Über die Region hinaus kennt man sie: Die Salsicce al Finocchio, al Barolo, alla Grappa und al Peperoncino. Auch deren Hersteller ist — zumindest in Wettingen — ein bekanntes Gesicht: Paolo Altieri. Aller Berühmtheit zum Trotz drohte den Spezialitäten aber ein jähes Ende. Denn vor einem Jahr verkündete das Ehepaar Maria und Paolo Altieri, dass sie ihre Metzgerei in Wettingen nach 30 Jahren nicht mehr weiterführen wollen. Mit der Suche nach einer Nachfolge taten sie sich schwer. Sie wünschten sich, den Betrieb an junge Leute zu übergeben. Doch immer weniger Junge würden ein eigenes Fleischwarengeschäft eröffnen wollen, zu gross sei das Risiko. Dass sich nun gleich sechs Nachfolger fanden, ist für das Ehepaar folglich eine schöne Überraschung.

Eugen Profeta, Giorgio Profeta, Antonio Ventre, Maurizio Caforio, Vito Caforio und Claudio Durante heissen die neuen Inhaber, die den Spezialitätenladen am 1. April eröffneten. «Schon unsere Eltern gingen bei Altieris einkaufen», erinnert sich Eugen Profeta. «Wir alle verbinden viele glückliche Kindheitserinnerungen mit dem Laden.» Folglich war schnell klar: Die Metzgerei darf nicht aus dem Dorf verschwinden. «Wir wollen das Italienische im Dorf bewahren», sagt Profeta. «Zumal wir hier alle sehr engagiert sind und unsere Kultur gerne teilen.»

Anfangs November entwickelte sich ein erstes Gespräch zwischen Paolo Altieri und Eugen Profeta. Dann kam ein zweiter Cousin hinzu, später ein dritter und die Idee sei ins Rollen gekommen. «So entstehen Geschäfte halt, Eines führt zum Anderen», erzählt Profeta und lacht. Innert kürzester Zeit hätten sich die sechs Cousins entschieden, das Geschäft als Teilhaber zu übernehmen. Sie gründeten die PMC Gusto Italia GmbH, wie sich das Geschäft seit Montag nennt. Ihr Ziel: «Die Leidenschaft und ‹Italianità› der Metzgerei weiterführen.» Deshalb werde beispielsweise auch die Rezeptur für die italienische Wurst übernommen. «Unsere Kunden sollen nicht auf italienische Spezialitäten verzichten müssen», sagt Profeta. Die sechs Cousins wollen das Angebot der bisherigen Geschäftsführer grösstenteils übernehmen und auch weiterhin Pasta, Eingemachtes, Olivenöl und weitere Feinschmeckerprodukte anbieten. Aber auch neue Delikatessen sollen her: «Sechs Köpfe haben schliesslich viele Ideen», sagt Profeta und lacht. So ist beispielsweise bereits eine Erweiterung des Angebots mit Fischprodukten in Planung.

Die Cousins werden jedoch eher im Hintergrund arbeiten. Profeta selbst führt eine Marketingagentur und ist deshalb für die Werbung verantwortlich. Vito Caforio ist beispielsweise Inhaber einer Importgesellschaft in Mellingen und bietet gute Weine an. «So trägt jeder von uns seinen Teil zum Geschäft bei.» Hinter der Theke werden die Familienmitglieder jedoch kaum stehen. Dafür wurden zwei junge Metzger angeheuert. Patrick Capozzolo arbeitete vorher bei der Migros, Roman Wettstein bei der Chämi Metzg in Fislisbach. «Uns reizt es, als Kleine stur gegen die Grossen vorzugehen», sagt Capozzolo. Er kenne schliesslich die Kunden der Grossverteiler, Fleischeinkäufe geschähen dort eher spontan. «An eine private Metzgerei haben die Kunden andere Erwartungen. Sie wissen immer schon im Voraus, was sie wollen.» Die beiden Metzger freuen sich deshalb auf ihre neue Herausforderung.

Wegen Renovation zwei Wochen geschlossen

Die eigentliche Eröffnung des Ladens findet dann aber erst am Samstag, 17. August, statt. Denn vorher werde das Geschäft im Laufe des Monats Juli einer kleinen Renovation unterzogen und für zwei Wochen geschlossen sein. In den ersten zwei Monaten werden Maria und Paolo Altieri die neuen Metzger und das Team begleiten, um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten. «Der Kontakt zu den bisherigen Besitzern ist sehr eng», sagt Profeta. «Wir sind sehr froh, können wir von der Erfahrung des Ehepaars profitieren.» Ganz loslassen könne Paolo Altieri sein Lebenswerk so oder so nicht: «Er hat uns schon angeboten, auszuhelfen, sollten wir einmal Not am Mann haben», sagt Profeta schmunzelnd.

Die Übernahme eines kleinen Geschäfts ist in der heutigen Zeit keine einfache Aufgabe mehr. Mit Grossverteilern wie Migros oder Coop wächst die Konkurrenz ständig. «Wir sind uns bewusst, dass wir ein Risiko eingehen», weiss Profeta. «Trotzdem sind wir der Meinung, dass unsere Kunden für gute Qualität gerne ein bisschen mehr Geld ausgeben.» Zudem biete der Spezialitätenladen etwas, das die Migros nicht habe: «Wir sind unseren Kunden nahe. Und wir haben die beste italienische Wurst.»