Siegfried Keller hätte sich vor über 100 Jahren wohl kaum vorstellen können, dass vor seiner Beiz einst täglich rund 30 000 Fahrzeuge vorbeifahren. 1877 wurde die Nationalbahn von Wettingen nach Zofingen eröffnet. Keller war der erste Stationsvorstand des Bahnhofs Dättwil. Er kaufte Land und eröffnete 1880 die Wirtschaft Täfern. 1915 gliederte Keller noch einen Landwirtschaftsbetrieb an. 1959 und 1983 wurde die «Täfern» umgebaut.

Impressionen vom Abschied:

1983 übernahm mit Rosmarie Friedli-Markwalder und Markus Friedli die 4. Generation den Betrieb. Die ersten Jahre Anfang der 1980er seien nicht einfach gewesen, erinnert er sich – und denkt im Zusammenhang mit dem Umbau 1983 lachend an folgende Anekdote zurück. «Als Otto Wanner, der damalige Verleger des ‹Badener Tagblatts›, in der Fasnachtszeitung die erfundene Visualisierung einer Glasfassade sah, hat er mich zu sich zitiert. Zusammen fuhren wir ins Luzernische, wo wir eine Beiz besuchten, die seinen Vorstellungen entsprach.» Dass Wanner am geplanten Umbau der «Täfern» derart Anteil nahm, kam nicht von ungefähr. «Während der Jagdsaison war Wanner jeden Samstag mit seinen Jagdkollegen in der Gaststube anzutreffen.

Überhaupt war Otto Wanner immer sehr präsent: «Als wir hier im Alter von 27 Jahren begannen, waren wir nicht nur sehr jung, sondern auch Anfänger. Es kam ein paar Mal vor, dass mich Otto Wanner nach hinten in den Saal zitierte und mir eine Standpauke gehalten hat, was ihm an der «Täfern» nicht passe. Beim 5. oder 6. Mal sagte er mir, ich solle mich setzen. Er lobte mich und sagte mir, wie wohl er sich in diesem Restaurant fühle, um gleich anzufügen: «Wenn Du nachlässt Markus, dann werde ich Dir das rasch sagen.»

Aus dem Jagdkollegen-Treffen entstand Anfang der 1960er-Jahre der BT-Chlaus, zu dem der Verleger Grössen aus Politik und Wirtschaft einlud. Sein Sohn und heutiger Verleger Peter Wanner hat die Tradition fortgeführt. Und so zeugen nicht wenige Unterschriften von ehemaligen Bundesräten im «Täfern»-Gästebuch von den prominenten Gästen.

Doch es sind nicht die prominenten Gäste, auf die das Wirtepaar in erster Linie zählt. «Über die Jahre haben wir uns eine grosse Stammkundschaft aufgebaut, welche die ehrliche Atmosphäre – Speck und Rippli nicht zu vergessen – hier schätzt», sagt sie. Eine solch lange Zeit in der Gastronomie zu bestehen, sei keine Selbstverständlichkeit, sagt Friedli, der als junger Mann eigentlich Bauer werden wollte. «Ein Erfolgsrezept ist sicher auch das gute Teamwork im Service und in der Küche, wo wir übrigens jedes Jahr einen Lehrling ausgebildet haben.» Er sei zuweilen sicher ein strenger Chef gewesen. «Doch ehemalige Lehrlinge, die heute selber einen Betrieb führen, sind mir dankbar dafür.» Am Samstag ging das letzte «Täfern»-Kapitel zu Ende.