Tout Baden rüstete sich vor 70 Jahren auf die Badenfahrt. Das Städtchen wurde herausgeputzt und verschönert. Die Städtischen Werke liessen Brunnen renovieren und künstlerisch schmücken. Ihr Direktor Zambetti bereitete als Präsident des Subkomitees «Beleuchtung» alte Laternen sowie anderen nächtlichen Lichtzauber vor. Franz Streif, Hobby-Historiker, in der unteren Altstadt aufgewachsen, fand in seinem Archiv noch Fotos von diesen Lampen, die unter Regie seines Vaters Louis Streif bei den Städtischen Werken Baden gefertigt wurden. In der Altstadt wurden mehrere solche Laternen hingestellt. Es handelte sich um einen Nachbar der alten Laternenbeleuchtung der Stadt. Abends wurde die Laterne von einem Laternenanzünder mit einer Leiter angezündet, morgens dann wieder gelöscht. In der Laterne befand sich eine Petroleum-Lampe, deren Docht entflammt wurde.

Unter dem Vorsitz von Architekt Walter Bölsterli waltete speziell ein Dekorationskomitee für die Verschönerung der Stadt. In seinem Bericht zu der Badenfahrt schrieb Robert Mächler: «Vor allem regte es zu einem reichen Blumenschmuck der Häuser an. Nicht nur eröffnete es unter der Losung «Baden in Blumen» einen Wettbewerb, sondern klärte an Vortragsabenden und mittels der Presse über zweckmässige Wahl und Pflege der Pflanzen auf. «Bern in Blumen» mit seiner zehnjährigen Tradition konnte als Vorbild dienen. Fenstersimse, Balkone und Terrassen prangten bald in den schönsten Farben der Sommerflora. Damit nicht zufrieden, liessen viele Hauseigentümer die Fassaden putzen.»

Stadtturm nur wenig beleuchtet

In der Altstadt folgten die meisten den Anregungen von Walter Haberbosch zur Erneuerung der Häusernamen und der Malereien. Mächler: «Gegen einige dieser Hausmalereien wurden dann kunstrichterliche Presse-Attacken geritten. Ob Kunst oder Kitsch, der gute Wille der Auftraggeber ist jedenfalls zu loben. An einzelnen Häusern waren Handwerker und Künstler sozusagen bis zum letzten Augenblick vor Festbeginn tätig.»

Auch eingangs der Rathausgasse wurde eine von Louis Streif erbaute Strassenlaterne installiert.

Auch eingangs der Rathausgasse wurde eine von Louis Streif erbaute Strassenlaterne installiert.

Und wieder Mächler: «Beträchtliche Mühe wandten die Ladenbesitzer auf, um in ihren Schaufenstern, gemäss Parole des Komitees, etwas Biedermeierisches oder sonstwie Altertümliches zu zeigen. Der Uhrenladen tat es nicht unter einer Wanduhr aus der Zeit Karls des Kühnen, für das Schreibmaschinengeschäft hatte schon ein Modell von 1889 museale Geltung, der Zuckerbäcker hielt chronologisch die goldene Mitte und fabrizierte Spanischbrötli, als mussten diesbezügliche Rekorde der Biedermeierzeit gebrochen werden. Sogar mit Verkleidungen der ganzen Schaufensterfront wurde der Vortäuschung eines traulichen Biedermeierstädtleins nachgeholfen. Kunstgewerblich geübte Frauenhände wurden im Stillen zu einer Art Perpetuum mobile und häuften Warenlager für den Badenfahrt-Verkauf, den die bewährte Frau Kägi organisierte.»

Nicht alles lief bestens: Aus den Verhandlungen des Komitees sickerte bald Positives, bald Negatives betreffend die Anleuchtung des Stadtturmes durch. Sie kam dann nur in bescheidenem Ausmass zustande, und die Festnächte waren trotzdem wunderbar.