Badenfahrt
Als die Limmattal-Gemeinden am Festumzug mitfahren mussten

An der Badenfahrt 1947 namen die Zürcher Nachbarn am Festumzug teil.

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Der Wagentross aus dem Limmattal am Festumzug.

Der Wagentross aus dem Limmattal am Festumzug.

zvg

Die Badenfahrt und das 100-Jahr-Jubiläum der Bahn war für alle Gemeinden an der Bahnstrecke eine Verpflichtung. Das galt nicht nur für den Festbesuch, sondern auch für die aktive Teilnahme der Gemeinden am Festumzug.

Die Gemeinde Schlieren beteiligte sich unter anderem mit dem «Botenwagen», ein Gefährt, das Güter transportierte, bevor das mit der Bahn möglich wurde. Annelies Flükiger-Meier, heute in Villnachern wohnhaft und damals 17 Jahre alt, erinnert sich: «Mein Vater führte den Wagen mit unseren zwei Pferden, ich durfte ebenfalls dabei sein, und ein Gemeindeangestellter als Gehilfe. Besammlungsort war Wettingen. Dort formierte sich der grosse Umzug. Heute wäre das kaum mehr möglich, auf der Landstrasse mit Pferden nach Baden zu fahren. Das ganze Fest war ein Riesenereignis, auch für das Limmattal, die Freude war gross. Es ist mir in guter Erinnerung geblieben.»

Über den Umzug schrieb damals Robert Mächler: «Der Beschaffung des mannigfachen Rollmaterials für den dritten Teil, ‹Fahren›, hatte sich energisch und erfolgreich Ing. W. Lüthi gewidmet. Staunenswert war der vor- überziehende Formenreichtum des rollenden Beförderungsmittels. Vom walzenrädrigen Wägelchen, auf dem nun der Steinblock von Kinderarmen bewegt wurde, reichte er bis zur bizarren Brunton-Lokomotive von 1813, vom helvetischen Ochsengespann bis zum urgrossväterlichen Rösslitram, vom prächtig verzierten römischen Reisewagen bis zum hochbeladenen Fuhrwerk des Königs Gambrinus. Hier der umfängliche Kauffahrteiwagen des Mittelalters, dort die zierliche Brautchaise Napoleons III. — der von muntern Melodien umschwirrte Zigeunerwagen unweit vom achtspännigen Steinfuhrwerk — der komödiantisch belebte Thespiskarren im Gleichtakt mit dem stillen Schlieremer Botenwagen — in den Kutsche» feine Biedermeierpärchen, zu Fuss derbe Scherenschleifer — und als Vortrab eines längst ausrangierten Badener Hotelomnibus’ die unermüdlich beineschlenkernden Jünger des Freiherrn von Drais.»