«Ich bin Gott», stellt sich Schauspieler Johann Herzog dem Publikum vor. Als Allmächtiger hat er sich feingemacht, trägt eine goldene Krawatte zum beigen Trenchcoat. Mit breitem österreichischen Akzent erzählt er den Zuschauern, wie erzürnt er über die Menschheit ist und will sie vertilgen. «Alles wird ersaufen», droht er. Nur die Tiere möchte er retten: «Besonders die Pandabären sind mir so etwas von gut gelungen; die kann ich nicht einfach sterben lassen.»

Im 71. Bestehungsjahr hat sich die Badener Maske unter der Regie von Walter Millns an ein Stück biblische Geschichte herangewagt (das Original «L’Arca» stammt von Fabrizio Pestilli). Mit ein paar einfachen Dekorelementen funktioniert die Truppe ihr Wahrzeichen – den Thespiskarren – zur Arche Noah um. Das Publikum kann sich auf eine Stunde unterhaltendes Theater im Stil der Commedia dell’arte gefasst machen, mit einer temporeichen Handlung, schrägen Charakteren, irrwitzigen Dialogen und überraschenden Wendungen.

Noah ist restlos überfordert

Denn Gottes Plan scheint nicht aufzugehen. Noah (Dani Merk) – zwar sündlos, aber ohne jegliche Eigeninitiative – ist restlos überfordert mit dem Bau einer Arche in sieben Tagen. Frau Haikal (Barbara Gebhart) hat eine Staubmilbenallergie. Für Noahs pubertierende Tochter Jasepha (Jannis Sanchez) ist es der absolute Horror, tagelang mit der Familie auf einem einsamen Schiff eingepfercht zu sein. Auch am perfekten Mannsbild Testos (Thomas Basler), das Gott speziell für sie erschaffen hat, kann sie sich nicht erfreuen. Und dann funkt da noch Schwerenöter Gino (Willi Widmer) dazwischen, der das Blut von Mutter und Tochter in Wallung bringt. Beim Transport der Tiere auf die Arche geht es natürlich drunter und drüber. In atemberaubendem Tempo wechselt die achtköpfige Schauspielcrew ihre Kostüme, um den Einzug der verschiedenen Tierarten mit viel Kapriolen darzustellen. Das Publikum lacht Tränen. Dann – mitten im grössten Tohuwabohu – spricht Gott ein Machtwort …

Fast wäre die Premiere von «Die Arche» ins Wasser gefallen. «Beim Transport des Thespiskarrens vom Standort Birmenstorf nach Baden ging die Anhängerkupplung kaputt. Nach der Panne schafften wir es knapp vor Theaterbeginn auf den Kirchplatz», erzählt Badener-Maske-Präsidentin Barbara Gebhart. Gemerkt hat man beim Auftritt nichts, alles lief wie am Schnürchen. Neu sind in diesem Jahr die VIP-Sessel in der ersten Reihe zu 30 Franken – inklusive Cüpli. Nebst Sponsoring und der traditionellen Hutkollekte ist das ein wichtiger Zustupf; denn die Produktionskosten pro Tournee betragen durchschnittlich 35 000 Franken.