Seit dem offiziellen Baustart des Botta-Bads am 9. Januar geht es im Bäderquartier Schlag auf Schlag: Während das Thermalbad derzeit abgebrochen wird, ist vom «Römerbad» bereits nichts mehr zu sehen. Auch im Inneren des ehemaligen Hotels Staadhof am Kurplatz sind die Rückbauarbeiten gestartet.

In den nächsten rund zweieinhalb Jahren wird im Bäderquartier gebaut. Wie gehen Anwohner mit den Arbeiten um? Wird doch der «Staadhof», der im Herzen des Quartiers liegt, in Kürze rückgebaut. Eine Umfrage bei Firmen, Hoteliers, Praxen und Privaten zeigt: Die Freude über den erfolgten Baustart ist gross – wären da nicht die Auswirkungen, die eine Baustelle mit sich bringt, Lärmemissionen zum Beispiel.

Die Videoagentur undparter.digital, die am Kurplatz 3 unmittelbar neben dem «Staadhof» ansässig ist, hat grossen Respekt davor: «Wir produzieren viele Videos und sind oft am Telefon», sagt Co-Gründer Frank Schaffner. Deshalb habe man sich überlegt, das Büro temporär unterzuvermieten und vorübergehend aus dem Bäderquartier zu ziehen. «Wir warten nun ab, wie sich das Ganze entwickelt, und schauen dann weiter», sagt Schaffner.

Auf ein ruhiges Umfeld ist auch Daria Peter angewiesen, die an der Bäderstrasse 25 eine Praxis für Mental Coaching betreibt. «Da ich häufig mit Hypnose arbeite, versuche ich, diese Sitzungen möglichst in die Mittags- oder in die Abendstunden zu verlegen. Ausserdem arbeite ich regelmässig an Samstagen», sagt Peter. Auf diese Weise könne sie die Beeinträchtigung durch Lärm in Grenzen halten. Ebenfalls vorgesorgt hat Ursula Burgherr, die als Journalistin viel von zu Hause aus arbeitet und am Kurplatz 3 wohnt: «Ich habe mir Kopfhörer gekauft und hoffe, sie nützen etwas.»

Entspannung und kein Baulärm

Dem Lärm eher gelassen sieht Karsten Roembell entgegen, der in derselben Liegenschaft die Praxis Zenshiatsu führt: Man sei ihn etwas gewohnt, denn auch in Ennetbaden werde seit einigen Jahren an der Limmatpromenade fleissig gebaut. Damit meint er etwa den Neubau «Hirschen», das Hotel Bad Schwanen oder die Neugestaltung der Badstrasse. Roembell, der seit 17 Jahren im Bäderquartier ansässig ist, verneint aber nicht, dass sich der Lärm auf seine Arbeit ausgewirkt hat und er auch Verluste hinnehmen musste. «Die Kunden möchten ja im Shiatsu Ruhe und Entspannung geniessen und keinen Baulärm», sagt der Therapeut.

Auf die Bauarbeiten angesprochen, sagt der Wirt des Restaurants Hörnli, Antonio Vasquez: «Die Zeit war reif.» Wie viele andere Anwohner merkt er an, dass im Vergleich zu früher im Bäderquartier nichts mehr los ist. «Dass es nun mehr Lärm gibt und wir im Sommer aufgrund des Baustellenverkehrs wohl nicht mehr draussen bestuhlen können, nehmen wir in Kauf.» Vasquez, der das rustikale Gasthaus am Blumengässchen seit über 20 Jahren führt, glaubt nicht, dass aufgrund der Bauerei weniger Gäste ins «Hörnli» finden, im Gegenteil: Über Mittag könnte das Restaurant dank den Bauarbeitern gar besser belegt sein.

Die Hoteliers im Bäderquartier betrachten die Arbeiten zwar als eine Herausforderung, doch sie geben sich optimistisch. «Unter der Woche logieren bei uns hauptsächlich Geschäftsreisende», sagt der Geschäftsführer des Atrium-Hotels Blume, Patrik Erne. Diese würden in der Regel zeitig frühstücken und abends erst nach 18 Uhr zurückkehren. «Somit sind während der Bauzeit meist wenig Gäste bei uns im Hotel.» Lorenz Diebold, Direktor des Limmathofs Baden, ist zuversichtlich, keine bestehenden Gäste zu verlieren: «Die Nachfrage nach Zimmern in Baden ist immer noch sehr hoch.» Zudem zeige die Erfahrung mit der Baustelle in Ennetbaden, dass die Gäste Verständnis haben. Dies, weil «die Baustelle nicht von uns ‹verursacht› wird», sagt Diebold.

Tiefgarage wird wegfallen

Besorgt zeigt man sich in Bezug auf die Zufahrts- und die Parkmöglichkeiten: «Die Tiefgarage ‹Thermalbaden› wird Ende April wegfallen», erklärt Patrik Erne. Es reise zwar nur eine Minderheit der Gäste mit dem Auto an, doch eine praktische Alternative könne man leider noch nicht anbieten. Lorenz Diebold rechnet damit, dass es während der Bauzeit zu Reklamationen kommen könnte. «Wir werden aber angebotsmässig gewisse Aktionen lancieren, um trotz Bauerei weiterhin attraktiv zu bleiben.» Erne fügt pragmatisch an: «Jede Baustelle bringt nun mal Lärm und Staub, das lässt sich nicht vermeiden.»

Die Eröffnung des neuen Thermalbads von Mario Botta ist im Frühjahr/Sommer 2019 geplant. Die Ortsansässigen warten gespannt auf den Moment und sind glücklich, dass es nun vorwärtsgeht. «Täglich den Anblick der Bauruinen mehrere Jahre ertragen zu müssen, war nicht prickelnd», sagt Therapeut Karsten Roembell. Auch der «Limmathof»-Direktor freut sich, «dass das Bäderquartier endlich wieder im neuen Glanz erstrahlen wird». Und Anwohnerin Ursula Burgherr fügt an: «Bald kann ich Besuchern stolz mein Quartier mit dem neuen Bad zeigen, das Baden schlussendlich seinen Namen verleiht.»