Niederrohrdorf
Anwohner sind besorgt wegen Altlasten in Deponie

Trotz starker Schadstoffbelastungen im Boden soll am Weiherweg ein Wohnhaus mit Spielplatz gebaut werden. Rund 40 Anwohner des Weiherwegs haben beim Kanton eine Sammeleinsprache gegen das geplante Bauprojekt der Egro Immo AG eingereicht.

Erna Lang-Jonsdottir
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Einsprecher Roland Gränicher und Gerda Keller bei der ehemaligen Deponie der Egro AG. Christoph Voellmy

Einsprecher Roland Gränicher und Gerda Keller bei der ehemaligen Deponie der Egro AG. Christoph Voellmy

Sorge bereiten ihnen Altlasten im Boden: «Das mit Abfällen durchsetzte Auffüllmaterial weist verbreitet starke Schadstoffbelastungen auf», heisst es im Bericht des Geologiebüros Jäckli aus Baden. Die Bodenanalyse in Auftrag geben musste die Egro Immo AG, die auf der ehemaligen Deponie der Egro AG ein Wohn- und Gewerbehaus mit Kinderspielplatz bauen will (Aargauer Zeitung, 5. November).

Die Einsprecher befürchten unter anderem eine Verschmutzung des Grundwassers und verlangen deshalb, dass sämtliche Altlasten auf Kosten der Egro Immo ausgegraben und fachgerecht entsorgt werden. Anders sieht es der Kanton: In seiner Stellungnahme zu den Einwendungen verpflichtet er den Bauherrn nicht dazu, die Abfälle gänzlich zu entfernen und zu entsorgen.

Boden soll versiegelt werden

«Die Untersuchungen der Heinrich Jäckli AG haben gezeigt, dass die Abfallablagerung auf der Parzelle nicht sanierungsbedürftig ist, weil durch sie die Umwelt nicht gefährdet wird», heisst es in der Stellungnahme des Kantons. Zum einen stützt sich der Kanton dabei auf die Drainage, über die das Sickerwasser in die Kanalisation gelangt und somit das Grundwasser kaum belasten soll. Zum anderen soll der Bauherr dazu verpflichtet werden, die Baufläche zu versiegeln und dabei einen Teil der Abfälle zu entsorgen. Wie dem Geologiebericht zu entnehmen ist, soll damit das Austreten von Schadstoffen verringert und die Qualität des Grundwassers sogar verbessert werden.

«Aus den Bauplänen ist nicht ersichtlich, mit welcher Art die vorgesehene Verdichtung oder Betonplatte abgestützt werden soll», sagen die Einsprecher Roland Gränicher und Gerda Keller. Bei einer allfälligen Verwendung von Baupfählen befürchtet Gränicher, dass trotz Drainage Schadstoffe ins Grundwasser gelangen könnten. «Wie dem Bericht des Geologiebüros weiter zu entnehmen ist, können sich durch die Überbauung und Abdichtung der Oberfläche unter den Neubauten Deponiegase ansammeln.» Doch auch dafür hat das Geologiebüro eine Lösung: «Unter dem Gebäude ist ein vollflächiges Entgasungssystem zu erstellen, damit sich die Deponiegase nicht ansammeln können.»

Angst vor Explosionen

Für die Einsprecher noch empörender als ein unterirdisches Entgasungssystem sind die Arbeitssicherheitsmassnahmen: Das Geologiebüro rät, dass Personen, die in Gräben steigen, Gaswarngeräte tragen, um den Gehalt an explosionsgefährlichen Gasen zu überprüfen. «Der Bericht des Geologiebüros ist uns zu schwammig», attestieren Keller und Gränicher.

Es sei von starken Schadstoffbelastungen, Entgasungssystemen und sogar von expolsiongefährlichen Gasen die Rede – dennoch solle auf einem versiegelten Boden ein Wohnhaus mit Kinderspielplatz errichtet werden. «Was, wenn es beim Bau zu Explosionen kommt?», fürchtet sich Keller. Ganz sicher ist sich das Geologiebüro betreffend das Ausmass der Gase nicht. Am Ende des Berichts heisst es: «Werden bei den Arbeiten Grenzwerte überschritten, so werden die Bauarbeiten im betroffenen Bereich eingestellt und das Vorgehen muss mit der Fachbauleitung abgesprochen werden.»

Die Einsprecher und der Gemeinderat warten jetzt auf den Entscheid des Kantons. «Ich habe Verständnis für das Anliegen der Einsprecher. Die Zuständigkeit für das Thema Altlasten liegt jedoch beim Kanton. Der Gemeinderat muss sich auf die Beurteilung der zuständigen Spezialisten des Kantons und des Büros Jäckli abstellen», erklärt Gemeinderat Heinz Jossi. «Wir werden, wenn nötig, die Beschwerde weiterziehen», sagt Gränicher dazu.