Rund 1600 Genossenschafterinnen und Genossenschafter fanden sich letzte Woche zur 113. Generalversammlung der Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach ein. Mit einem Jahresgewinn von 2,58 Millionen Franken (2,2 Prozent mehr als im Vorjahr) konnte Verwaltungsratspräsident Daniel Schibli auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr blicken, teilt die Bank im Nachgang der Generalversammlung mit.

Doch bevor sich Schibli dem Jahresbericht widmete, ging er auf die Vorkommnisse bei Raiffeisen Schweiz ein. Dabei machte er unter anderem deutlich, dass «sowohl personell als auch strukturell vieles unternommen wurde und weiterhin unternommen wird, um das erfolgreiche genossenschaftliche Geschäftsmodell der Raiffeisengruppe gestärkt in die Zukunft zu führen». Die Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach bringe sich aktiv und konstruktiv in den Erneuerungsprozess ein. «Zum einen durch einen gemeinsam mit anderen Raiffeisenbanken erarbeiteten Forderungskatalog. Zum andern durch das aktive Mitwirken von Daniel With, Vorsitzender der Bankleitung, im Gremium ‹Reform 21›.» Im Rahmen dieses Projekts arbeiten die Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz gemeinsam daran, die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu verbessern und die Gruppe zu modernisieren.

Bei Genossenschafter René Roca, der auch parteiloser Vizeammann von Oberrohrdorf ist, tauchten dennoch Fragen auf. Unter «Diverses» wollte er unter anderem wissen, was er tun könne, wenn in Zukunft wieder «die falschen Personen» am Hauptsitz in St. Gallen oder bei seiner Raiffeisenbank sitzen würden respektive seine Bank eine falsche Strategie verfolge.

«Das Antragsrecht fehlt»

«Bis dato habe ich als Genossenschafter keine Möglichkeit, einen Antrag zu stellen, der dann sicher traktandiert wird», schreibt Roca im Nachgang der GV dem Badener Tagblatt. Das Antragsrecht fehle in den Statuten seiner Bank. «Die Selbst- und Mitbestimmung ist für mich aber ein zentrales genossenschaftliches Grundrecht!», so Roca. Deshalb beauftragte er den Verwaltungsrat an der Generalversammlung, diesen Punkt an der nächsten GV zu thematisieren.

Wie Roca sagt, antwortete Daniel Schibli, dass die Raiffeisenbank in das Verbandsrecht eingebunden sei, wobei Raiffeisen Schweiz Musterstatuten vorgebe, die jede Raiffeisenbank übernehmen müsse. Für Roca seien diese aber dann «Zwangsstatuten»; seine Raiffeisenbank sei somit nicht mehr autonom und unabhängig, «wie es immer in den Werbebroschüren heisst».

In seinem Votum, das René Roca «nicht als Misstrauensvotum gegen die neue Führungsriege in St. Gallen verstanden wissen will», monierte er zudem, dass bei der Erläuterung des Jahresberichts nur sehr vage erzählt worden sei, was die Raiffeisengruppe für Reformen einleiten wolle. Er forderte den Verwaltungsrat auf, an der nächsten GV detailliert über den Reformprozess zu berichten. Roca: «Für mich ist vieles immer noch in einer ‹Blackbox›.»

Die Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach teilt auf Anfrage mit, dass der Verwaltungsrat dem Anliegen des Genossenschafters selbstverständlich nachgehen und soweit es zum gegebenen Zeitpunkt (an der nächsten GV) möglich sei, über den initiierten Reformprozess berichten werde.