Ein Plakat am Eingang warnte: Heute schön laut im Royal. Gehörschutz benutzen. Und die Warnung war berechtigt, standen doch am Freitagabend mit The Seniles und Moped Lads zwei der ältesten Punkbands der Schweiz auf der Bühne in Baden.

Moped Lads agierte beim Konzertbeginn gegen 22 Uhr als Opener. Seit 1992 besteht die Luzerner Formation. Entsprechend sind die Mitglieder in die Jahre gekommen. Aber von ihrer ursprünglichen Kraft und Energie hat die Truppe um Frontmann Sony Moped nichts eingebüsst. Unverdrossen sangen sie von «Wuetbürgern» und dass sie keine Loser sind. Der Kultur- und Bäderstadt Baden schleuderten sie den Song «Biederstadt» entgegen. Und wie schon früher, hatte Sony sein Taschentuch um den Kopf geknotet und trug ein Sex-Pistols-Sweatshirt.

Mineralwasser statt Bier

Es ist schnurgerader Drei-Akkorde-Punkrock, der nach fast 25 Jahren immer noch kompromisslos zur Sache geht – grundehrlich und authentisch, in Englisch, Hochdeutsch und Luzerner Mundart. Vielleicht sind sie noch einen Tick wütender geworden, gibt ihnen doch die heutige Welt immer mehr Anlass dazu. Aber das Alter zeitigte eben doch Wirkung. An dem vom Pogo-tanzenden Publikum dargereichten Bier nippte Sony Moped nur. Stattdessen bevorzugte er Mineralwasser.

The Seniles aber, als zweite Band der Punk-Nacht an der Reihe, sind bekannt für ihren kaum stillbaren Bierdurst, vor allem bei Frontmann Alain Forrer, der sich auf der Bühne auch Cane Besofen nennt.

Und im Vergleich zeigte sich dann doch: Obwohl nicht jünger, drehen The Seniles live noch ein Stück mehr auf als die Moped Lads – nicht nur Forrer, sondern auch die Gitarristen und der Drummer. Ihre Performance im Royal war noch wilder und hemmungsloser.

Stolz auf seine Bierwampe

Forrer, der sich gleich zu Beginn der Lederjacke entledigte, schrie es nur so heraus: Ich bin der alternde Weise und – ja – ich bin stolz auf meine Bierwampe. Und nachdem der Frontmann die hinten Stehenden aufgefordert hatte, nicht so scheu zu sein, wurde es vor der Bühne richtig eng: schweisstreibendes Spektakel mit Pogo-Tanz und Bierduschen – und das bis in den frühen Morgen.