Es war ein Schock: General Electric (GE), das dem französischen Konkurrenten Alstom die Energiesparte abgekauft hatte, entschloss sich zu einem Kahlschlag: 1300 Arbeitsplätze sollten in der Schweiz abgebaut werden.

Was hierzulande besonders überraschte: Den Standort in Baden AG erwischte es überproportional. In Frankreich, ob seines starren Arbeitsmarktes belächelt, fiel der Stellenabbau hingegen milder aus.

Seither ist die Unsicherheit über den Standort in Baden AG gross.

500 demonstrieren gegen Alstom-Abbau

Januar 2016: 500 Personen demonstrieren gegen Alstom-Abbau

Vergangene Woche meldete sich nun mit Bill Ruh, Chef der GE-Digital-Sparte und Chief Digital Officer, zum ersten Mal wieder ein Topmanager von GE zu Wort.

Seine Aussagen lassen indessen nichts Gutes für den Standort Baden erahnen. «Wir werden uns zu einem Cloud-Unternehmen entwickeln. Und diese Cloud wird nicht in einem Land zentralisiert sein, ganz bestimmt nicht», sagte Ruh am Rande der Hannover Messe in einer Telefonkonferenz.

Die «Schweiz am Sonntag» hatte gefragt, ob die Digitalisierung die globalen Hauptsitze schwächen werde.

In Baden siedelte GE neu seinen globalen Hauptsitz der Power-Services-Sparte an. Vor dort aus sollen nationale GE-Ländergesellschaften mit Services versorgt werden.

Die Antwort auf die Frage laute: «absolut», so Ruh. Durch die Digitalisierung würden mehr Kapazitäten gebraucht, die über viele Standorte verteilt seien, als zentralisierte Kapazitäten.

«Ich stelle schon heute mehr Leute ausserhalb des Hauptsitzes an als innerhalb, viel mehr. Das ist der einzige Weg, eine cloud-basierte Firma zu sein.»

Mit anderen Worten: Die Digitalisierung könnte für den Hauptsitz des Power-Service-Geschäftes in Baden zum Nachteil werden.

Volkswirtschaftsminister Urs Hofmann und Unia-Gewerkschaftssekretär Pascal Pfister im Talk zum Stellenabbau von Alstom auf Tele M1.

Januar 2016: Volkswirtschaftsminister Urs Hofmann und Unia-Gewerkschaftssekretär Pascal Pfister im Talk zum Stellenabbau von Alstom auf Tele M1.

Die Unabhängigkeit der verschiedenen GE-Ländergesellschaften könnte gestärkt werden. Globale Hauptsitze die von zentralen Standorten aus diese Ländergesellschaften mit Services versorgen sollen, würden geschwächt.

Davor hatte ein anderer GE-Topmanager der Schweiz Hoffnung gemacht, die Digitalisierung werde zur Chance.

Philippe Cochet, früherer Leiter der Alstom-Sparte Thermal Power in Baden und heute oberster Produktivitätsverantwortlicher von GE, sagte in einem Interview: «Der Trend hin zur Digitalisierung ist eine grosse Chance für die Schweiz», sagte Cochet.

GE sehe sich als digitales Unternehmen. «Und die Digitalisierung ist speziell für das Service-Geschäft, dessen Hauptsitz in der Schweiz ist, eine grosse Chance.»