Die Autorinnen Madeleine Marti und Corinne Rufli liessen die bewegte Zeit in den 80ern und frühen 90ern wieder aufleben und haben ein Buch über das Frauenzentrum Baden geschrieben, das vor 22 Jahren seine Türen schloss. Um die Erscheinung des Buches zu feiern, fand am Donnerstagabend im historischen Museum Baden, in dem zurzeit die Ausstellung «Aufbruch! Love, Peace und Frauenstimmrecht» läuft, die Buchvernissage statt.

Selten war eine Vernissage so voller Zurufe und Applaus. Der Erfolg der Veranstaltung dürfte einerseits an der gelungenen Buchpräsentation samt Bildern, angeregter Diskussion und sinnreicher musikalischer Unterhaltung der Akkordeonistin und Chansonnière Olga Tucek gelegen haben. Andererseits war es aber wohl etwas, das von Anfang an da war: Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Verbundenheit angesichts gemeinsam oder ähnlich durchlebter Erinnerungen und Erfahrungen, das sich wie ein unsichtbares Netz über die über 100 erschienenen Frauen und die vereinzelten Männer legte.

Ein Freiraum für Frauen

Den Anfang machte die Germanistin Madeleine Marti, die von der Eröffnung bis zur Schliessung des Frauenzentrums darin aktiv war. Das Frauenzentrum Baden bestand von 1981 bis 1996 und war geschaffen und getragen von Frauen aus der Region, erzählte sie. Hier trafen sich Frauen zu politischen und kulturellen Anlässen, diskutierten über Mutterschaft und Ehegesetze, über die freie Wahl der sexuellen Orientierung und über Vorstellungen zu Gleichstellung in privaten wie öffentlichen Bereichen des Lebens. Als Marti Ende der 70er Jahre vom Studienaufenthalt in Berlin in die Kleinstadt zurückkehrte, fand sie Zuflucht in der Frauenbefreiungsbewegung FBB, die sich nach dem Vorbild in Zürich nun auch in Baden formiert hatte. Hier traf sie nicht nur auf Gleichgesinnte, aber auf eine offene Stimmung der Debatte und Zugewandtheit, in der man Meinungen diskutierte und, wenn manchmal auch nicht teilte, so doch akzeptierte.

In der Erinnerung vieler damals aktiver Frauen — im Buch hat die Historikerin Corinne Rufli fünf davon porträtiert – war das Frauenzentrum Baden ein Freiraum, «in dem man viel lernte, über sich selbst, über unsere Gesellschaft und über Basisdemokratie», so die porträtierte Heidi Hug.

Lebendige Geschichte

In einer Zeit, in der einzig der Ehemann wichtige Dokumente unterzeichnen konnte, in der homosexuelle Frauen im Bewusstsein der Gesellschaft nicht existierten und die Meinung der Frau auch nach der Annahme des Frauenstimmrechts nur langsam akzeptiert wurde, war ein Raum, in dem man gehört und gesehen wurde: an sich ein Befreiungsschlag. «Wehrt euch, bevor ihr frustriert und hässig seid», lautet so auch der Titel des Buches, der sich Gehör verschaffen will, ein Zitat der nichtgewählten Lilian Uchtenhagen von 1984.

Während des 15-jährigen Bestehens des Frauenzentrums musste das Frauenzentrum dreimal umziehen. Der Kampf um die Forderung nach eigenen Räumen spiegelt symbolisch den Kampf um die Wahrnehmung und Anerkennung der politischen Anliegen der Frau in der Gesellschaft und den Gremien, «die damals durchgängig männlich besetzt waren», wie sich Madeleine Marti erinnert.

Auch wenn sich seither einiges verbessert hat, 1998 mit Ruth Dreifuss endlich eine Frau Bundespräsidentin wurde und Frauenanliegen zunehmend institutionalisiert wurden, so ist die Geschichte, wie sich besonders im letzten Jahr gezeigt hat, leider nicht immer linear. Deshalb sei es wichtig die Geschichte der Frauen, die in der Vergangenheit so oft ignoriert oder vergessen wurde, aufzuschreiben. «Denn Geschichte wird erst lebendig, wenn man sie erzählt», so Corinne Rufli.