Sein familiäres Umfeld bot Peter (Name von der Redaktion geändert) nicht gerade die besten Chancen zum Start ins Leben. Die Eltern trennten sich früh, seine Mutter ist psychisch krank, er wuchs meist in Heimen auf. Nach der Schule absolvierte er eine Verkäuferlehre: «Der Detailhandel hat mich immer sehr interessiert.»

Doch nach der Rekrutenschule gelang es ihm nicht mehr, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen: «Ich war in mehreren Beschäftigungsprogrammen, fand aber trotz vielen Bewerbungen keine Festanstellung.» Neu nach Wettingen gezogen, erkundigte er sich auf dem Sozialamt nach Arbeitsmöglichkeiten. «Ich brauche unbedingt eine Arbeit, denn ich will nicht länger von der Sozialunterstützung leben», sagt er. Fündig wurde er bei der Arwo Stiftung, die freiwilligen Helfern einen Arbeitsplatz anbietet.

Arwo setzt auf initiative Leute

«Wir bieten Sozialhilfebezügern seit einem halben Jahr die Möglichkeit eines freiwilligen Arbeitseinsatzes an», sagt Arwo-Geschäftsleiter Roland Meier. Die Arwo Stiftung Wettingen, die Arbeits- und Wohnplätze für Behinderte in anbietet, hatte das Projekt im August lanciert.

Heute kann Meier feststellen: «Wenn das Pilotprojekt weiterhin so gut läuft, werden wir daraus ein fixes Angebot machen.» Für ihn ist es eine logische Weiterentwicklung des sozialen Engagements der Arwo. Ihr Kerngeschäft ist die Betreuung von Menschen mit einer Behinderung.

Neu will sie auch Menschen helfen, den Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Dabei setzt sie ganz auf deren Initiative. «Wir haben einen Flyer mit unserem Angebot in den Gemeinden verteilt», sagt Meier. Es liegt an den Betroffenen, sich bei der Arwo zu melden. Darauf muss die Person ihre Bewerbung einreichen und es folgen Anstellungsgespräche. Alle Schritte sind so organisiert, dass die Initiative immer vom Bewerber ausgehen muss. Werden sich die beiden Partner einig, kann er einen Arbeitsplatz antreten. Vom Einsatz der Person hängt auch die Dauer des Engagements ab: «Beide Parteien können das Arbeitsverhältnis jederzeit beenden.»

Einen Lohn erhalten die Leute nicht, aber: «Das Essen bei uns ist für sie frei.» Dies soll ein Anreiz sein. So profitieren beide, der Bewerber erhält eine geregelte Tagesstruktur, die Arwo kann ihn in ihrem Betrieb einsetzen. «Wir können die Personen im Arbeitsprozess, also ihre Leistungsfähigkeit und ihr Verhalten beurteilen und sind so in der Lage, ihnen objektive Referenzen abzugeben.» Diese wiederum sind eine wichtige Voraussetzung für das weitere Berufsleben, denn die Personen müssen sich weiter um eine Stelle bewerben. Meier hat festgestellt: «Die Leute arbeiten gerne in der Arwo und mit unseren Klienten zusammen, dabei können sie auch Kontrollarbeiten übernehmen.»

Ein Weg aus der Sackgasse

Auf diesem Weg ist auch Peter zur Arwo gekommen. Ihm ist die Zufriedenheit mit dem Engagement deutlich anzusehen: «Ich habe wieder eine geregelte Tagesstruktur, ich kann beweisen, dass ich etwas kann.» Erfolglos hatte er viele Bewerbungen geschrieben: «Meist erhielt ich reine Standard-Absagebriefe, obwohl ich von den Praktika sehr gute Zeugnisse hatte.» Mit der Zeit litt er darunter, er wollte nicht Sozialbezüger sein, sondern eine reguläre Arbeit ausführen. «Als Sozialhilfebezüger landet man in der tiefsten gesellschaftlichen Schublade, man wird nicht mehr akzeptiert.»

Mit der Stelle bei der Arwo hat er einen guten Weg aus dieser Sackgasse gefunden. Der Kontakt mit den Betreuern und den Klienten sei sehr gut. «Für die Klienten war ich nie der Sozialbezüger, sondern ein Mensch. Für sie ist wichtig, ob ich böse oder lieb bin. Sie haben mich akzeptiert.»