Das zu sanierende Gebiet gehört, im Gegensatz zu den bereits sanierten Gebieten, nicht der Gemeinde, sondern Privaten. Und: Anders als in den vorhergehenden Sanierungen reicht es dieses Mal nicht, die Oberfläche abzudichten.

Neue Untersuchungen haben ergeben, dass die Altlasten im Areal Schiffmühle Süd das Grundwasser gefährden könnten. «Die durchschnittliche Chromat-Konzentration im Grundwasser ist deutlich höher als bei der Gefährdungsabschätzung von 2004 angenommen», schreibt die für die Sanierung beauftragte Firma BMG Engineering im Baugesuch, das noch bis zum 25. Februar bei der Gemeinde öffentlich aufliegt. Weil die nächste Trinkwasserfassung 1,9 Kilometer von der ehemaligen Deponie entfernt liegt, gilt die Sanierung dennoch nicht als dringlich. Eine direkte Entwässerung zur nur 50 Meter entfernten Limmat gibt es nicht.

«Nicht dringlich», aber höchste Zeit

Dennoch verfügte der Kanton vergangenen Juli, dass die belastete Landfläche saniert werden muss. Denn: Die ehemalige Deponie liegt nur 25 Meter über dem Grundwasserspiegel. Dort sind gemäss Baugesuch rund 250 Kilogramm Chromat hinab zum Grundwasser unterwegs. «Auch bei vollständiger Entfernung der chromathaltigen Abfälle würde es mindestens zehn Jahre dauern, bis ein Rückgang der Schadstoffkonzentration im Grundwasser eintritt», heisst es im Baugesuch. Ohne Sanierungsmassnahmen würden noch über 100 Jahre lang «signifikante Schadstoffmengen» ins Grundwasser gelangen. Deshalb ist klar, dass - anders als bei den bereits sanierten Gebieten - die verseuchte Erde dieses Mal abgetragen und entsorgt werden muss. Schätzungsweise 5000 Kubikmeter belastete Abfälle müssen abtransportiert und die gleiche Menge an Material für die Rekultivierung wieder hingefahren werden.

Das natürliche Untergrundmaterial - der sogenannte Limmatschotter - wo das Chromat bereits zum Grundwasser hin «wandert», wird nicht ausgehoben. Durch sogenannte «natürliche Attenuation» soll sich dieses von selbst reinigen. Die Sanierung soll dieses Jahr erfolgen. Ziel ist es, durch die Entfernung des belasteten Materials die Einwirkung von Chromat auf das Grundwasser in bis zu höchstens 50 Jahren zu beseitigen.

Die Überprüfung, ob alle Abfälle bei der Sanierung entfernt werden, erfolgt gemäss Baugesuch «rein optisch». Das ausgehobene Material wird aber geprobt. Sofern nicht mehr als 5 mg/kg Quecksilber oder Chromat ermittelt werden können, wird dieses vor Ort belassen. Das Grundwasser wird, wie bis anhin, im 6-Monate-Rhythmus überwacht.

Unklar, wer die Schuld trägt

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten soll die uneingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung der Landfläche wieder erlaubt sein. 2003 wurde die Kernzone der ehemaligen Deponie eingezäunt und mit einem Kultivierungsverbot auferlegt. Als 2011 am Südrand der Deponie Glasfaserkabel verlegt wurden, stellte man fest, dass die ehemalige Deponie deutlich weiter südlich ragt als in früheren Gutachten angenommen. Die Fehler in den bisherigen Einschätzungen werden auf «beschränkte Messergebnisse» zurückgeführt.

Noch ist unklar, wer als Problemverursacher in die Pflicht genommen wird und zahlen muss. Gemäss Marlène Koller, Frau Gemeindeammann von Untersiggenthal, läuft derzeit ein Gerichtsverfahren in der Frage. Im Baugesuch hält die Nachfolgerin der Elektrochemie Turgi, die Schiffmühle Immobilien AG, fest: Sie lässt die Sanierung durchführen, ohne eine Schuld anzuerkennen.