Baden
Als sich Grossrat Mallien 1984 in die «gelbe Hölle» auf Indonesien wagte

Der Badener GLP-Grossrat Sander Mallien arbeitete vor 30 Jahren einen Tag im Vulkan Ijen in Indonesien. Inmitten giftiger Dämpfe bauten schon damals Männer mit blossen Händen Schwefelbrocken ab.

Martin Rupf
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Der Badener GLP-Grossrat Sander Mallien arbeitete vor 30 Jahren einen Tag im Vulkan Ijen in Indonesien

Der Badener GLP-Grossrat Sander Mallien arbeitete vor 30 Jahren einen Tag im Vulkan Ijen in Indonesien

Unter Lebensgefahr wird im Krater des Vulkans Ijen in Indonesien Schwefel abgebaut. (Fotomontage)

Unter Lebensgefahr wird im Krater des Vulkans Ijen in Indonesien Schwefel abgebaut. (Fotomontage)

Reuters/az

Die bildgewaltige Reportage des Fotografen Rudolf Hug vom Vulkan Ijen auf Indonesien («Die gelbe Hölle am Kawah Iljen», «Schweiz am Sonntag» vom 13. Dezember) hat bei einem Leser ganz besondere Erinnerungen wachgerufen. «Als junger Mann habe ich diesen Ort ebenfalls besucht», erinnert sich der GLP-Grossrat und Badener Einwohnerrat Sander Mallien. 1984 bereiste er als 26-jähriger Student das Land und verbrachte dabei einen Tag im Krater des Vulkans.

Schon damals traf er die von Rudolf Hug 30 Jahre später beschriebenen Szenen an: Männer, die inmitten giftiger Dämpfe mit blossen Händen Schwefelbrocken abbauen. Anschliessend werden diese in zwei Bambuskörbe gepackt, die an einer Rattanstange befestigt sind. Diese Lasten – oft bis zu 100 Kilogramm schwer – schleppen die Männer zum Kraterrand und von dort drei Kilometer hinunter zum Fusse des Vulkans.

Anders als Reporter Hug trug Sander Mallien vor 31 Jahren keine Gasmaske. «Es hat schon erbärmlich gestunken, aber für einen Tag war es zum Aushalten.» Unter welch schwierigen, ja lebensbedrohlichen, Bedingungen die Männer gearbeitet hätten, habe ihm imponiert. «Mit einem Tageslohn von 2,5 Dollar erhielten die Männer ein sehr gutes Salär. Trotzdem habe ich mich gefragt, ob es das wert sein kann, seine Gesundheit und sein Leben derart aufs Spiel zu setzen.» Ob er denn keine Angst habe, selber auch gesundheitliche Schäden davongetragen zu haben? «Nein, ich war ja nur ein Tag dort, habe vorsichtig eingeamtet und war damals noch fit.»

Doch wie kam Sander Mallien überhaupt dazu, Indonesien zu bereisen? «Meine holländischen Grosseltern und auch mein Vater lebten auf Indonesien.» Die Reise sei also quasi eine Reise auf den Spuren seiner Vorfahren beziehungsweise deren Hinterlassenschaften gewesen. «Meine Urgrosseltern reisten mit dem Segelschiff in die Kolonie ‹Niederländisch Indien›, um ihre Aufgaben wahrzunehmen. Mein Grossonkel war Statthalter der Königin der Niederlande, Wilhelmina von Oranien-Nassau. Meine adlige Grossmutter heiratete noch vor dem Ersten Weltkrieg meinen Grossvater. Der war Ingenieur und baute Beton-Brücken für die staatlichen Eisenbahnen in Indonesien, teils mitten in der Hauptstadt Jakarta, teils im Urwald.» Er selber habe bis zu seinem 17. Lebensjahr den holländischen Pass besessen, erst danach sei er Schweizer geworden.

«Mein Vater wuchs in Indonesien auf. Fürs Studium ging er dann aber nach Holland zurück. Wenig später brach der Zweite Weltkrieg aus und er wurde in die niederländische Armee eingezogen. Doch dann geriet er in deutsche Gefangenschaft und wurde schwer krank. Er hatte aber Glück. Denn eine Verwandte war Krankenschwester beim Roten Kreuz. Sie ermöglichte ihm einen Kur-Aufenthalt in Davos.» An einem Tanzabend in Zürich hätten sich seine Eltern schliesslich kennen gelernt. «Doch meinem Vater fiel es schwer, sich in der Schweiz zu akklimatisieren; wie ganz anders war doch sein Leben als ‹Kolonialherr› in Indonesien gewesen.»

Auch Mallien ist vom Inselstaat angetan; er hat ihn in den letzten 30 Jahren mehrmals besucht. «Meistens waren es geschäftliche Reisen. Doch die Reise von 1984 nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Ich hatte damals gerade die Offiziersschule absolviert und war voll im Saft. Damals reiste man noch nicht so selbstverständlich wie heute.» Nebst dem Besuch diverser Vulkane habe er auch Verwandte auf Teeplantagen besucht.» Gerne würde Mallien den Inselstaat auch einmal mit seinem Sohn bereisen, «doch er ist ja selber ständig auf Reisen», so Mallien lachend. Bis heute liebt er übrigens das asiatische Essen. «Zu Hause gab es oft indonesisches Essen, das allemal besser war als das holländische.» Wahrscheinlich mit ein Grund, weshalb Mallien auch mit bald 60 Jahren immer noch eine gute Figur macht.