Es ist der erste Arbeitstag, nachdem öffentlich wurde, dass die Mehrheit der Alstom-Jobs in Baden trotz Übernahme durch General Electric (GE) offenbar gesichert ist (die az berichtete). So sollen die Sparten Dampfturbinen, Kombi-Kraftwerke und Wartungsservice in Baden bleiben.

Das Gasturbinengeschäft wird künftig von den USA ausgeführt. Um ihre Jobs bangen müssen je nach dem aber die Mitarbeiter der Sparte Thermal Power, die offenbar ganz geschlossen wird. In Baden arbeiten über 4000 Personen bei Alstom. Die «SonntagsZeitung» spricht von 110 Arbeitsplätzen, deren Zukunft ungewiss ist.

Ein Mitglied der Angestelltenvereinigung Alstom Power, das nicht genannt werden will, kann die Zahl von 110 Arbeitsplätzen nicht bestätigen. Er sagt aber, dass es Verschiebungen von Führungskräften geben kann.

Wie viele betroffen wären und ob sie in Baden bleiben können, wisse man nicht. «Man kann zum jetzigen Zeitpunkt generell nichts über die Arbeitsplätze sagen. Bevor solche Entscheidungen fallen, muss zuerst die Übernahme abgeschlossen werden.» Fakt ist, dass Alstom bei diesen Beschlüssen nicht mehr mitreden kann. Der Ball liegt nun allein bei GE.

«Ich hatte nie Bedenken»

Einige Alstom-Mitarbeiter können offenbar aufatmen, aber bei Weitem nicht alle. Wie viel Jubel ist angebracht angesichts der mutmasslichen «good news»? Bei einem Spaziergang gestern Mittag vor den Alstom-Gebäuden in der ehemals «verbotenen Stadt» der BBC begegnet man mehrheitlich positiv gestimmten Mitarbeitern, wie sie draussen miteinander plaudern – wie gewohnt international, auf Englisch, Hochdeutsch oder Französisch. Ein paar kommen gerade vom mittäglichen Joggen zurück und machen Dehnübungen.

Auf den Stufen vor dem «Quadro»-Gebäude sitzen mehrere Arbeiter und geniessen gemütlich die Mittagssonne. Und gerade das Frühlingswetter sorgt dabei für ein bezeichnendes Bild: Das Gebäude «Quadro», wo die Sparte Service stationiert ist – diejenigen, deren Jobs gesichert scheinen –, wird prall von der Sonne beschienen. Währenddessen steht das gegenüberliegende «Konnex»-Gebäude halb im Schatten. Dort arbeiten einige der Gasturbinen-Sparte. Und im «Duplex»-Hochhaus, wo Thermal Power ihren Sitz hat, scheint die Sonne gar nicht.

Auf die Frage, ob er erleichtert sei, dass sein Job nun als gesichert gilt, sagt ein Mitarbeiter der Service-Sparte draussen vor dem «Quadro»: «Ich hatte nie Bedenken. Wartungsservice für unsere eigenen Geräte können logischerweise nur wir anbieten.» Auch dass seine Sparte an den Alstom-Standort im französischen Belfort verlegt würde, habe er nie befürchtet (siehe Box). «Das Know-how ist hier in Baden.»

Arbeitsplätze bei Alstom gesichert

Arbeitsplätze bei Alstom gesichert

Diese guten Leute hätten dann einfach in der Schweiz einen anderen Job gesucht.» Ein anderer Service-Mitarbeiter gibt sich vorsichtiger. Schliesslich bedeuten weniger verkaufte Kraftwerkturbinen langfristig auch weniger Wartungsarbeiten. «Das ganze Unternehmen hängt zusammen. Wir sitzen im selben Boot.»

Ein paar Meter weiter beim Gebäude «Pavillon» an der Römerstrasse laufen die Mitarbeiter der Gasturbinen-Sparte in ihren Anzügen ein und aus. Auf die Situation in ihrem Ressort angefragt, winken sie ab, mit den Medien sprechen dürfen sie nicht. Immerhin sagt einer: «Bei solchen Übernahmen spielt immer ein wenig die Angst mit. Doch die Stimmung bei uns ist okay.»

Aufatmen im Stadthaus

Stadtammann Geri Müller freut sich jedenfalls über die gute Nachricht: «Der Entscheid ist nicht nur für Baden, sondern für alle Gemeinden der Region sehr wichtig. Wir sind glücklich und stolz, dass der Standort Baden ein wichtiger bleiben wird.» Der Einsatz auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene für den Verbleib von Alstom in der Schweiz habe sich gelohnt.

«In den Gesprächen mit den Vertretern von Alstom und GE konnten wir zeigen, dass Baden in puncto Bildung, Sicherheit, aber auch Kultur ein sehr guter Standort ist», sagt Müller. Wobei er mit «Sicherheit» sowohl die wirtschaftliche wie auch die der Verkehrssicherheit der Arbeitnehmenden anspricht. «In der Schweiz gibt es keine Streiks im öffentlichen Verkehr und man steckt definitiv weniger im Stau.»

Zur Frage nach Arbeitsplätzen, die dennoch verloren gehen könnten, sagt Müller: «Dass einzelne Arbeitsplätze gestrichen werden, kann immer vorkommen – mit oder ohne Übernahme. Aber laut den Informationen, die ich habe, sollen die Arbeitsplätze mehrheitlich verschoben und nicht gestrichen werden», sagt er. Dies wurde Müller auch von verschiedenen Alstom-Mitarbeitenden bestätigt. «Dabei konnte ich feststellen, dass die Belegschaft beruhigt ist, was ihre Arbeitsplätze anbelangt.»