Einwohnerrat Wettingen
Allianz verlangt 46,5-Millionen-Kostendach für abgespecktes Tägi-Projekt

Weil die Sanierung 3 Millionen Franken teurer wird, verlangt Einwohnerrats-Allianz einen Kostendeckel.

Sabina Galbiati
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Über den zentralen Eingangsbereich mit Bistro erreichen die Besucher künftig alle Anlagen.
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Der Eingangsbereich sieht ein Bistro vor, welches das heutige Restaurant im ersten Stock ersetzt.
Die Kinder erhalten ihren eigenen Planschbereich.
Der Eingangsbereich sowie der Vorplatz werden neu gestaltet.
Eines der beiden Eisfelder wird überdacht. Auf der neuen Tribüne finden rund 300 Zuschauer Platz.
Die Saunalandschaft wird in den Räumlichkeiten des heutigen Restaurants erstellt.
Visualisierung Tägi

Über den zentralen Eingangsbereich mit Bistro erreichen die Besucher künftig alle Anlagen.

zvg

Morgen stimmt der Einwohnerrat über den Baukredit für das Sport- und Erholungszentrum Tägerhard ab. 46,5 Millionen Franken kostet die Sanierung des «Tägi» (wir berichteten). Das sind rund 3 Mio. Franken mehr als Volk und Einwohnerrat 2014 genehmigt hatten.

Nun verlangen SVP-Einwohnerrat Daniel Notter, der auch Mitglied der Finanzkommission ist, GLP-Fraktionschef Orun Palit und FDP-Einwohnerrat und Fiko-Mitglied Philipp Bürgler ein Kostendach für den 46,5-Millionen-Franken-Kredit. In ihrem Antrag begründen sie: «Mit der Kostenungenauigkeit von plus/minus 10 Prozent, die in der Vorlage ausgewiesen wird, kann das Tägi-Projekt bis zu 51 Millionen Franken kosten.»

Nur: Sollte sich nach Kreditbewilligung am Bauprojekt und den Kosten etwas ändern, muss der Gemeinderat ohnehin einen Nachtragskredit beantragen. Wozu also der Kostendeckel? Orun Palit ist sich bewusst, «Dieser Kostendeckel wird rein juristisch nichts ändern.» Vielmehr wolle man mit dem Antrag ein Zeichen setzen. «Gemeinderat, Planer und die Bau- und Planungsabteilung sollen dafür sorgen, dass die Kosten von 46,5 Millionen Franken nicht überschritten werden.» Damit wolle man auch ein Zeichen an die Bevölkerung schicken: «Das politische Ziel ist, bei den 46,5 Millionen zu bleiben», so Palit.

«Projekt geschickt verkauft»

Der Kostendeckel für das Tägi kommt nicht von ungefähr. «In der Vorlage des Gemeinderates werden das Projekt und dessen Finanzierung überaus positiv dargestellt», sagt Palit. Man müsse schon genau hinschauen, um zu sehen, dass die Sanierung knapp 3 Millionen Franken mehr koste, als 2014 angekündigt. Damals war der Projektierungskredit in den 46,9 Millionen Franken enthalten. Der Baukredit selber, den das Volk und der Einwohnerrat 2014 genehmigt hatten, betrug 43,6 Millionen Franken.

Der aktuelle Baukredit kommt auf 46,5 Millionen Franken. Dies wird zwar in der Kostentabelle auf Seite 9 der 15-seitigen Vorlage ausgewiesen. «Aber in der Vorlage weist der Gemeinderat nirgends explizit darauf hin», moniert Palit, der in der einwohnerrätlichen Begleitkommission des Tägi-Projekts sitzt. Daniel Notter, der 2012 mit der IG Wettingen gegen das 84-Millionen-Tägiprojekt gekämpft hatte, ergänzt: «Aufgrund der Vorlage hat man nicht das Gefühl, dass die Sanierung mehr kostet.»

Der Gemeinderat verkaufe das Projekt sehr geschickt. «Was mehr kostet, hätte man zum Teil schon vor zwei Jahren einkalkulieren können», betonen Notter und Palit. Als Beispiel nennen sie die behindertengerechte Garderobe, die doch heute eigentlich Standard sei. Aber auch Posten, wie die Reserve für Unvorhergesehenes von 1,7 Millionen Franken. Auch würden mögliche Risiken zu wenig transparent gemacht. «Was, wenn das geplante Fitnessstudio nicht rentabel ist, weil die Konkurrenz zu gross ist», gibt Palit zu bedenken.

Kommission stimmt für Projekt

Trotz Kritik betont Notter: «Das vorliegende Projekt ist ein gutes und wird allen Bedürfnissen gerecht. Klar ist auch, dass die Sanierung dringend ist.» Die Begleitkommission ist gemäss Vorlage der Ansicht, dass das Bauprojekt ausgewogen sei, sich stark am Notwendigen orientiere und effizientere Betriebsabläufe unterstütze. Sie stimmt dem Projekt deshalb einstimmig zu. Auch zeigen die Fraktionsberichte, dass die Parteien grossmehrheitlich hinter dem Projekt stehen. SVP-Fraktionschef Daniel Frautschi kündigt an: «Wir werden einen Antrag stellen, dass die Fiko regelmässig eine Auflistung und einen Bericht über die Kostenentwicklung erhält.» Die GLP wolle sich bei der Abstimmung enthalten, schreibt die Partei im Fraktionsbericht.

Der zuständige Gemeinderat Roland Kuster (CVP) räumt ein: «Man hätte die Mehrkosten in der einleitenden Zusammenfassung der Vorlage explizit erwähnen können. Wir haben aber gegenüber der einwohnerrätlichen Begleitkommission die höheren Kosten für die Projekt-
optimierung immer ausgewiesen.» Zudem sei der Baukreditantrag von 2014 eine Grobkostenschätzung mit einer Abweichung von plus/minus 25 Prozent gewesen. Jetzt liege die Detailplanung vor. «Nun haben wir ein Projekt, das nicht ganz 7 Prozent mehr kostet und besser ist als jenes von 2014. «Wir konnten den Betrieb effizienter gestalten und sparen dadurch künftig jährlich Betriebskosten von 1,4 Millionen Franken.» Das führte allerdings zu Mehrkosten. So koste der gesamte Eingangsbereich rund 1,2 Millionen Franken mehr. «Auf der anderen Seite sparen wir beispielsweise bei der Sauna 1,1 Millionen Franken, weil wir kein zusätzliches Geschoss mehr brauchen», erklärt er. Auch habe man nicht alle Details voraussehen können. So beispielsweise, dass man neu das ehemalige Pumpwerk Tägerhard nutzen könne für die Speisung der Wärmepumpe und dadurch Energiekosten von rund 100 000 Franken jährlich spare, dafür aber 350 000 Franken investieren müsse.

«Beim jetzigen Projekt wollen wir das Risiko von höheren Kosten durch einen externen Controlling-Experten minimieren», sagt er. Weiter würden die Arbeiten erst vergeben, wenn alle Kostenkomponenten definitiv seien und sicher sei, dass die 46,5 Millionen Franken eingehalten würden, betont Kuster.