Schicksal
«Als wäre mein Herz eine alte Batterie»: So geht es dem Badener Marc Halter acht Monate nach dem Corona-Koma

Ohne Vorerkrankung ins Corona-Koma: Marc Halters Schicksal bewegte Baden im April. Wie geht es ihm heute?

Pirmin Kramer
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Marc Halter

Marc Halter

KSB-Blog

Man kann auch schwer an Corona erkranken, ohne einer Risikogruppe anzugehören: Marc Halter, 49 Jahre alt, Lehrer aus Baden, war im Frühling einer der ersten Menschen im Aargau, die öffentlich über ihre Erkrankung sprachen. Anfang März – Schulen, Restaurants und Läden waren noch offen – hatte er schwere Grippesymptome. Seine Hausärztin überwies ihn mit der Diagnose Lungenentzündung ins Kantonsspital Baden. Dort wurde er positiv auf Covid-19 getestet, war acht Tage lang im Koma, kämpfte um sein Leben.

Er stelle sich auf einen langen Genesungsweg ein, sagte er, als er wieder zu Hause war. Und heute, rund acht Monate später? «Es geht mir im Vergleich zum April besser. Ich arbeite wieder als Primarlehrer – aber nach wie vor nur mit einem Zwanzig-Prozent-Pensum, zweimal drei Lektionen am Stück. Danach bin ich total durch, erschöpft», erzählt Halter am Telefon. «Am Morgen, wenn ich erwache, fühle ich mich ganz normal. Bald aber geht jeweils die Energie aus. Es fühlt sich fast jeden Tag so an, als wäre mein Herz eine alte Batterie, die noch funktioniert, aber plötzlich ganz schwach wird.»

Im Laufe des Jahres liess er sich von unten bis oben durchchecken. Halter und seine Ärzte wollten wissen, ob er nicht vielleicht doch an einer Vorerkrankung litt, von der man nichts wusste. «Aber nichts wurde gefunden. Es stellte sich aber heraus, dass das Coronavirus zu einer Entzündung des Herzmuskels geführt hat. Dies ist wohl mit ein Grund dafür, dass ich mich noch immer nicht fit fühle.»

Halter erzählte seine Geschichte im Frühling nicht nur der AZ, sondern auch dem «Blick», dem Schweizer Fernsehen. Es gab kritische Kommentare in den Online-Portalen und vereinzelte Anrufe, ob seine Geschichte denn wirklich stimme. «Skeptisch zu sein, erachte ich als Grundrecht, es bringt unsere Gesellschaft weiter», sagt Marc Halter. «Wir brauchen auch Querdenker, und ich habe Mühe damit, wenn nun jeder, der kritische Fragen beispielsweise zur Corona-Politik stellt, in ein und dieselbe Schublade gesteckt wird.»

Das grosse Problem seien die Lügner, jene die sagen, es gebe Corona nicht. Diesen Menschen, glaubt Halter, fehlt jegliches Grundvertrauen in unser System, in unsere Regierung. «Dass Menschen im Universitätsspital Zürich nachsehen wollen, ob tatsächlich Corona-Patienten auf der Intensivstation liegen, ist erschütternd.» Ein Stück weit habe es der Bundesrat aber selber zu verantworten, dass das Vertrauen in ihn gelitten habe: «Erst zu behaupten, Masken bringen nichts, und dann wenige Monate später eine Maskenpflicht einzuführen, war nicht hilfreich.»

«Einer für alle, alle für einen» habe der Bundesrat im Frühling als Motto her­ausgegeben, die Solidarität in der Bevölkerung sei gross gewesen. Doch leider sei das Mitgefühl nun wieder in den Hintergrund gerückt. Jede Branche, jede Interessengruppe schaue nur auf sich selber. Auf sein persönliches Umfeld habe er aber immer zählen können: «Die Solidarität und Hilfe, die ich erlebt habe, war im ganzen 2020 enorm.»

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