Noch selten waren sich die Fraktionen im Wettinger Einwohnerrat so einig wie beim Entscheid zur Zukunft des Alterszentrums St. Bernhard. Am Donnerstagabend hat der Rat den Baurechtsvertrag zwischen der Einwohnergemeinde und der St. Bernhard AG einstimmig genehmigt. Damit kommt das geplante Neubauprojekt des Alterszentrums St. Bernhard im Gebiet Langäcker einen wichtigen Schritt weiter. Verläuft alles nach Plan, soll der Standort des Alterszentrums im Juli 2020 von der Rebbergstrasse am Herrenberg in den Neubau im Langäcker verlegt werden. Die Voreingabe des Baugesuchs für das neue Alterszentrum mit 123 Einzelzimmern und 45 Wohnungen wurde bereits bewilligt. Mitte 2018 ist der Spatenstich geplant.


Für den Einwohnerrat war klar: Der Neubau des Alterszentrums wie auch dessen neuer Standort ist richtig und nötig. An dieser Überzeugung konnte auch das kritische Schreiben an die Einwohner- und Gemeinderäte von Daniel N. Surber nichts ändern. Surber, der selber Anstösser der Wiese im Langäcker ist, forderte, man solle den Neubau nochmals gründlich durchleuchten (AZ vom 16. 11.). Er stellte klar, dass er nicht aus Eigeninteresse handle und äusserte unter anderem Bedenken wegen des finanziellen Risikos für die Gemeinde, wenn sie das Land im Baurecht abgibt. Auch sei der geplante Standort ungünstig.


Vorgehen befremdet
Leo Scherer (Wettigrüen) sagte namens der Finanzkommission (Fiko): «Bereits vor zwei Jahren wurde der Umzug des Alterszentrums an den Standort im Langäcker geprüft und bejaht.» CVP-Einwohnerrat und Fiko-Präsident Christian Wassmer zeigte sich vom «Alleingang in letzter Minute» von Herrn Surber «sehr befremdet». So sei der wirtschaftliche Erfolg des Alterszentrums in der Verantwortung der St. Bernhard AG. «Die Anwohner hatten die baurechtlichen Mittel ausgeschöpft, was zu einer Anpassung des Projekts geführt hat». Zudem sei das finanzielle Risiko für die Gemeinde im Baurechtsvertrag mit den Ergänzungen der Fiko gut geregelt, sagte Wassmer. Auf Antrag der Fiko müssen unter anderem die Zahlungen in Höhe von knapp 157 500 Franken jährlich an die Gemeinde neu spätestens ab 2020 erfolgen, auch wenn die Baubewilligung noch nicht erteilt wurde. Auch Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) betonte: «Die finanziellen Risiken sind für die Gemeinde an einem sehr kleinen Ort.»


Wettinger sollen Vorrang haben
Eine weitere Ergänzung im Vertragswerk betrifft die künftigen Bewohner des Alterszentrums. Auf Antrag der Fiko muss die St. Bernhard AG bei der Belegung der Alterswohnungen und der Pflegebetten sowie bei der Erbringung der weiteren Angebote und Dienstleistungen im Alters- und Pflegebereich die Einwohnerinnen und Einwohner von Wettingen bevorzugt berücksichtigen. Dies entsprechend der Wohnsitzdauer und der geltenden Gesetzgebung und Rechtsgrundsätze. Mit anderen Worten: Die Wettinger Bevölkerung soll wenn möglich Vorrang haben bei der Belegung. Der Antrag war im Rat mehrheitlich unumstritten. Der Wettinger Bevölkerung einen Vorrang einzuräumen, sieht die SVP als moralische Pflicht des Alterszentrums. Thomas Wolf (SVP) fragte aber namens der Fraktion, ob und wie die Gemeinde dies kontrollieren könne. Gemeindeammann Kuster räumte ein, man werde keine strikte Kontrolle machen können. «Der Gemeinderat würde aber handeln, sollte er etwas in die Richtung vernehmen.» Damit gab sich die SVP nicht zufrieden. Wenn man diese Vereinbarung nicht kontrollieren könne, stimme die Fraktion auch nicht zu. Der Antrag wurde dennoch mit 27 Ja- zu 13 Nein-Stimmen angenommen.


Im Anschluss an den Baurechtsvertrag stimmte der Einwohnerrat der Umzonung im Gebiet Rebbergstrasse einstimmig zu. Das Alterszentrum liegt heute in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Mit dem Umzug des «St. Bernhard» soll das Gebiet des heutige Standorts in eine zweigeschossige Hangwohnzone umgezont werden, wobei eine Gestaltungsplanpflicht besteht. Durch die Teiländerung steigt der Landwert, was der St. Bernhard Stiftung beim Verkauf mehr Gewinn einbringt, den sie in den Neubau investieren kann.