Wer sich in den vergangenen drei Tagen und Nächten ohne Bärenhunger ins Wettiger-Fäscht-Getümmel stürzte, wurde entweder umgehend von Frust gepackt, oder aber er genehmigte sich zunächst einen Apéro, liess sich dann in einem Auto-Scooter tüchtig durchputschen und zu guter Letzt auf einer Oldtimer Harley ein Viertelstündchen durch die Gemeinde kutschieren. Wenn der Magen schliesslich knurrte, tauchten umgehend zwei Fragen auf: 1. Fliegend verpflegen oder sitzend? und 2. Was solls denn sein?

Dutch Hotdogs waren gefragt

Beides war nicht einfach zu beantworten. Ein rundes Dutzend Beizen boten nebst verlockenden Speisen nicht zuletzt auch ein Dach über dem Kopf, was am Samstag immer mal wieder entscheidend war. Einmal mehr schoss das Chalet der Feuerwehr mit seinen rot karierten Vorhängen und Glühflammen statt -birnen an den Lüstern, schon rein baulich den Vogel ab. Serviert wurde zum Füürtüfel vom Grill Feuersauce, zum Zeuslersteak Floriansauce. Zwecks Anfeuern der Behörden-Fussballer ölten draussen die Gemeinderäte Yvonne Feri, Markus Maibach, Roland Kuster, Gemeindeammann Markus Dieth und Grossratspräsident Thierry Burkart vor dem Turnier ihre Kehlen mit Bier.

Apropos Tschutten: Ab ein Uhr am Sonntagmorgen dürften die Meisjes im orangen Bus, der erstmals am Wettiger Fäscht aufgetaucht ist, alle Hände voll zu tun gehabt haben mit Zubereiten von Dutch Hotdog, Frikandel und weiteren holländischem Fastfood. Für Hungrige ohne Sitzleder gabs unter anderem auch Raclette, Crêpes, asiatische Spezialitäten, Schoggifrüchte und viele weitere Köstlichkeiten.

Einlegerverein statt Männerchor

Ach ja, auch Süsses war am Wettiger Fäscht natürlich sehr gefragt: Bei den Landfrauen ging ein Öpfelrädli ums andere in heissem Öl baden, liess sich danach mit Zimtzucker parfümieren und mit Vanillesauce überziehen. Im hübsch dekorierten Zelt vom Damenturnverein waren freie Sitzplätze chronisch rar und der Umsatz an - selbstgebackenen Kuchen inflationär.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren war der Männerchor Liederkranz nicht als Beizer präsent. In die Bresche gesprungen war der Einlegerverein Birkenhof. Unter anderem tischte er Wildschweinbratwurst auf und Glarner Gourmetbraten, zubereitet vom Heimwehglarner Armin Jud. Dazu legte DJ Pille, stolzer Besitzer von 4500 CDs, unentwegt verschiedenste musikalische Stilrichtungen auf.

Paella und Spiesse

Die Mannen von Juventina 1971 – «è una combinazione di Juventus Torino e Fiorentina» – servierten Pouletflügeli und Pizza; im riesigen Zelt des Punto d’ Incontro duftete es verführerisch nach Bolognese und Pesto.

Ob Winzerschinken und Wybuurewurst in der Winzerstube vom Kiwanis Club, feine Paella und Calamares im Zelt vom Club Desportivo Union Espãna, Pljescavica und leckere Cevapcici in jenem vom Serbischen Volkstanzverein oder einen Spiess vom Grill an der Klosterbar vom SV Lägern – wer auf dem «Friss-die-Hälfte»-Trip ist, war am Wettiger Fäscht definitiv fehl am Platz beziehungsweise hatte wahrlich einen schweren Stand.