Wettingen

Alte Geschichte, junge Zuschauer

Ein Buch in Überlänge: Michael Huber trägt die Geschichte vom Joggeli, der dann doch keine Birnen schüttelt, vor.  Wagner

Ein Buch in Überlänge: Michael Huber trägt die Geschichte vom Joggeli, der dann doch keine Birnen schüttelt, vor. Wagner

Michael Huber bringt im Figurentheater «Joggeli söll ga Birli schüttle» zum Leben.

Wer kennt sie nicht, die Kinderverse vom Joggeli, der die Birnen schütteln soll und partout nicht will? Am Figurentheater Wettingen wurde jetzt die alte Geschichte wieder lebendig, zauberhaft inszeniert von Spieler Michael Huber aus dem Baselbiet.

Es ist wohl die berühmteste Kettenreaktion in der Geschichte des Kinderbuchs: Der Meister, der den Joggeli zum Birnbaum schickt und am Ende alles selbst erledigen muss. Dazwischen liegt ein Vers, der mit jeder Zwischenstation immer länger wird und der beim Aufsagen schon einmal für Turbulenzen sorgen kann – so auch bei Michael Huber, der aus Liestal kommend ein Gastspiel in Wettingen absolvierte.

Er sagt: «Das Buch ‹Joggeli söll ga Birli schüttle›, geschrieben und gezeichnet von Lisa Wenger 1908, war der erste auf Schweizerdeutsch gedruckte Text überhaupt.» Man könne das Buch bis heute in jeder Buchhandlung kaufen oder bestellen. «Mich fasziniert die flüssige Sprache in den Versen. Da kann man regelrecht darin baden.»

Köbi und Struppi helfen mit

Huber arbeitete mit dem im überlangen Querformat erschienenen Buch. Aber nicht nur das. Mit zwei weiteren Protagonisten, Köbi und Struppi, hauchte er der Geschichte noch mehr Leben ein und wurde als «Grossvater» selbst Teil davon. «Als ich die Geschichte zum ersten Mal gehört habe, war ich so alt wie ihr jetzt», wandte er sich an die jungen Zuschauer in den beiden vordersten Reihen des Theaters. Von dort kamen die Lacher vor allem dann, wenn sich Köbi und Struppi in der Wolle hatten, die beiden auf dem Joggeli-Buch eine Rutschpartie machten oder sich darin eine ganz besondere Mechanik bemerkbar machte.

Unter der Regie von Margrit Gysin gelang es dem Spieler mit ganz einfachen Mitteln und Requisiten, die Kinder 45 Minuten lang zu fesseln – ganz ohne Effekte und elektrische Verstärkungen. Auch Theaterleiterin Barbara Winzer war gleich begeistert von der Inszenierung: «Ich habe das herzig gefunden und es sofort in den Spielplan genommen.» Und das, obwohl sie das Stück entgegen der Regel zuvor nicht live erleben konnte, sondern nur auf DVD sah.

«Ich kenne das Figurentheater Wettingen schon lange, aber heute sind wir mit unserem Grosskind Irina das erste Mal hier», erzählt Eveline Keim aus Baden-Dättwil. Irina ist vier und hat das Joggeli-Buch schon lange im Regal stehen. Gloria (3) ist mit ihrer Mutter Sabrina Hartusch aus Wettingen unter den rund 50 Zuschauern. Auch sie kennt die Geschichte schon und wird, wenn sie das Buch künftig wieder in die Hand nimmt, sicher an ihren Besuch im Figurentheater denken.

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