spurlos, wird monatelang vermisst und gesucht. Verwandte und Bekannte machten sich Facebook, wo Isabella T. über 3000 Kontakte hat, bei der Suche zunutze. Am 11. November wurden die ersten Vermisstmeldungen auf ihrem Profil geteilt – rund 100 weitere Posts folgten in den nächsten Monaten. In mehreren findet sich die Information, sie sei am 3. November zuletzt an der Zürcher Langstrasse gesehen worden.

Bei den Kommentaren zu Bildern und Posts auf Facebook finden sich am Anfang noch Sprüche. Jemand veröffentlicht ein Foto, auf dem Isabella einen Schluck aus einer Whiskyflasche nimmt. «Kein Wunder» sei es, dass sie verschwunden sei, schrieb der Kommentierende. Doch die Wochen zogen dahin, ohne dass es ein Lebenszeichen von Isabella gab. Die Witze nahmen ab, wurden von Theorien zu ihrem Verschwinden abgelöst.

Einer ihrer Facebook-Kontakte ging davon aus, dass Isabella zurück in ihre Heimat gereist ist: «Sie sagte, sie wolle für immer nach Serbien.» Andere schrieben, sie sei in Wien und Interlaken gesehen worden. Zudem lese sie Messenger-Nachrichten auf Facebook, antworte aber nicht. «Ich hoffe, es geht ihr gut», schrieb eine ihrer Freundinnen.

Früher sei sie mit Isabella T. in einem Heim im Kanton Bern gewesen, kenne sie daher. Die Viktoria-Stiftung in der Gemeinde Richigen nimmt Jugendliche auf, die sich in schwierigen Phasen befinden. Dass Isabella diese Phasen überwunden hatte, zeigen spätere Posts aus der KV-Schule in Zürich.

Isabella T. (†20) verschwand am 3. November 2017. Ende Januar 2018 wurde ihre Leiche gefunden.
9 Bilder
Manfred Hunziker fand die Leiche in der letzten Januarwoche an dieser Stelle im Wald.
Die Leiche war in einen Teppich eingerollt, der hier lag.
Hunziker gehört das Waldstück.
Die Lambada Bar in Zürich – hier wurde Isabella zuletzt gesehen.
Mutter von Isabella T. nach dem Leichenfund: «Ich hoffe und bete, dass sie es nicht ist»'
Das letzte Bild aus dem Ausgang, das Isabella T. postete, stammt vom 31. Oktober.
Die wichtigsten Stationen von Isabellas Verschwinden.
Muss sich die Polizei Vorwürfe gefallen lassen, weil sie nicht öffentlich nach Isabella gefahndet hat? Nein, sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kapo Aargau. «Nur weil wir keine offizielle Öffentlichkeitsfahndung gemacht haben, heisst das nicht, dass die Polizei nichts unternommen hat»

Isabella T. (†20) verschwand am 3. November 2017. Ende Januar 2018 wurde ihre Leiche gefunden.

facebook.com

Angst, Verzweiflung und Wut

Noch mehr Tage vergingen. Und auf Isabellas Facebookprofil machte sich noch mehr Angst, Verzweiflung und Wut breit. Wut auf die Männer auf dem Bild des «geilen» Abends: «Die haben sicher etwas damit zu tun!», schrieb ein Kommentator darunter. Verzweiflung, weil die Polizei aus Sicht ihrer Freunde nicht effizient genug arbeitete.

Es gab sogar den Versuch, deshalb einen Privatdetektiv zu engagieren. Angst, weil man doch wisse, dass sich an der Langstrasse böse Menschen herumtreiben. «Da beim Club Mascotte stehen immer zwei komische Typen, die nach Frauen schauen», lautet ein Kommentar.

Einige ihrer Freunde glaubten nicht daran, dass ihr etwas passiert sein könnte. «Die ist doch einfach bei ihrem Freund» oder «Sie hatte Streit daheim und ist weg». Nach dem Leichenfund vor einer Woche wurde spekuliert, dass es sich bei der Toten um Isabella handeln könnte. Das Vorgehen der Polizei, die ihre Eltern aufsuchte, deutete darauf hin. Trotzdem wollten Isabellas Freunde die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie noch am Leben sei.

Seit Donnerstag ist ihr Tod traurige Gewissheit. Kerzen, alte Bilder mit Freunden, Erinnerungen werden seither auf Facebook geteilt. Man sei «am Boden zerstört», vermisse «Bella» unendlich. Im Minutentakt erscheinen neue Beileidsbeiträge auf Isabellas Profil. Dort, wo die junge Frau vor einem Jahr, vermutlich als Scherz gemeint, noch ihre Verlobung bekannt gab.

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