Wettingen
Ananas für die Schönheit, Rebensaft fürs Gemüt

Das Degustieren von Olivenöl kann die Sinne durchaus betören und ist obendrein dem Autolenker ein Wohlgefallen. Wichtige Erkenntnisse, gesammelt auf einem Besuch der Herbstmesse «Genuss & Freizeit» im Tägerhard.

Rosmarie Mehlin
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Genussmesse in Baden
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Genussmesse in Baden

Walter Schwager

Malz prägt den Charakter eines Bieres, Hopfen macht es haltbar und ist verantwortlich für die Bitterstoffe. Man lernt bekanntlich nie aus und an der Genuss-&Freizeit-Messe im Wettinger Tägerhard konnte man sein Wissen durchaus bereichern. Noch mehr allerdings den Promillegehalt des Blutes: Bataillone von Flaschen mit einheimischem, italienischem, österreichischem und französischem Rebensaft standen stramm, und lockend tönte hüben und drüben der Sirenen Ruf «Möchte Sie deguschtiere?»

Aber auch das Degustieren von Olivenöl kann die Sinne durchaus betören und ist obendrein dem Autolenker ein Wohlgefallen. Das ist ebenfalls der «Energy Shot», gewonnen in Brasilien aus Acai Beeren und der koffeinhaltigen Guarana-Pflanze – wow – der Trank fährt ein. Klar ist: Genuss hat definitiv viele Facetten. Handgemachte Pralinen gehören ebenso dazu wie Bison- und Entenwurst, Lebersalsiz, Härdöpfelwürstli, Schüttelbrot, Ananas und Kokosnuss-Saft «für die schöne Frau». Mein Pech nur: Ich mag Ananas nicht. . .

Probeliegen auf einem Sitzmöbel

Aber vielleicht hätte ich wenigstens eine Dose von dem entschlackenden, entsäuernden, entgiftenden Badesalz erwerben müssen und passend dazu einen Whirlpool ordern. Aber ich kann mich so schwer entscheiden. So hab’ ich mir auch entgehen lassen, mir alles über «Karriere, Liebesleben, Geldangelegenheiten und Gesundheit» aus der Hand lesen zu lassen, auf den Kauf einer Voodoo-Puppe verzichtet und mich von einer Firma für Messtechnik auch nicht über das Vermeiden von Strahlen aufklären lassen.

Über den Kauf einer Nagelmatte hingegen habe ich länger sinniert, versetzt das Liegen auf einem Nagelbrett Fakire doch in einen tiefen Meditationszustand. Und einen solchen kann man – je älter man wird, desto mehr – zweifellos gebrauchen. Apropos: Das Flugblatt von der Shukokai Karateschule habe ich mitgenommen, nachdem die nette Dame am Stand mir mit verständnisvoller Miene verraten hatte, dass Karate auch etwas für Alte sei.

Dergestalt motiviert habe ich Probeliegen auf einem Sitz- und Relaxmöbel in Angriff genommen, habe mich kurzzeitig in einem Candy Pink-farbenen Polyethylen-Fauteuil – italienisches Stardesign, frostsicher, UV-beständig – mit Namen «Little Queen of Love» gesuhlt und mir einen Prospekt vom SPA-Hotel «Seppl» im Tirol unter den Nagel gerissen. Freizeit, gepaart mit Genuss – wer will denn schon mehr vom Leben?