Am übernächsten Wochenende wird im Kanton über die familienergänzende Kinderbetreuung abgestimmt. Zehn Tage davor legt der Krippenpool Region Baden, dem die Gemeinden Baden, Ennetbaden, Obersiggenthal und Wettingen angeschlossen sind, eine Kosten-Nutzen-Analyse vor, die folgende Fakten präsentiert: Ein gut ausgebautes Angebot an Kindertagesstätten ist nicht nur ein wichtiger Standortvorteil für die Gemeinden. «Jeder in die Kinderbetreuung investierte Franken löst kurzfristig einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 1.70 bis 2.20 Franken aus», lautet das monetäre Ergebnis der Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS). Das renommierte Berner Büro hat bereits für viele Städte und Kantone Studien verfasst, dabei aber auch schon Kritik geerntet.


«Kein politisches Manöver»

Dass die Studie bewusst kurz vor der Abstimmung veröfffentlicht worden sei, stellen sowohl Badens Stadtrat Erich Obrist (parteilos), Ressortvorsteher Kultur und Kinder Jugend Familie, als auch Yvonne Feri (SP), zuständige Gemeinderätin in Wettingen, in Abrede. Die Studie sei im Juni 2015 in Auftrag gegeben worden. Die Resultate würden in der Tat schon länger vorliegen, erklärt Obrist. Dass sie erst jetzt präsentiert würde, liegt laut Feri und Obrist daran, dass sowohl in Baden, Ennetbaden als auch in Obersiggenthal die Ressortverantwortlichen im Gemeinderat gewechselt haben. «Darum sind wir aufgrund der knapp dotierten Stellen schlicht nicht in der Lage gewesen, die Studie früher zu präsentieren», sagt Feri.


Erkenntnis für Budgetprozess

Aus ihrer Sicht sind die Erkenntnisse der Studie im jetzigen Zeitpunkt wichtig, weil sie in den Budgetprozess einfliessen sollen, fügt Feri an: «Das Spannende daran ist zweifellos die Erkenntnis, dass man sich bei der Kinderbetreuung nicht einfach auf die Budgetposition per se abstützen darf, sondern den finanziellen Nutzen sehen muss.» Damit meint Feri primär den steuerlichen Nutzen für Gemeinde, Kanton und Bund, den Wegfall oder die Reduktion von Sozialhilfegeldern wie auch das Standortmarketing einer Gemeinde, die Tagesstrukturen anbietet.


2014 waren es 2,23 Mio. Franken

Die vier Poolgemeinden unterstützten die Eltern im Jahr 2014 mit 2,23 Mio. Franken. Von jedem investierten Franken flossen gemäss Studie zwischen 76 Rappen und 1.03 Franken an die öffentliche Hand zurück. Die Staatsebenen würden sehr unterschiedlich profitieren: Angesichts der kleinen Kostenbeiträge am meisten der Kanton (Steuererträge und Einsparungen bei den Sozialkosten) und der Bund.


Bei den Gemeinden, die am meisten Mittel in die Kinderbetreuung investieren, würden nur zwischen 58 und 68 Rappen pro Franken in Form von höheren Steuereinnahmen zurück in die Gemeindekasse fliessen. Nicht in die Studie miteinbezogen wurden die Steuergewinne bei doppelverdienenden Eltern, welche die Vollkosten für die Betreuung tragen. Die Studie, die 38 000 Franken kostete, untersuchte aber nur die kurzfristigen Kosten-Nutzen-Effekte. Dazu würden aber der mittel- und langfristige Nutzen kommen wie bessere Einkommensmöglichkeiten von Elternteilen, die früh in den Erwerbsprozess zurückkehren, bessere Verfügbarkeit insbesondere weiblicher qualifizierter Facharbeitskräfte, aber auch leistungssteigernde und integrative Wirkung der Tagesstätten bei den Kindern.


Im Obersiggenthaler Einwohnerrat führte der Spardruck in Vergangenheit wiederholt zu Bemühungen, die Kosten für familienergänzende Betreuung zu drücken. «Es ist wichtig, dass anhand dieser Studie der Nutzen aufgezeigt wird», so Feri. Die Studie zeige ausserdem, dass man auf dem richtigen Weg sei, sagt Obrist. Die Synergien des Krippenpools würden sich auch monetär auszahlen, ganz im Sinne der regionalen Zusammenarbeit. Obrist erwähnt im selben Zug die regionale Jugendarbeit, wo insgesamt 14 Regionsgemeinden zusammenarbeiten würden.