Birmenstorf
Ärger über Waschmaschine: Wo Merker draufsteht, ist nicht Merker drin

Eine Kundin bestellte eine Waschmaschine bei Merker, einer Tochtergesellschaft von Schulthess – und erhielt zu ihrem Ärger ein Gerät von Bosch.

Frederic Härri
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zVg

Ursula Lotter staunte nicht schlecht, als sie den Lieferwagen vor ihrem Haus sah. Vor dem Jahreswechsel bestellte die 72-jährige Birmenstorferin eine Waschmaschine Bianca 400 der Firma Merker. Kurz zuvor hatte ihre alte Waschmaschine, ebenfalls ein Merker-Modell, nach zwölf Jahren Dienst den Geist aufgegeben. Nicht «Merker» stand allerdings auf dem Lieferwagen, der ihre Bestellung brachte, sondern «Schulthess».

Auf ihre Frage, ob es sich um eine Schulthess-Maschine handle, erwiderte der Service-Monteur, dass es ein Gerät der Marke Bosch sei. «Hätte ich von Anfang an gewusst, dass ich eine Bosch-Maschine bekomme, dann hätte ich sie nicht bestellt», sagt Ursula Lotter jetzt.

Zum Zeitpunkt der Lieferung habe sie allerdings nicht weiter nachgefragt. «Ich war in dem Moment ziemlich perplex und einfach froh, dass ich nach einer Woche wieder waschen konnte.» Im Vorfeld hatte Lotter an eine Reparatur ihrer alten Maschine gedacht. Weil diese für sie aber zu teuer gewesen wäre, hatte sie sich für ein neues Gerät entschieden.
Kostenpunkt der Waschmaschine: 1600 Franken.

Als Ursula Lotter Freunden von ihrem Neuerwerb erzählte, rieben sie sich verwundert die Augen. Der Elektronikhändler Fust bot ein vergleichbares Bosch-Modell zum Preis von 699 Franken an. «Ich kam mir vor, als sei ich hinters Licht geführt worden», beklagt Lotter. Kurz darauf wandte sie sich an Merker mit einem eingeschriebenen Brief, in dem sie reklamierte: «Ich fühle mich von Ihrer Firma in mehrfacher Weise betrogen. Erstens habe ich statt einer Merker-Waschmaschine ein Bosch-Gerät, zweitens ist die Preisdifferenz ungeheuerlich.»

Den Brief versah sie zudem mit der Bitte, ihr die Maschine zum selben Preis zu geben, den auch die Firma Fust verlange. Statt einer Antwort erhielt Lotter die Rechnung von Merker zugestellt. Diese habe sie nach einigen Wochen vergeblichen Wartens beglichen, sagt Lotter.

Keine Preisreduktion angedacht

Beim Kundendienst von Merker ist Ursula Lotters Brief nie angekommen. Die Firma hat aber versucht, nachzuvollziehen, was mit dem Schreiben passiert ist. Marijo Butkovic, Leiter Verkauf Haushaltsmaschinen bei der Schulthess Maschinen AG, sagt: «Wir nehmen Anfragen sehr ernst und der Kundenservice ist uns sehr wichtig.»

Einen nachträglichen Preiserlass wird es für Ursula Lotter aber nicht geben. Der Grund: «Merker arbeitet mit einer eigenen Verkaufspreisliste und richtet sich nicht nach Preisen von Mitbewerbern.» Die Geräte seien preislich zwar höher als jene der Konkurrenz, würden sich aber auch qualitativ und von der Serviceleistung von diesen deutlich unterscheiden. So sei es generell Aufgabe der Verbraucher, Produkte zu vergleichen und selbst zu entscheiden, welche Preisklasse für sie infrage komme.

Hergestellt in der Türkei

Weshalb verkauft Merker Modelle der Marken Schulthess und Bosch unter ihrem Namen? Seit die Familie Merker ihre Firma 1991 an die Schulthess Maschinen AG verkauft hat, wurde die eigene Produktion in Baden eingestellt. Seither stammt der grösste Teil der Produktion aus dem Schulthess-Werk in Wolfhausen ZH. Einige Geräte werden aber auch auswärtig produziert – wie eben die Bianca 400, die im Bosch-Werk in der Türkei hergestellt wird.

«Die Bianca 400 ist ein Produkt, das wir bei einem Partner zukaufen, damit Kunden mit kleinerem Budget die Möglichkeit haben, von unserem Servicenetz und Kundendienst zu profitieren», erklärt Butkovic. Sollten Partner dasselbe Produkt unter deren Marke zu einem deutlich geringeren Preis anbieten, habe die Schulthess Maschinen AG darauf keinen Einfluss.
In der offiziellen Merker-Preisliste ist die Bianca 400 allerdings mit 2650 Franken brutto aufgeführt.

Nach welchen Kriterien der von Ursula Lotter beglichene Betrag zustande kommt, gibt Schulthess auf Anfrage nicht bekannt. Die Firma bestätigt aber, dass sich Lotter Ende 2017 mit ihr für eine Reparatur ihrer alten Waschmaschine in Verbindung gesetzt hat. Nach Einschätzung des Technikers lohnte sich eine Reparatur nicht mehr, woraufhin Lotter eine Offerte für ein neues Gerät verlangte. Der zuständige Gebietsverkaufsleiter gab dem Techniker daraufhin die Freigabe, ihr die Maschine zum Preis von 1600 Franken zu offerieren. «Im Normalfall bieten wir unsere Swissmade-Geräte an», sagt Butkovic. Da Lotter aber ausdrücklich das günstigste Gerät gewünscht hat, wurde die Bianca 400 angeboten.

«Nicht, was man sich vorstellt»

Für Ursula Lotter ist der Preis im Nachhinein zweitrangig. Sie ärgere sich, dass sie sich vom Service-Monteur habe «einlullen lassen», ein neues Gerät bei Merker zu kaufen. Zu Beginn habe er ihr mitgeteilt, dass es sich nur um einen kleinen Defekt an ihrer alten Maschine handle. Erst als er persönlich vorbeikam, habe sich herausgestellt, dass der Schaden doch grösser war.

An der Waschleistung ihrer neuen Bianca 400 hat Ursula Lotter wenig auszusetzen: «Sie erfüllt ihren Zweck.» Von Merker ist sie aber enttäuscht. Darüber, dass die Firma mit ihrem guten Namen werbe, dabei aber nicht offen und transparent informiere. Nur durch Zufall habe sie schliesslich erfahren, wo und von wem die Waschmaschine produziert wird. «Man erhält nicht das, was man sich vorstellt.»