Freienwil

Architekt muss Baugesuch einreichen – Gemeindeammann nicht: Ist Baukommission parteiisch?

In Freienwil steht die Baukommission unter der Leitung des Gemeindeammanns in der Kritik.

In Freienwil steht die Baukommission unter der Leitung des Gemeindeammanns in der Kritik.

Hansruedi Stirnemann will sein Büro zügeln und wird aufgefordert, für Umnutzung ein Gesuch zu stellen. Eine Biografin mietet einen ehemaligen Lagerraum, der dem Gemeindeammann gehört und nutzt ihn als Büro. Es ist kein Gesuch nötig. Das weckt Verdacht.

«Herrscht in Freienwil Willkür oder nur Inkompetenz, wenn es um Baugesuche geht?» Das fragt sich Architekt und Einwohner Hansruedi Stirnemann in einem Schreiben an die AZ. Folgendes ist geschehen: Im September hatte Stirnemann die Gemeinde darüber orientiert, dass er auf Anfang 2020 sein Büro nach Freienwil zügeln werde.

Kurz darauf flatterte die schriftliche Aufforderung ins Haus, ein Baugesuch einzureichen, weil die Räumlichkeiten, die ihm nun als Büro dienen sollten, die letzten Jahre als Wohnung genutzt worden waren.

Dass für eine solche Umnutzung ein Baugesuch einzureichen ist, das wäre an sich korrekt. Wäre da nicht im ehemaligen Restaurant Eintracht, das notabene Gemeindeammann Robert Müller und seiner Frau gehört, eine Freienwilerin in den neu ausgebauten Lager- beziehungsweise Bastelraum eingezogen, um dort ihre Dienstleistung als Biografin anzubieten.

«Dafür benötigte es nach Ansicht des Gemeinderats keine Baubewilligung», weiss Stirnemann. Er bemängelt, dass diese für die neue Nutzung nicht vorliegt, obwohl der betreffende Raum bisher nur als Bastel-/Lagerraum deklariert gewesen sei: «Offenbar meinen Baukommission und Gemeinderat ein gewerblich genutzter, unbeheizter Lagerraum sei einem Büro baurechtlich gleichzustellen», so Stirnemann.

«Müller ist faktisch die Baukommission»

Deshalb hat er im Sommer eine Beschwerde beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) eingereicht, die noch hängig ist. «In Freienwil messen die Behörden immer wieder mit ganz unterschiedlichen Ellen», so Stirnemann.

Er verweist auf weitere Vorkommnisse in jüngster Zeit: «Während in einem Fall die Bauherrschaft dazu verknurrt wurde, ein Geländer, das um 1,5 Zentimeter zu niedrig montiert wurde, nachträglich anzupassen, toleriert die gleiche Behörde zwei Drähte als Absturzsicherung auf einer hohen Gartenmauer, was aber bei weitem nicht den gesetzlichen Regeln entspricht.»

Er prangert in erster Linie die Baukommission an, in der Gemeindeammann Robert Müller, ebenfalls Architekt, als einziger mit Fachkompetenz amte, wie Stirnemann sagt: «Alle anderen müssen sich vor allem auf seine Einschätzungen verlassen. Ich würde behaupten, Müller ist faktisch die Baukommission, und der Gemeinderat toleriert das. Offensichtlich haben sich die Verhältnisse, die zum Rücktritt von zwei langjährigen Baukommissionsmitgliedern führte, nicht geändert.»

2016 waren zwei Mitglieder aus Protest aus der Kommission ausgetreten. Sie warfen Müller vor, in Freienwil wie ein Landvogt zu amten, hatte er damals bei der Planung des Umbaus des Restaurants «Weisser Wind» eine Dreifachrolle als Ammann, Baukommissionspräsident und Architekt inne. Er sei zu verstrickt, um in den jeweiligen Funktionen unvoreingenommen handeln zu können, hiess es.

Von einem Interessenskonflikt wollte Müller damals aber nichts wissen, Sitzungen der Baukommission zum «Weissen Wind» sei er ferngeblieben. Anfang 2018 dann traten zwei Gemeinderäte zurück – unter anderem wegen fehlendem Vertrauen in den Gemeindeammann.

Diesmal stand aber die damalige Kindertagesstätte im früheren Restaurant Eintracht im Fokus.
Gemeindeammann Robert Müller wollte auf Anfrage keine Stellung zu den neuerlichen Vorwürfen nehmen, dass in Freienwil mit unterschiedlichen Ellen gemessen werde.

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