Baden
Ares, Chase oder Future: Warum in Baden jeder so heissen kann, wie er will

Den Namen eines Neugeboren ablehnen - das hat das Zivilstandsamt Baden schon länger nicht mehr getan. Unübliche und aussergewöhnliche Namen kommen aber regelmässig vor. Allein für Yanik gab es letztes Jahr neun verschiedene Schreibweisen.

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Babys haben im Jahr 2014 andere Namen als noch vor 50 Jahren. (Symbolbild)

Babys haben im Jahr 2014 andere Namen als noch vor 50 Jahren. (Symbolbild)

Keystone

«Jessico darf nicht Jessico heissen» titelte der «Blick» am 4. Februar: Das Zivilstandsamt Oberaargau akzeptierte diesen Namen nicht, den Eltern ihrem neugeborenen Jungen gaben. Die Eltern wurden aufgefordert, schriftlich zu erklären, warum sie ihren Sohn Jessico nennen wollen. Die az wollte wissen: Gibt es solche Fälle auch in der Region Baden?

Der Leiter des Zivilstandskreises Baden, Albert Conrad, würde den Namen Jessico problemlos akzeptieren. Er würde aber bei Schreibweisen wie «Rosche» statt «Roger» mit den Eltern das Gespräch suchen oder Namen wie Michaela oder Emma für einen Jungen nicht akzeptieren. Andrea hingegen wird in der Schweiz für beide Geschlechter akzeptiert - nicht wie in Italien, wo ein Gericht 2011 beschloss, ein im Ausland geborenes fünfjähriges italienisches Mädchen dürfe nicht mehr Andrea heissen.

Einen Namen abgelehnt hat Conrad seit längerem nicht mehr: «Namen, welche die Interessen des Kindes offensichtlich verletzen, sind schon lange nicht mehr vorgekommen bei uns.» Häufig sei aber, dass die Kinder Namen erhalten, die für schweizerische Verhältnisse unüblich und aussergewöhnlich seien, sagt Conrad.

«Schliesslich ist die Welt heute viel vernetzter und offener - nur schon in Baden wohnen über 100 verschiedene Nationen.» Deshalb sei er froh, dass die Regelung für die Namensgebung nicht mehr so engmaschig und streng sei wie vor rund 20 Jahren. «Eine gelockerte Regelung macht in der heutigen Welt mehr Sinn.»

Ein Blick in die Babygalerie des Kantonsspitals Baden zeigt, dass viele der ausgewählten Vornamen tatsächlich sehr aussergewöhnlich sind. So haben Mädchen das Licht der Welt erblickt, die auf den Namen Aisnley, Aishwiny, Chioma, Drita, Lamija, Lykke, Marisol, Rejana oder Sölva hören. Bei den Jungen sind Namen zu entdecken wie Ares, Chase, Edin, Future Precious, Hansel, Krzysztof, Manoah, Naser, Pavle, Ray Charles, Santiago, Semir oder Tyson.

Zwei Vornamen überraschen

Grundsätzlich aber folgten die Eltern im Zivilstandskreis Baden im letzten Jahr den schweizweiten Trends. Die nationalen Spitzenreiter wie Mia, Alina und Emma gehörten 2013 auch in Baden zu den beliebtesten Namen. Was überrascht: Der Name Sarah oder Sara übertrumpfte in der Region alle, ist aber in den letzten Jahren nicht in den Top zehn der beliebtesten Namen in der Schweiz aufgetaucht.

Dasselbe Bild ergibt sich bei den Jungen. Die beliebtesten Namen in der Schweiz, Noah, Luca und David, gehören in Baden zu den Favoriten. Aber auch hier: Der absolute Spitzenreiter 2013 war Yanik, der wie Sarah in der nationalen Statistik nicht unter die zehn beliebtesten Vornamen gerutscht ist.

Diesen Unterschied hat einen bestimmten Grund, wie Conrad, erklärt: «Für den Namen Yanik registrierten wir im letzten Jahr neun verschiedene Schreibweisen - da alle aber gleich ausgesprochen werden, zählen wir sie nicht einzeln. Im Gegensatz zum Bundesamt für Statistik (BFS), das jede Form einzeln festhält.» Dasselbe gelte für den Namen Sarah oder Sara. «Würde das BFS nur auf die Aussprache und nicht auf die Schreibweise achten, wären Yanik und Sarah sicherlich weiter vorne im nationalen Ranking», ist Conrad überzeugt.

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