Wer sich darauf einlässt und dem wachen Auge der Kamera folgt, der ist gebannt. So gebannt wie die filmischen Sequenzen auf dem Band selbst. Gefesselt von dem andersartigen und augenscheinlich so freundlichen, aber verwirrenden Tunnelsystem, das sich letzten Endes als Ruine eines Atomkraftwerkes entpuppt.

Lust auf Erkundung

Aus Videoaufnahmen und animierten Fotos hat Monika Rechsteiner einen Ort erschaffen, den es so nicht gibt und der dennoch das Gefühl vermittelt, ihn erkunden zu wollen. Sie spielt mit dem Wechsel der Perspektiven, mit langsamen Kamerafahrten und undefinierbaren Detailaufnahmen. Als die Kamera schliesslich den Weg nach draussen findet und anstelle von Rost und Stahl eine frische grüne Wiese preisgibt, ist man enttäuscht und erleichtert zugleich. Die Reise ist vorbei.

Ähnliche Ansätze präsentiert die Videokünstlerin Susanne Hofer mit ihren «Mikrodramen», die absurde, aber dennoch poetische Geschichten erzählen. Auf kleinen Monitoren zeigt sie Schatten, die aus dem Nichts auftauschen, spazieren und wieder verschwinden. Einen geheimnisvollen Korridor, wo sich Türen wie von Geisterhand öffnen und wieder schliessen und eine Staubwolke, die langsam vor einer Bergkulisse dahin-fegt. Letztere sei ursprünglich von einem Lastwagen produziert worden, erzählt die Luzernerin, den sie wegretuschiert habe.

Ihre romantisierte Darstellung einer Vorstadt, arrangiert aus alten Kartons, Kanistern und anderen Abfallmaterialien, erinnert sowohl an Rechsteiners Film als auch an die Fotografien von Sandra Senn. Alle drei haben auf ihre Art eine Wirklichkeit erschaffen, die von den realen, oft düsteren Tatsachen ablenkt und das Schöne und Interessante dahinter offenbart. Denn wer hätte schon für möglich gehalten, dass die Ruinen des «Palastes der Republik» der ehemaligen DDR strahlend und positiv dargestellt werden könnten? Doch auch hier weht ein Hauch von Melancholie, den Senn mit klaren Farben und Kontrasten und einem manipulierten Szenenwechsel einfängt.

Mit Präsenz Raum erobern

Perspektivische Wechsel hat der Maler Werner Bommer zu seiner Kür gemacht. Mit kräftigen Acrylfarben kombiniert er architektonische Elemente mit grossflächiger Malerei. So lässt sein Bild «Atrium» den Eindruck einer Zugfahrt entstehen und als «Transfer» betitelte er eine Collage aus realen und fiktiven Elementen. Als Betrachter ist man fasziniert, fragt sich, was ist innen, was aussen, was nah und was weit. So zieht jeder seine eigenen Schlüsse. Allen Bildern gemein ist jedoch die Präsenz, mit der sie den Raum erobern.

Vielleicht strahlen sie aus, wie sie entstanden sind. Denn obwohl seit Jahren als Galerist bekannt, offenbarte sich Bommer erst vor kurzem offiziell als Maler. Ebenfalls bereits seit Jahren beschäftigt sich Andreas Hofer mit dem Thema «Architektur» und präsentiert hier Exemplare seiner Serie «Flüchtige Räume». Vermeintliche Zweidimensionalität, die sich erst beim Betrachten der Details zu etwas Räumlichen entwickelt.

So präsentiert die Galerie im Gluri Suter Huus derzeit eine Ausstellung, über Künstler, die sich ergänzen und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Welt, die es wert ist, entdeckt zu werden.

Wettingen Gluri Suter Huus, «Architektur in der Kunst», bis zum 9. 4., Mi–Sa, 15–18 Uhr, So, 11–17 Uhr. So. Führung mit den Künstlern: 11.3., 11 Uhr.