Kantonsspital
An der Patientenweihnacht flossen auch Tränen

Das Kantonsspital lud seine Patienten zur Weihnachtsfeier ein. Für den andächtigen Anlass gab es viel Applaus und Lob.

Martin Rupf
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Was für ein Pech! Das wird sich manch einer der Patientinnen und Patienten sagen, der Weihnachten dieses Jahr im Kantonsspital Baden verbringen muss. Doch nicht alle hadern mit dem Schicksal, sondern können der Situation sogar Gutes abgewinnen. «Zu Hause wäre ich allein; hier kann ich wenigstens mit anderen Menschen feiern», sagt Margrit Byland aus Schinznach Dorf.

Die 81-Jährige musste sich einer Operation am Knie unterziehen und befindet sich nun seit gut einer Woche im Kantonsspital. «Daheim habe ich aber alles schön geschmückt, damit ich es geniessen kann, wenn ich wieder nach Hause kann.»

Feier vom Rollstuhl aus verfolgt

Knapp 50 Patienten waren der Einladung zur Weihnachtsfeier im Personalrestaurant gefolgt – einige im Rollstuhl, ein paar wenige gar im Krankenbett. Karin Klemm von der katholischen Spitalseelsorge bedankte sich denn auch bei allen freiwilligen Helfern und Pfleger, «die diese Feier erst ermöglicht haben».

Die einstündige Feier lebte vor allem von der gefühlvoll vorgetragenen Musik und dem kraftvollen Gesang der Sopranistin Claudia Dieterle. Zwischendurch trugen Karin Klemm und Heiko Rüter von der reformierten Spitalseelsorge kurze Gedichte und Erzählungen vor.

Sie geht am Freitag in die Reha

Den Schluss- und Höhepunkt bildete das gemeinsam mit den Patienten gesungene Weihnachtslied «Stille Nacht, heilige Nacht». Spätestens jetzt wurde da und dort das Taschentuch gezückt, um die eine oder andere Tränen aus dem Gesicht zu wischen.

«Die Feier war sehr emotional», sagt Yvonne Hauser aus Neuenhof. Seit zwei Wochen ist sie schon im Kantonsspital. Heute Freitag wird sie nach Bad Zurzach in die Rehabilitation verlegt. «Ich würde Weihnachten eigentlich lieber hier verbringen, denn hier kenne ich die Leute», sagt Hauser. Mit einem langen, warmen Applaus endete die Weihnachtsfeier, ehe sich die Patienten wieder auf ihre Zimmer begaben.

Für Angehörige oft belastender

Seit zehn Jahren findet im Kantonsspital am letzten Werktag vor Heiligabend die Patientenweihnacht statt. «Es sind immer etwa gleich viele Patienten zur Feier gekommen», sagt Seelsorgerin Klemm. Wenn es die Gesundheit zulasse, versuche das Spital so viele Patienten wie möglich nach Hause zu lassen.

Seelsorger Rüter ergänzt: «In der Weihnachtszeit wird die Seelsorge viel häufiger aufgesucht; die Menschen sind verletzlicher.» Klemm fügt dem aber hinzu: «Nicht selten ist die Situation für die Angehörigen belastender als für die Patienten selber.» So habe sie auch schon Patienten erlebt, die froh waren, an Weihnachten im Spital zu sein, weil sich dann niemand aus der Familie um sie sorgen musste.

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