«Vor drei Jahren wurde ein Gymilehrer in Zürich entlassen, weil er mit seiner Klasse dieses Buch gelesen hat», sagt Co-Theaterleiter Gerald Knöss über das Stück «Frühlings Erwachen».

«Eine Mutter hatte sich beschwert, dass ihr Kind im Unterricht Pornografie ausgesetzt wird.» Jetzt zeigt die Theatergruppe der Kanti Wettingen eine moderne Fassung des Stücks.

Freud und Leid liegen bei den Jugendlichen in Frühlings Erwachen nahe beieinander.

Freud und Leid liegen bei den Jugendlichen in Frühlings Erwachen nahe beieinander.

Es handelt von Jugendlichen, die Liebe und Sexualität entdecken, für ihre Freiheit und gegen den Klammergriff ihrer Eltern kämpfen – und dabei oft scheitern. Der Rauswurf des Lehrers war einer der Gründe, warum Knöss das Stück für die diesjährige Aufführung gewählt hat.

«Wir möchten ein Zeichen setzen. Es bringt nichts, zu tabuisieren», sagt Knöss.

Eine Figur – mehrere Schauspieler

In «Frühlings Erwachen» spielt jeder der 26 Schüler eine wichtige Rolle. Dafür wird jede Person von verschiedenen Schauspielern verkörpert. Mit der Stückwahl haben die Schüler kein Problem.

«Das ist Theater, nicht das richtige Leben. Ein Theaterstück muss etwas ansprechen, über das sonst geschwiegen wird», sagt die Schülerin Anaïs Steiner, die sich auf der Bühne betrinkt. «Es ist spannend, etwas darzustellen, das man sonst nicht machen würde. Normalerweise trinke ich nicht.»

Beim Verteilen der Rollen schaute Knöss darauf, was er den Schülern zumuten kann und wie weit sie gehen würden. «Nicht alle möchten auf der Bühne singen, fluchen, Ohrfeigen verteilen oder sich küssen.»

Einige Dialoge wurden gemeinsam mit den Schülern abgeändert. «Das Theaterspielen ist der Hammer», sagt die Schülerin Miryam Kloter. «Mir graut es schon jetzt vor dem Moment, wenn es vorbei ist.»

«Frühlings Erwachen», Die Vorstellungen: 22., 23., 26. (mit anschliessendem Publikumsgespräch) und 27. März, jeweils 20 Uhr, Westschöpfe der Kanti Wettingen.