Baden
An der «Milchbar» begegnen sich Homosexuelle unbeschwert, nur Milch gibts keine

Es ist der erste Treff für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender im Kanton Aargau. Unter dem Namen «Milchbar» stehen die Türen der «Unvermeidbar» in Baden jeden Dienstagabend offen. Und die «Milchbar» hat schon Stammgäste.

Daniel Vizentini
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LGBT-Menschen treffen sich Dienstags in der «Unvermeidbar» in Baden dank der Initiative von Florian Vock (rechts im Bild).dvi

LGBT-Menschen treffen sich Dienstags in der «Unvermeidbar» in Baden dank der Initiative von Florian Vock (rechts im Bild).dvi

Daniel Vizentini (dvi)

Städte wie Zürich, Basel oder Bern kennen etliche Treffpunkte für LGBT-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender), im Aargau gab es bis vor kurzem keinen Ort, an dem sie sich treffen können. Mitte Dezember wurde deshalb in der kleinen Theaterbeiz «Unvermeidbar» an der Rathausgasse in Baden der erste reguläre LGBT-Treff des Kantons organisiert. Unter dem Namen «Milchbar» stehen die Türen der «Unvermeidbar» jeden Dienstagabend allen «Falschsexuellen, Milchreisenden und anderen bunten und tollen Menschen» offen – so die Beschreibung des Treffs auf dessen Facebook-Seite.

Hinter der «Milchbar» steht ein Kollektiv von LGBT-Aktivisten, das seit bald drei Jahren die Zeitschrift «Milchbüechli» herausgibt. Der ehemalige Chefredaktor des Magazins und Mitinitiant der «Milchbar» in Baden ist der gebürtige Gebenstorfer Florian Vock, bekannt als ehemaliger Juso-Aargau-Präsident und LGBT-Aktivist.

Ihm war es wichtig, dass es auch in seiner Region einen solchen Treff gibt. «Wir sprechen LGBT-Jugendliche von Olten bis Zürich an», sagt er. Damit sei sein Ziel erreicht worden. In den ersten Wochen wurde die «Milchbar» noch probeweise geführt. «Wir wollten zuerst mal sehen, ob wir diejenigen erreichen, die wir wollten.» Dies habe geklappt, die «Milchbar» habe sogar bereits Stammgäste. Bis im Sommer wird der Treff deshalb definitiv weitergeführt. Transgender-Frau Stella Palino, die Leiterin der «Unvermeidbar», stellt ihr Lokal dafür zur Verfügung. An der Bar arbeiten an diesen Abenden alle ehrenamtlich. Milch wird an der «Milchbar» in Baden aber keine serviert. Auf die Frage, warum, kontert Florian Vock: «Im Sommer servieren wir vielleicht Milkshakes.»

Angenehm und niederschwellig

Ein Augenschein vor Ort bestätigt die Aussagen von Mitinitiant Florian Vock: Die «Milchbar» ist ein angenehmer Treffpunkt für offen gesinnte Personen aller Art. Für LGBT-Menschen ist es vor allem ein wichtiger, niederschwelliger Begegnungsort. Junge Menschen, die sich erst gerade als lesbisch, schwul, bisexuell – oder «falschsexuell», wie es die «Milchbar»-Initianten nennen – bekennen und noch an die Szene herantasten, finden dort ein behagliches Umfeld, wo sie Gleichgesinnte kennenlernen können.

Um das Eis zu brechen werden die «Milchbar»-Abende hie und da «um ein leichtes Unterhaltungsprogramm bereichert», sagt Florian Vock. Bisher fanden zum Beispiel Musikauftritte von Dragqueens statt. Anfang Monat gabs einen Bingo-Abend, an dem statt Zahlen Popsongs gezogen und gespielt wurden. Der Auftritt der Dragqueen «Clausette La Trine» und ihres Begleiters «His Master’s Voice» am Piano letzten Dienstag kam bei den Gästen gut an. Vor allem, wie «Clausette» Divas der Popmusik wie Britney Spears auf die Schippe nahm und dabei sich selber nicht zu ernst zu nehmen schien.

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