Mellingen
Am Bahnhof gibts statt Zügen nun Fleisch

Ein junges Duo bringt frischen Wind und Feuer in die lokale Gastro-Szene. Roman Müller und Michael Köhler locken mit edelstem Fleisch vom Grill ins altehrwürdige Bahnhofrestaurant von Mellingen.

Elia Diehl
Merken
Drucken
Teilen
Koch Michael Köhler (l.) und Wirt Roman Müller sind Fleischliebhaber und grillieren die edlen Stücke direkt im Gastraum. Elia Diehl

Koch Michael Köhler (l.) und Wirt Roman Müller sind Fleischliebhaber und grillieren die edlen Stücke direkt im Gastraum. Elia Diehl

Seit zehn Jahren ist der alte Mellinger Bahnhof ausser Betrieb. Hier, rund einen Kilometer ausserhalb des Reussstädtchen, halten längst keine Züge mehr. Und doch gibt es gute Gründe, um zum verwaisten Bahnhof zu pendeln – kulinarische Gründe. Zwei junge Gastronomen haben beschlossen, das verstaubte Restaurant zum Bahnhof neu zu beleben: mit Holzfeuer und edelstem Fleisch.

«Bahnhöfli-Grill» ist in eine grosse, rostrote Stahltafel gefräst, die vor dem über hundertjährigen Haus an der oberen Bahnhofstrasse 24 steht. Im Obergeschoss leben Roman Müller und Michael Köhler in einer Wohngemeinschaft – gemeinsam haben sie es gewagt, sich hier ihren Traum vom ersten eigenen Restaurant zu erfüllen.Vor drei Jahren haben sich der 22-jährige Metzgersohn aus Jonen und der 30-jährige Koch aus Schwäbisch Hall in einem Ottenbacher Restaurant kennen gelernt. Müller arbeitete im Service, Köhler in der Küche. Sie teilen die Leidenschaft für gutes Fleisch und bald reifte die Idee, selbst ein spezielles Steakhouse zu eröffnen.

Im alten Restaurant Bahnhof fanden sie das geeignete Lokal und renovierten es komplett. «Es war düster und rustikal», sagt Roman Müller, «wie eben in einem alten Bahnhofsbuffet». Um die Tradition zu wahren, behielten sie das «Bahnhof» im Namen bei, schliesslich passe es auch. Nun bestimmen helle Farben den mit Licht durchfluteten Gastraum. Bis auf eine Ecke: Dort steht hinter einer Fleischtheke ein pechschwarzes Ungetüm – ein tonnenschwerer Grill aus Stahl. Michael Köhler strahlt, als er einfeuert: «Nur mit Buchenholz, das verleiht dem Fleisch zusätzlich ein spezielles Aroma.»

Portemonnaies auf der Strasse

An der Theke kann der Gast sich vom Grillmeister beraten lassen, sein Fleischstück selbst aussuchen oder auch für zu Hause einkaufen. Hinter die Glasscheibe und auf den Grill kommt nur das Beste, das Angebot reicht von Rind über Poulet bis Bison, aber auch Thunfisch oder Forelle. «Unser Spezialfleisch wie US Black Angus oder Pata Negra kaufen wir alles bei Luma», schwärmt Roman Müller. Luma – das sind ebenfalls zwei junge Schweizer, die seit zwei Jahren den heimischen Markt mit Fleischveredelung durch einen Schimmelpilz aufmischen und revolutionieren. Zudem importieren sie die edelsten Fleischdelikatessen aus der ganzen Welt. Ansonsten setzen Müller und Kohler voll und ganz auf frische, regionale Produkte.

Die Lage ausserhalb von Mellingen sei sicherlich ein Wagnis, sagen die Junggastronomen. Doch sind sie überzeugt: «Wir holen die Gäste mit exzellentem Fleisch nach Mellingen. Solch ein Angebot gibt es in der Region nirgendwo.» Die ersten Tage belohnten für den Mut, das Restaurant war voll. «Abends sollte man also besser reservieren», sagt Roman Müller schmunzelnd. Mittags bietet der «Bahnhöfli-Grill» nebst der Grill-Karte jeweils zwei täglich wechselnde Menüs – eines davon auch vegetarisch.

Das Duo, das durch eine Köchin, eine Küchenhilfe und zwei Servicekräfte unterstützt wird, hat nichts dem Zufall überlassen. Essensgutscheine in Kreditkartenform verstreuten sie auf den Strassen in der Region, von Baden über Bremgarten bis Aarau. «Damit es nicht an Abfall erinnert und liegen bleibt», sagt Roman Müller, steckten sie die Gutscheine in viele kleine, rote Portemonnaies. «Die hebt man bestimmt auf», sagt Müller. Bald würden sie wieder welche verteilen – «Augen auf, ihr Feinschmecker».