Rieden bei Baden

Altes Handwerk: Aus Papier wird Kunst

Mit ihrer traditionellen Buchbinderei haben sich Isabel Wey und Petra Stäger einen Traum erfüllt. Im Oederlin-Areal führen die zwei Frauen das «Papierhandwerk», wo sie Unikate anfertigen. Damit versuchen sie, das alte Handwerk am Leben zu erhalten.

Auf den Arbeitstischen stapeln sich alte Bücher mit aussergewöhnlichen Einbänden. In den Regalen liegen Kartonrollen, auf denen die verschiedensten Stoffe und Materialien aufgewickelt sind. In allen Ecken stehen schwere, alte Maschinen. Und überall liegt Papier. Weisses, farbiges, dickes, filigranes. Hier arbeiten Isabel Wey (40) und Petra Stäger (38).

Seit September 2014 führen die beiden ihre eigene Buchbinderei, «Papierhandwerk», in Rieden bei Baden. Hier fertigen sie ihre Produkte nach traditioneller, handwerklicher Art an. Eine Kunst, die am Aussterben ist. Sie binden Bücher, reparieren alte, zerfledderte Einbände, fertigen Schachteln jeder Art und rahmen Bilder einzigartig ein. Nachdem die zwei Frauen gemeinsam die Berufsschule besucht hatten, sei der Kontakt nie abgebrochen, sagen sie. Auch die Freude am Beruf der Buchbinderin wurde nicht kleiner. Und als Stäger in Baden arbeitete und Wey hier wohnte, war schnell klar, dass etwas Gemeinsames entstehen sollte.

Isabel Wey bei ihrer Arbeit an der Fadebindemaschine.

Isabel Wey bei ihrer Arbeit an der Fadebindemaschine.

«Papier ist sehr schönes Material»

Doch die Preise der Lokalitäten in der Stadt waren zu teuer. Und normale Büroräume kamen für die beiden nicht infrage: «Wir machen mit unserer Arbeit halt auch mal etwas Lärm.» Dann aber kamen sie durch eine Freundin auf einen Raum im Oederlin-Areal. «Hier haben wir uns sofort wohlgefühlt», sagen Wey und Stäger. Und als sie dann auch noch die alten Maschinen einer ehemaligen Buchbinderei aus Bern übernehmen durften, konnte ihr «Papierhandwerk» entstehen. «Bis jetzt haben wir nur gute Erfahrungen gemacht», sagen sie.

Trotzdem gebe es noch Potenzial: Sie würden gerne weiter ausbauen und mehr Werbung machen. Denn wenn sie finanziell sicherer würden, möchten sie später auch gerne Lehrlinge bei sich aufnehmen. «Es gibt praktisch keine Lehrbetriebe mehr. Es wäre schade, wenn der Beruf aussterben würde.» Es fällt leicht, ihnen das zu glauben, denn sie schwärmen von ihrem Alltag. «Ich mag es, wenn ich am Abend etwas Kreatives in der Hand habe, dass ich selbst gemacht habe», sagt Stäger und «ich mag die Arbeit mit dem Papier, es ist sehr schönes Material». Besonders toll sei es, Unikate zu machen. Darunter fallen etwa Bucheinbände aus Teilen eines Hochzeitskleides, speziell für einen Kompass angefertigte Schachteln, oder Hefte, die mit einem Frauenstrumpf eingebunden sind. Den Ideen seien eigentlich keine Grenzen gesetzt. Es sei aber auch toll, wenn man durch das Handwerk alte Bucheinbände reparieren könne. Beispielsweise Bibeln, die für deren Besitzer wichtig sind, Kinderbücher, an denen viele Erinnerungen heften oder Kochbücher, die mit Notizen von Grossmüttern gefüllt sind.

So freuen sich die beiden Frauen auf die Zukunft und wollen noch mehr Zeit in ihre Arbeit investieren. Denn sie sagen: «Das Buchbinden ist eine Leidenschaft. Die hört nicht einfach am Feierabend auf.»

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