Die Erwartungen an die neue Dauerausstellung im Historischen Museum sind riesig: Es handelt sich um das aufwendigste Projekt in der Geschichte der städtischen Kultur-Abteilung. Acht Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zur Fertigstellung. Die Geschichte Badens werde «auf aussergewöhnliche Weise neu erzählt», verspricht ein Flyer. In der Cafeteria werde überdies der beste Espresso der Region serviert. An Selbstbewusstsein mangelt es den Museumsmachern offenbar nicht!

Beim Start im Hauptausstellungsraum des «Melonenschnitzes» wird auf den ersten Blick klar, was das Museum den Besuchern näherbringen will: Die zwei historischen Megathemen der Stadt – die Bädergeschichte und die Industriegeschichte. Ausgestellt sind diverse Originalobjekte, beispielsweise der erste Wechselstromgenerator und die Mutter-Stempeluhr der BBC, die erste vollautomatische Waschmaschine «Bianca» aus dem Merkker-Werk, ein Arbeiterspind aus der Fabrikhalle 36, ein Hometrainer aus den 1920er-Jahren aus dem Volksheilbad Freihof oder das Leuchtschild des Restaurants Seerose von 1930, wo so mancher Arbeiter sein Feierabendbier trank. Wer sich mit der Stadt verbunden fühlt, bei dem weckt dieser Ausstellungsraum Emotionen, weil er an vieles erinnert, von dem man schon gelesen, gehört hat; manche Objekte aus der Alltagsgeschichte erinnern an die eigene Vergangenheit, wie etwa Badenfahrt-Plaketten.

Was daran ist aussergewöhnlich?

Was soll an dieser Ausstellung «innovativ», «aussergewöhnlich» sein? Es ist die Art und Weise, wie die Geschichte vermittelt wird. Im Web-Zeitalter wird Wissen von Link zu Link abgerufen, man hüpft von Website zu Website. Entsprechend wird man im Museum nicht chronologisch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt oder von Thema zu Thema durch den Raum geführt, sondern man bewegt sich irgendwie zufällig. Statt wie früher auf Tafeln, werden die Objekte im Museum auf Monitoren erklärt. Je nach Link, den man darin anklickt, wird einem der Gang zum entsprechenden Modul empfohlen. Geht es nach den Museumsmachern, soll man sich also digital im analogen Raum bewegen, um die Zusammenhänge der Industrie- und Bädergeschichte zu erfahren. Ob sich die Besucher an diese Vorlage halten werden? Es macht zumindest genau so viel Spass, selber zu entscheiden, über welches Thema Badens man mehr wissen möchte.

Spannend sind die interaktiven Elemente der Dauerausstellung: In einem Nebenraum ist eine Art Klein-Kino eingerichtet worden, in dem neben dem reichen Fotoschatz aus dem Fotohaus Zipser und dem Ennetbadener Fotografen Nefflen Filme von Jugendfesten, Badenfahrten oder eine BBC-Reportage gezeigt werden. Schmuck auch die Fotoboxen, in denen man sich vor historischer Kulisse ablichten lassen kann, entweder als Fabrikarbeiter oder als Kurgast. Zu den Highlights zählen nicht zuletzt die Modelle, welche die Stadt Baden in verschiedenen Jahrhunderten darstellen. Sie zeigen eindrücklich, wo die Stadt wann gewachsen ist.

Der erste Eindruck nach einem Kurzbesuch: Wer Badens Geschichte verstehen will, muss diese Ausstellung gesehen haben. Sei es, um im Kollegenkreis bei einem Glas Wein mit historischem Wissen prahlen zu können oder ganz einfach, um in die Vergangenheit Badens einzutauchen. Gewiss könnte man sich auch im Internet über die Geschichte Badens schlaumachen. Doch der Besuch im Museum, wo man Objekte aus vergangenen Zeiten vor sich stehen sieht und riechen und fühlen kann, macht einfach mehr Spass. Erste Gelegenheit dazu bietet sich diesen Samstag und Sonntag bei der Eröffnung – alle Infos gibt es im Internet, der Eintritt am Eröffnungswochenende ist gratis.

Übrigens: Der Espresso aus der Cimbali-Maschine schmeckt extraklasse.