Baden
Als Strassenmusiker entdeckt: Sänger mit sozialkritischem Repertoire

Die Lieder gehen zu Herzen, die Texte regen zum Nachdenken an und die Melodien kriegt man nicht mehr aus dem Kopf: Pippo Pollina begeistert sein Publikum in der Stanzerei.

Ursula Burgherr
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Der Musiker Pippo Pollinaubu.

Der Musiker Pippo Pollinaubu.

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Das Saxofon wimmert, schmeichelt sich ein und liebkost die Zuhörer. Die Gitarren klingen in einem Moment verspielt und zärtlich, dann wieder rhythmisch und akzentuiert. Und darüber schwingt und schwebt die glasklare und doch gefühlvolle Stimme von Pippo Pollina.

Zusammen mit seinen Mitmusikern Max Kämmerling und Roberto Petroli nimmt er die Menschen in der Badener Stanzerei mit auf eine Reise durch 30 Jahre seiner Musikgeschichte. Viele sozialkritische Lieder sind im Repertoire des Sizilianers zu finden. So besingt er in «Là dove crescano le melegrane» die Auswirkung der Mafia in seinem Geburtsland.

«Vai, vai, vai» beschreibt die Zeit des Aufbruchs, in der er als Strassenmusiker durch die Welt tingelte. Zwar wohnt Pollina seit vielen Jahren in Zürich, zugehörig fühle er sich aber – unabhängig von der Nation – überall, wo Menschen die gleichen ethischen Werte und Ideale miteinander teilen.

«L’appartenenza» (die Zugehörigkeit) ist auch der Titel seiner neuen CD. Der Doppelbürger Pollina zollt beim Konzert in der Stanzerei mit der Ballade «Helvetia» und dem Ohrwurm «Mare, Mare, Mare» seinen beiden «Heimaten» Tribut.

Das Publikum ist meistens ziemlich still, lässt sich vom Cantautore berühren und geniesst. Zwischen den allesamt selbst komponierten Liedern gibt Pollina in einem Mischmasch aus Deutsch und Italienisch kleine Geschichten aus seinem Leben zum Besten.

Und zu erzählen gibt es viel. Der Strassenmusiker machte eine kometenhafte Karriere, nachdem er vom Bündner Liedermacher Linard Bardill in der Luzerner Fussgängerzone entdeckt wurde und ihn auf Konzerttournee begleiten konnte. Seither spielte er 19 Alben ein, gab Konzerte auf der ganzen Welt und gastiert am 22. August 2015 mit einem Sinfonieorchester im Hallenstadion Zürich.

Es ist Theaterleiter Menf Rhyner von der «Bühne zur Heimat» in Ehrendingen zu verdanken, dass das Konzert in der Stanzerei Baden zustande kam. Von der Limmatstadt zeigte sich der mittlerweile 51-jährige Pollina überrascht. «Dieser Ort ist sehr liberal, ich habe mir den Kanton Aargau immer viel konservativer vorgestellt.»

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