«Die Brustkörper der Jodler hoben und senkten sich. Alle lauschten dem Jodlerlied, das von Zufriedenheit, Dankbarkeit und Frömmigkeit erzählte», klingt eine ernste Stimme in der Mehrzweckhalle Würenlos.

Albert Freuler sitzt im Scheinwerferlicht vor dem rot-samtenen Vorhang. Er erzählt von mysteriöse Ereignissen in einem kleinen Dorf im Emmental, die im versehentlichen Genickbruch einer Bürgerin gipfeln.

Man schliesse die Augen

Einen prickelnden Krimi und spannende musikalische Momente bot die Spielgemeinschaft Würenlos–Neuenhof am Samstagabend. Unterstützt wurde sie von der Tambouren-Vereinigung Wettingen und Umgebung. Aber da waren nicht nur Trompeten, Klarinetten und Trommeln zu hören, nein: Das Programm «Kriminaltango» des Jahreskonzertes brachte die Blasmusik und die Erzählkunst eines im Dorf lebenden Geschichtenerzählers zusammen: Albert Freuler ist Schauspieler und lebt in Würenlos.

Seine Stimme erinnerte an den Erzähler eines Krimi-Hörspiels. Schloss man die Augen, glaubte man sich in der Stube zu Hause, während die «Mordsgeschichte aus dem Emmental» aus den Lautsprechern tönte.

Es um Machtstrukturen im Dorf

In Werner Zürchers Krimi «Jodlerabend mit Nebengeräuschen» geht es um Ansehen, um Hierarchien und Machtstrukturen in der Dorfgemeinschaft. Da wird getratscht, in diesem Dorf. Und die «Zuzüger», von denen spricht man, als gehörten sie zum Abschaum des Ortes. Trotz der ernsten Sache verblieben die musikalischen Einspielungen der Spielgemeinschaft fröhlicher Natur.

So erinnerte das Intermezzo «Police Academy March» von Robert Folk an einen festlichen Gang durch die Innenstadt. Der Dirigent der Spielergemeinschaft, Christoph Remensberger, hatte sich dazu in Uniform geworfen und tauschte seinen Dirigentenstab gegen die Tambourschläger aus.

Pflichtbewusst und stramm stand er da. Melodien voller Sehnsucht hingegen waren im Saxofonsolo von Angela Kneuss zu hören: Sie spielte das wohlbekannte Stück «The World is not enough».

Gescheiterter Frieden

«Wen interessiert schon das Geschehen auf der grossen, weiten Welt?», las der Würenloser Albert Freuler, hielt inne und warf einen Blick in den Saal.

Die Fassade einer intakten Gemeinschaft und das Bild eines friedlichen dörflichen Zusammenhalts zerschellen an der Geschichte von verworrenen menschlichen Konstellationen, an Machtgier, an tabuisierten Beziehungen. Am Ende waren es wohl die ganz egoistischen Eigeninteressen einzelner Menschen, die den Frieden in diesem kleinen Dorfe im Emmental scheitern liessen.

Das Programm «Kriminaltango» kommt in dieser Woche nochmals zur Aufführung: am Samstag, 12. April um 20 Uhr in der Alten Turnhalle Neuenhof.