Diesen Samstag kommt es auf dem Trafoplatz nun definitiv zur Kundgebung gegen den angekündigten Stellenabbau bei General Electric beziehungsweise Alstom.

Auf Anfrage bestätigt der Badener Polizeichef Martin Brönnimann: «Ja, wir haben das Gesuch unter Auflagen bewilligt». Diese würden unter anderem die Verpflichtung enthalten, dass die Organisatoren selber für einen Sicherheitsdienst sorgen und dass die Anwohner informiert werden.

Die Kundgebung von 11 bis 13 Uhr wird von den beiden Gewerkschaften Unia und Syna zusammen mit der Personalkommission von GE und dem Verband «Angestellte Schweiz» organisiert.

Geladen seien Betroffene, Politiker und all jene, die sich mit den Alstom-Angestellten solidarisch erklären, sagt Pascal Pfister, der für den Bereich Industrie bei der Unia Region Aargau zuständig ist. Doch kommen die Politiker überhaupt?

Das «Badener Tagblatt» hat die Badener Stadträte einzeln per Mail angefragt. Stadtammann Geri Müller antwortet im Namen aller Stadträte: «Die Mitglieder des Stadtrates werden in Abstimmung ihrer Verpflichtungen am nächsten Samstag an der Kundgebung dabei sein.»

Nach GE-Kahlschlag bei Alstom: Auch viele Zulieferbetriebe in der ganzen Schweiz sind in Gefahr.

Nach GE-Kahlschlag bei Alstom: Auch viele Zulieferbetriebe in der ganzen Schweiz sind in Gefahr.

Denn der Stadtrat habe ein grosses Interesse, dass die Betriebe der Alstom von der GE nicht nur übernommen werden, sondern auch weiterentwickelt werden können. «Die Ankündigung, dass in den nächsten zwei Jahren maximal 1300 Arbeitsplätze abgebaut werden können, nimmt der Stadtrat mit grosser Sorge zur Kenntnis. Er möchte, dass möglichst viele davon erhalten werden können.» Weiter fordere der Stadtrat, dass den Entlassenen mit den bestmöglichen Bedingungen entgegengekommen werde.

Bewusst den Samstag gewählt

Auf die Frage, weshalb sich die Organisatoren nicht für einen Demonstrationszug, sondern für den Trafoplatz entschieden, antwortet Christian Gusset, Branchenleiter der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie bei der Gewerkschaft Unia: «Erstens liegt der Trafoplatz sehr nahe bei den GE-Räumlichkeiten.» Zweitens sei die Hemmschwelle für Teilnehmer bei dieser Art der Kundgebung kleiner als bei einem Demonstrationszug, glaubt Gusset.

Weiter habe man sich bewusst für den Samstag entschieden, «weil es eine Kundgebung für die Betroffenen werden soll. Wir hoffen auf ein starkes Zeichen der Solidarität aus der ganzen Bevölkerung, das auch vor Augen führt, dass es sich bei diesem Kahlschlag nicht einfach um eine abstrakte Übung handelt», erklärt Gusset.

Glauben die Organisatoren wirklich, mit der Kundgebung den US-Konzern umstimmen zu können? «Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen ein Zeichen der Solidarität setzen, sodass GE sieht: Eine ganze Region steht hinter den betroffenen Angestellten und ist nicht bereit, den Personalabbau einfach so hinzunehmen.» Angst, dass es an der Kundgebung zu Ausschreitungen – provoziert durch andere Gruppierungen – kommen könnte, hat Gusset nicht. «Es ist ja leider nicht die erste Veranstaltung dieser Art. In der Vergangenheit ist es bei ähnlichen Kundgebungen nie zu Ausschreitungen gekommen.»

Volkswirtschaftsminister Urs Hofmann und Unia-Gewerkschaftssekretär Pascal Pfister im Talk zum Stellenabbau von Alstom auf Tele M1.

Volkswirtschaftsminister Urs Hofmann und Unia-Gewerkschaftssekretär Pascal Pfister im Talk zum Stellenabbau von Alstom auf Tele M1.

Auch Polizeichef Brönnimann sagt: «Wir rechnen mit einer friedlichen Veranstaltung.» Trotzdem werde die Stadtpolizei zusammen mit der Kantonspolizei im Hintergrund Präsenz markieren und die Kundgebung beobachten. «Ein Grossaufgebot ist nicht nötig, aber selbstverständlich werden wir unsere Mittel der Kundgebung auf dem Trafoplatz anpassen.» Brönnimann erwartet «mehrere Hundert bis maximal 1500 Teilnehmer», die gegen den Kahlschlag bei General Electric demonstrieren werden.

Grossdemo vor 28 Jahren

In Baden wird es nicht die erste Manifestation dieser Art sein. Am 16. April 1988 fand auf dem unteren Bahnhofplatz eine Grosskundgebung mit 2000 Menschen gegen den geplanten Abbau von 2000 Stellen bei der ABB statt. «ABB-Arbeiter demonstrierten in Würde», schrieb damals das «Badener Tagblatt» im Lokalteil. Die Manifestation war und blieb bis heute die grösste dieser Art in Baden. «Die Grosskundgebung gegen die Arbeitsplatzvernichtung», wie es damals in der Ankündigung hiess, startete mit zwei Demonstrationszügen als Sternmarsch: Einer vom Badener Martinsberg, der andere vom Wettinger Bahnhof her. Damit wurde auch die Betroffenheit in den Nachbargemeinden verdeutlicht, kamen doch die meisten ABB-Arbeiter aus den Nachbargemeinden, so auch aus Wettingen.

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