Die Schlange bei der Badener Pilzkontrollstelle am Schadenmühleplatz war am Wochenende besonders lang. Grund dafür ist das laufende ertragsreiche Pilzjahr. Das nass-kühle Wetter der letzten Wochen hat das Pilzwachstum besonders begünstigt. Die Sammler freuts: Familie Gangl aus Ehrendingen schwärmt von der grossen Ertragsmenge im Vergleich zu den beiden mageren Vorjahren. Familie Schmon aus Wettingen zeigt sich zudem fasziniert ab der Vielfalt, die sie dieses Jahr vorgefunden haben: «Wir fühlten uns da richtig vom Sammeltrieb gepackt.»

Pilzkontrolleur Harald Schmid bestätigt die guten Wetterbedingungen. Er sagt aber, dass Pilze immer für eine Überraschung gut seien. «Man weiss nie genau wo, wann und welche Sorten auftauchen. Doch das ist gerade das Schöne.» Klar sei hingegen, dass das Pilzsammeln zu einem Trend geworden ist, gerade bei jungen, Bio-affinen Familien. Vor wenigen Jahren seien es vor allem noch Senioren gewesen, die in Baden Pilze gesammelt haben.

Gefährliche Doppelgänger

Bei so vielen Pilzsammlern tauchen immer wieder ungeniessbare oder tödlich giftige Arten bei der Kontrollstelle auf. «Das ist ein Seifenritterling. Der riecht wie veraltetes Waschmittel», sagt Harald Schmid zu einem Sammler. Sogleich landet das Exemplar im Papierkorb. Ein anderer bringt nur drei Pilze vorbei – alle davon giftig. «Den Rest haben Sie zu Hause?», fragt Schmid und mahnt, man solle immer alle gesammelten Pilze vorbeibringen, denn die Verwechslungsgefahr sei gross.

Ein Sammler kommt dann mit einer grossen Menge Stockschwämmchen. «Diese haben einen tödlichen Doppelgänger», sagt der Kontrolleur, gibt dann aber Entwarnung. Seit 19 Jahren arbeitet er als Pilzkontrolleur in Baden. Man spürt sofort seine Begeisterung und sein tiefes Wissen. Die Kontrolle in Baden ist für 15 Gemeinden zuständig, entsprechend gross ist auch der Andrang. Doch Harald Schmid und Pilzkontrolleurin Anna Maria Müller haben alles im Griff. Die beiden geben den Sammlern auch Kochtipps.

«Knoblauchschwindlinge oder Herbsttrompeten sind gute Würzpilze, die man trocknen und aufbewahren kann.» Selber Pilze essen würden die beiden kaum noch. «Wenn man so viele Pilze sieht, hat man gar keine Lust mehr darauf», sagt er. Seltene Arten sammle er aber trotzdem noch gerne — um sie dann unter dem Mikroskop zu untersuchen.