«Das alte Haus von Rocky Docky hat viele schon erlebt»: Der Schlager aus den 50er- Jahren lässt sich problemlos aufs Badener Kurtheater übertragen. Auch es hat vieles erlebt. Auf seinen Brettern haben unzählige grosse und bekannte Persönlichkeiten gestanden. Besonders in den 70er- und 80er-Jahren tourten viele Film- und Fernsehstars durch die Theater im deutschsprachigen Raum und machten Station in Baden. «Wenn man so ausschliesslich mit dem Fernsehruhm reist, ist es ganz gut, wenn man den Leuten auch zeigen kann, dass man ein bisschen auch ein guter Schauspieler ist», sagte Hans Joachim Kulenkampff 1974, als er in Oscar Wildes «Der ideale Gatte» hier gastierte.

Hanna Schygulla hatte bereits 25 Filme gedreht – zwölf davon unter Werner Fassbinder – als sie in der Titelrolle von Ger- hart Hauptmanns Schauspiel «Rose Bernd» auf der Kurtheater-Bühne stand. Dass ihr politisches Engagement merklich weniger geworden war, kommentierte Schygulla so: «Irgendwann muss man ja heute bei sich selber anfangen, während man in den 60er-Jahren alles auf die Gesellschaft bezog. «Schätzchen» Uschi Glas, auf Tournee mit dem Lustspiel «Zweimal Hochzeit», machte sich 1977 grosse Sorgen um den FC Bayern: «Ouuh, a geeh, des is a Drama, grad jetzt muss ma ehna helfa.»

Dr. Renz und Matula in Baden

Horst Tappert war weit mehr als der Oberinspektor in Massanzug, Trenchcoat und Pilotenbrille. «Ich bin gerne Derrick, doch Theaterspielen ist und bleibt die Basis unseres Berufs und ich habe es nie ganz vernachlässigt.» Im Kurtheater hat er als Nummer 8 in «Die zwölf Geschworenen» und in Balzacs «Das Finanzgenie» überzeugt. Günter Strack, als Dr. Renz der erste Rechtsanwalt in «Ein Fall für zwei», war zusammen mit «Matula» Claus Theo Gärtner im Zwei-Personen-Stück «Revanche» 1984 live zu erleben. «Für mich ist Essen und Trinken ein Teil des Lebens und ich bin nicht so vergeistigt, dass ich darauf verzichten könnte», kommentierte Strack im Interview seine Leibesfülle.

Hansjörg Felmy, einst beliebter Tatort-Kommissar Heinz Haferkamp, verriet 1982, dass «Wir Wunderkinder» für ihn der beste Film, Thomas Buddenbrook in der Romanverfilmung seine liebste Filmrolle gewesen sei, und dass er täglich bis 20 Gitanes mit Maispapier rauche. Ulrike Folkerts, alias Tatort-Kommissarin Lena Odenthal, war 1992 als Silvia in Mariveauxs «Die Unbeständigkeit der Liebe» im Kurtheater zu Gast: «Die Rolle der jugendlichen Liebhaberin habe ich nur bekommen, weil eine Gegenbesetzung gesucht worden war.»

Für Lilo Pulver, die mit ihrem Mann Helmuth Schmid auftrat, war es 1986 in Baden die 208. Vorstellung vom Lustspiel «Lauf doch nicht immer weg»: «Wahnsinnig gerne hätte ich als Maria Stuart von Stefan Zweig vor der Kamera gestanden. Jetzt bin ich zu alt für die Rolle», stellte sie lächelnd fest. Als Harald Juhnke 1983 im Lustspiel «Eule und Kätzchen auf der Kurtheaterbühne stand, war ihm der Ruf, ein Alkoholiker zu sein, vorausgeeilt. «Ich halte mich diesbezüglich an ein weises Wort von Hans Albers, der einmal gesagt hat, ihm sei egal, was die Leute über ihn schreiben und reden, ob Gutes oder Schlechtes. Hauptsache man erwähne ihn, denn ohne das könne kein Schauspieler existieren.» Im «Verenahof» logierend, hatte Walter Giller – auf Tour mit Fey- deaus «Floh im Ohr» – Besuch von seiner Frau Nadja Tiller («Das Mädchen Rosemarie»): «Ich hatte sie 1953 beim Dreh von ‹Schlagerparade› unter der Regie von Erik Ode (‹Der Kommissar›) kennen gelernt».

Alle haben begeistert

Will Quadflieg hat ebenso auf der Kur- theaterbühne gestanden, wie sein Sohn Christian; Maria Becker, wie ihr Sohn Oliver Tobias. Manfred Krug, Sonja Ziemann, Walter Richter, Voli Geiler haben ebenso begeistert, wie Vadim Glowna, der seine Sporen bei Gustav Gründgens am Hamburger Schauspielhaus abverdient hatte, Klimbim-Ulknudel Ingrid Steeger, Elke Sommer, einst in den Ferien in Italien von Regisseur Vittorio de Sica entdeckt, hier und Freddy Quinn im Hamburger Musical «Man ist so jung, wie man sich fühlt». Interviews waren längst nicht mit allen möglich. Jenes mit Karlheinz Böhm schon: Leider entpuppte sich der umschwärmte Kaiser Franz Joseph 1982 als unfreundlich, arrogant und selbstgefällig.

Nach viel Drama – die Sanierung des Kurtheaters hat begonnen: