«Ikuzeba» oder «Interessensgemeinschaft Kulturzentrum Baden» sagt der heutigen Jugend vielleicht nicht mehr viel. Die Badener Kantischülerinnen Julia Hunkeler, Selina Gruber und Norma De Min kennen sich jedoch mit der Jugendbewegung der Achtzigerjahre bestens aus. Die drei 19-Jährigen haben im Zuge ihrer Maturaarbeit einen Dokumentarfilm über den Verein gemacht. Diesen Sonntag wird der Film mit dem Titel «Ikuzeba - Baden in Bewegung» im Badener Kulturlokal «Royal» ausgestrahlt.

«Wir sind sehr nervös und hoffen, dass wir eine positive Rückmeldung erhalten, vor allem auch von den ehemaligen Mitgliedern des Vereins, die wir interviewt haben», sagt Gruber. De Min ergänzt: «Das Projekt ist uns ans Herz gewachsen, die schulische Bewertung ist irgendwann in den Hintergrund gerutscht. Dass der Film im ‹Royal› ausgestrahlt wird, bedeutet uns viel.»

Baden Ende der Achtzigerjahre. Die Jugendbewegung und die Unruhen in anderen Städten schwappten auch auf Baden über. Der Verein «Ikuzeba» wurde gegründet. Sie forderten von der Stadt ein autonomes und nicht-kommerzielles Kulturlokal für Baden. Als im gleichen Jahr der Betrieb des Wettinger Schlachthofs eingestellt wurde, lancierte die «Ikuzeba» eine Petition, in der sie die Nutzung des Schlachthofs als Kulturlokal forderten. Der Hof stand zwar auf Wettinger Boden, war aber in Besitz der Stadt Baden. Doch der Entscheid, was weiter mit dem Schlachthof passieren sollte, zog sich hin. Im November 1988 entschieden sich rund hundert Vereinsmitglieder dazu, den Schlachthof zu besetzen. Die Besetzung dauerte fünf Tage, danach verliessen die «Ikuzeba»-Mitglieder das Areal wieder.

Nach langer Verhandlung kam ein «Gebrauchsleihvertrag» mit der Stadt Baden zustande. Die «Ikuzeba» konnte Kulturanlässe im Schlachthof veranstalten. Nach einem Jahr mussten sie ihn jedoch aufgeben: Es fehlten die Mittel für nötige Investitionen. Auch in den folgenden Jahren machte der Verein immer wieder mit Aktionen auf sich aufmerksam.

Im Sommer 1990 unterschrieb die «Ikuzeba» den Mietvertrag für zwei Etagen eines Eckhauses an der BBC-Strasse. Das Kulturlokal «KuBa» war geboren. Das Bestehen des Lokals stand immer wieder auf der Kippe, zwischenzeitlich war es sogar geschlossen. Auch Vorwürfe, dass das «KuBa» eine offene Drogenszene fördern würde, da Haschischkonsum toleriert wurde, kamen auf. Die Stadt machte dem Verein höhere Auflagen. Trotz Bemühungen musste das «KuBa» nach acht Jahren schliessen. Da kein anderes Lokal gefunden wurde, löste sich auch der Verein «Ikuzeba» auf.

Es steckt viel Arbeit dahinter

Hunkeler und De Min sind beide in Baden aufgewachsen, Gruber in Fislisbach. Trotzdem hatten die drei noch nie von der «Ikuzeba» gehört. In der dritten Kanti mussten sie eine Arbeit machen. De Mins Vater, ehemaliges Mitglied der «Ikuzeba», machte sie auf die Jugendbewegung von damals aufmerksam. «Wir recherchierten sehr viel zu diesem Thema und als ein Jahr später die Frage nach dem Maturathema kam, war für uns klar, dass es ‹Ikuzeba› sein wird›, sagt De Min.

Zehn Monate arbeiteten sie am Projekt. Vor allem das Schneiden des Films sei nicht immer einfach gewesen. Aber: «Es macht uns stolz, zu sehen, dass ein einstündiger Dokumentarfilm entstanden ist», sagt Hunkeler. Während der Recherche setzten sie sich auch mit der heutigen Zeit auseinander. «Natürlich beginnt man darüber nachzudenken, was dieser Verein erreicht hat und was nicht. Und welche Errungenschaften Baden heute noch prägen», sagt De Min. «In unseren Film hat das leider keinen Platz. Das würde aber Stoff für einen zweiten Film geben.»