Baden

Als die BBC vor 50 Jahren ein Forschungszentrum gründete, begann die Erfolgsgeschichte

Als der Segelhof sonst noch unbebaut war und noch keine Wasserkugel den Brunnen krönte: das Forschungszentrum kurz nach der Eröffnung 1973.

Als der Segelhof sonst noch unbebaut war und noch keine Wasserkugel den Brunnen krönte: das Forschungszentrum kurz nach der Eröffnung 1973.

Im Segelhof in Baden-Dättwil gründete die BBC 1967 ihr Konzernforschungszentrum – eine Erfolgsgeschichte.

Vor 50 Jahren wurde der Grundstein zu einer Badener Erfolgsgeschichte gelegt: 1967 entschied der Weltkonzern Brown, Boveri & Cie., ein Forschungszentrum zu gründen. Es war die Hochblüte der BBC. Im selben Jahr hatte der Stromkonzern die Maschinenfabrik Oerlikon übernommen und damit seine Vormachtstellung in der Strombranche ausgebaut.

50 Jahre später feierte die Nachfolgegesellschaft ABB an diesem Donnerstag das Jubiläum im Dättwiler Segelhof. Anders als es die Boulevardzeitung «Blick» verkündete, kam zwar weder Bundespräsidentin Doris Leuthard noch ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser zur Feier. Dennoch fand viel Prominenz den Weg nach Dättwil: ABB-CEO Ulrich Spiesshofer und ABB-Schweiz-Chef Remo Lütolf feierten das Jubiläum zusammen mit ABB-Technik-Chef Bazmi Husain und dem Leiter des Forschungszentrums, Stefan Ramseier. Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation hielt eine Ansprache.

Die Führungsriege am Jubiläumsabend: ABB-Technik-Chef Bazmi Husain, CEO Ulrich Spiesshofer, Stefan Ramseier, Leiter des Forschungszentrums und ABB-Schweiz-Chef Remo Lütolf (v.l.).

Die Führungsriege am Jubiläumsabend: ABB-Technik-Chef Bazmi Husain, CEO Ulrich Spiesshofer, Stefan Ramseier, Leiter des Forschungszentrums und ABB-Schweiz-Chef Remo Lütolf (v.l.).

Die Ansiedlung des Forschungszentrums im Segelhof war einst nicht nur entscheidend für die Entwicklung der BBC, sondern auch für Dättwil als Stadtteil von Baden. Fast hätte die «Chlosterschür» am Limmatufer in Wettingen das Rennen gemacht. Doch nach drei Jahren der Planung und der Standortsuche hiess es 1970 in der Hauszeitung der BBC: «Dättwil wird Forschungsstadt». Das Unternehmen orientierte über den Neubau des «Konzernforschungszentrums Baden-Dättwil» auf der grünen Wiese im Segelhof. Im Sommer 1970 wurde dann mit dem Bau begonnen.

Rund drei Jahre dauerten die Arbeiten. Am 24. Mai 1973 wurde das Forschungszentrum feierlich eröffnet. Es war ein Meilenstein in der Geschichte des Badener Weltkonzerns. Und es wurde zu einem Prestigeinstitut der BBC.

«Allseitiger Ausblick ins Grüne»

ETH-Professor Ambros Speiser, der in den 50er-Jahren den Bau des ersten Computers in der Schweiz leitete, baute das Forschungszentrum der BBC auf und prägte es über Jahre als Direktor. Er schrieb damals über den Neubau: «Das Gelände ‹Segelhof› in Dättwil bietet die ideale Umgebung: Abseits vom Verkehrslärm und von der direkten Überbauung, mit allseitigem Ausblick ins Grüne, aber nahe bei den grossen Brown Boveri Werken in Baden, Turgi, Birr und Oerlikon und beim Flughafen Kloten, findet der Forscher hier den Platz, an dem er nach Wahl die Isolation oder den weltweiten Kontakt suchen kann.»

Von Anfang an gab es im Segelhof ein Auditorium mit einem Foyer, ein Restaurant, eine Bibliothek und einen Konferenzsaal. Der Neubau im noch völlig unverbauten Segelhof löste einen ersten Entwicklungsschub in Dättwil aus. Die Gemeinde war erst 1962 zusammen mit den Dorfteilen Münzlishausen und Rütihof mit Baden zusammengelegt worden – nicht zuletzt, weil es in der Stadt nicht mehr genügend Bauland gab.

Als die BBC dann 1988 mit der schwedischen Asea zu ABB fusionierte, wuchs die internationale Bedeutung des Konzerns. In Västerås, dem alten Hauptsitz von Asea, betreibt ABB heute ebenfalls ein Forschungszentrum – insgesamt sind es sieben auf der ganzen Welt. Der Standort Dättwil ist eine anhaltende Erfolgsgeschichte. 220 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 40 Nationen arbeiten heute hier in über 50 Labors: Physiker, Chemiker, Informatiker und Ingenieure – die meisten mit Doktortitel. Dazu kommen jeweils rund 120 Studenten und Diplomanden im Jahr.

Die ersten LCD-Bildschirme

«Wir bauen auf den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft auf und beantworten die offenen Fragen, die sich in der Technologieentwicklung ergeben», sagt Stefan Ramseier, der das Forschungszentrum seit 2014 leitet. Und: «Wir zeigen auf, wie sich Wissen in Innovation überführen lässt.» Das Forschungszentrum trage dazu bei, dass ABB bei den Patentanmeldungen von Schweizer Unternehmen seit Jahren einen Spitzenplatz belegt.

In Dättwil wurde etwa das «super-twisted nematic LCD» erfunden, welches in den 80er-Jahren erstmals die Herstellung grösserer Flüssigkristall-Bildschirme ermöglichte und weltweit lizenziert wurde. Ein wichtiges Arbeitsgebiet in Dättwil sind auch sogenannte Leistungsschalter, an deren Entwicklung das Forschungszentrum in den letzten 50 Jahren einen grossen Anteil hatte. Sie schützen rund um den Globus Hochspannungsnetze vor Blitzeinschlägen – und uns alle, in viel kleinerer Form, als Sicherungen vor Stromschlägen im Haushalt.

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