Baden
Aprilscherz: Reges Interesse für «City Pricing»-Vignette

Das Badener Tagblatt hatte gestern über einen Pilotversuch zum «City Pricing» in Baden berichtet. Es handelte sich um einen Aprilscherz. Das Telefon beim fingierten Projektleiter lief heiss. Einige wollten eine Vignette bei der Stadtpolizei abholen.

Roman Huber
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Alexandra Ischia, Sachbearbeiterin der Stadtpolizei, überreicht statt der Vignette je einen Schoggi-Osterhasen.

Alexandra Ischia, Sachbearbeiterin der Stadtpolizei, überreicht statt der Vignette je einen Schoggi-Osterhasen.

Sandra Ardizzone

Aprilscherz gelungen. Das «City Pricing», für das der Kanton laut gestrigem BT einen Pilotversuch in der Stadt Baden angekündigt hatte, stiess auf reges Interesse. Wer an diesem Probeversuch teilnehmen wollte, musste gestern bei der Stadtpolizei eine Vignette abholen. Dafür winkte jedem Testfahrer ein Gutschein für eine Gratisvignette, wenn dann das «City Pricing» definitiv eingeführt würde. «City Pricing» ist wie das «Road Pricing» eine Strassengebühr, wie sie in einigen grossen Städten (Staugebühr in London) schon existiert. Vielerorts wird sie als lenkende Massnahme gegen den Verkehrskollaps diskutiert, im Gegensatz zur Autobahngebühr, die als Benutzungsgebühr erhoben wird.

Schoggi-Osterhase statt Vignette

Punkt 14 Uhr waren denn auch die ersten Interessenten am Schalter der Stadtpolizei. Als die beiden Frauen erfuhren, dass es sich um einen Aprilscherz handelt, lachten sie herzhaft mit. Grund dazu hatten sie insofern, als ihr Narrengang nach Baden wenigstens mit einem leckeren Schoggi-Osterhasen belohnt wurde.

Der Ansturm auf die Vignette hielt sich zwar in Grenzen, dennoch gab es zur Genugtuung der Fallensteller noch weitere Anfragen am Schalter. Es gab auch Irregeleitete, die sich ein bisschen ärgerten, einerseits über die Urheber des Scherzes, andererseits über sich selbst, weil sie dem Aprilscherz auf den Leim gekrochen war.

Wer der Sache nicht ganz traute, konnte zur Sicherheit vorgängig auf eine Nummer anrufen, die als diejenige des Projektleiters angegeben wurde. Dort meldete sich ein Herr «Ämisegger, Kantonale Abteilung Verkehrsplanung» (bzw. ein Redaktionsmitglied), der bereitwillig, geduldig und freundlich nähere Auskunft über den Pilotversuch «City Pricing» gab.

Lob und Kritik für «City-Pricing»

Dieses Telefon lief zwischen neun und elf Uhr heiss. Ein Fahrlehrer fragte, ob es sinnvoll wäre, wenn er sich an diesem Versuch beteiligen würde. Ein Gewerbetreibender, dessen Handwerker regelmässig durch die Stadt Baden fahren, fragte im Hinblick auf die in Aussicht gestellten Gratis-Vignetten, ob er gleich mehrere Fahrzeuge für diesen Test anmelden könnte. Jemand wollte wissen, ob man die Vignette auf ein anderes Fahrzeug übertragen dürfe.

Wer nicht im Verlaufe des Gesprächs Verdacht hegte, wurde dann sanft darauf hingewiesen, dass der Pilotversuch auf den 1. April beschränkt worden sei, sodass am Schluss an beiden Enden der Telefonlinie herzhaft gelacht werden durfte. Viele Anrufer hätten «City Pricing» sogar begrüsst, wenn es tatsächlich eingeführt worden wäre. Es gab hingegen eher wenige Anrufer, die das Vorhaben des «City Pricing» kritisierten. Vereinzelt äusserte man zwar seinen Unmut über «eine solche schikanöse Massnahme». Per SMS schrieb ein genervter Autofahrer: «Hat die Stadt Baden nichts Besseres zu tun, als so einen Mist. Frechheit!». Ein kritischer Anrufer mit hartnäckigen Fragen entpuppte sich als Moderator von Radio Argovia, womit auch einige Hörer am Aprilscherz ihren Spass haben durften.

Zwei Verkehrsthemen waren es im gestrigen Badener Tagblatt, die zu reden gaben: Dass es in den nächsten zehn Jahren zu einer Weiterführung der Limmattalbahn von Killwangen bis nach Baden kommen würde, hielten die meisten Leser eher für unwahrscheinlich und vermuteten darin den diesjährigen Aprilscherz. Dies zeigten einige Reaktionen.

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