Turgi

Asbest in Gotteshaus gefunden – Neubau ist für Kirchenpflege einzige Option

Der Abbruch der Kirche ist noch nicht gewiss.

Der Abbruch der Kirche ist noch nicht gewiss.

Neue Details zum Zustand der reformierten Kirche in Turgi kommen ans Licht: Ein Gutachten hat gezeigt, dass das Kirchendach mit Asbest belastet ist. Für die Kirchenpflege macht eine Renovation keinen Sinn.

Die renovationsbedürftige Kirche in Turgi soll nicht saniert, sondern neu gebaut werden – das haben die Mitglieder der reformierten Kirchgemeinde letztes Jahr beschlossen. Ob das Vorhaben aber realisiert werden darf, steht noch in den Sternen: Der Gemeinderat Turgi hat das Baugesuch letzte Woche «vorläufig sistiert», weil er abklären lassen will, ob die Kirche unter Denkmalschutz gestellt werden muss. Ein unabhängiger Experte wird die Schutzwürdigkeit prüfen.

Derweil kommen neue Details zum Zustand der Kirche ans Licht. Die Anzeichen, dass eine blosse Renovation keinen Sinn mache, verdichteten sich, sagt Kirchenpflegepräsident Albert Lehmann. Bereits seit Jahren sei klar, dass sich das Gebäude in einem schlechten Zustand befinde, Probleme verursachten insbesondere Bausubstanz und Isolation. «Ein weiteres Gutachten hat nun gezeigt, dass das Kirchendach mit Asbest belastet ist», verriet er «Radio Argovia».

Aus Kostengründen hätten die Gutachter nur das Dach untersucht, präzisiert er auf Anfrage. «Wir gehen aber davon aus, dass es auch in den sakralen Räumen Asbest gibt, denn bei Bauten in den 60er-Jahren wurde üblicherweise mit diesem Material gearbeitet.» Er könnte eine blosse Renovation wegen des Asbestfundes nicht verantworten, sagt Lehmann. «Wir hätten keinerlei Verständnis dafür, sollte die Kirche unter Heimatschutz gestellt werden. Einen solchen Entscheid würden wir nicht akzeptieren und anfechten.»

Verwundert habe ihn die Nachricht des Gemeinderates von letzter Woche: «Das Baugesuch haben wir vor drei Monaten eingereicht, erst jetzt meldete sich der Gemeinderat zu Wort – um zu sagen, es brauche ein weiteres Gutachten. Unverständlich, dass es so lange gedauert hat, um zu diesem Schluss zu kommen.» Denn seit drei Jahren sei bekannt, dass die Kirchenpflege einen Neubau plane.

Ammann Peter Heiniger bezeichnet die Vorgehensweise der Gemeinde als standardmässig, die Bearbeitung des Baugesuchs habe nicht länger gedauert als üblich: «Ein Fachgutachter hat das Dossier geprüft, anschliessend wollte der Gesamtgemeinderat das weitere Vorgehen mit der Bauherrschaft besprechen. Dazu musste ein Termin gefunden werden, was etwas länger gedauert hat.» Dass das Baugesuch sistiert und ein neutrales Fachgutachten eingeholt werde, sei mit der Bauherrschaft an der Sitzung vereinbart worden. Der Asbestfund ändere nichts an der Tatsache, dass erst im Herbst mit einem Entscheid zum Baugesuch zu rechnen sei. «Ausserdem bin ich der Meinung, dass der Asbestfund nicht als Argument für den Abbruch dient. In der katholischen Kirche wurde vor einigen Jahren ebenfalls Asbest gefunden, eine erfolgreiche Sanierung war die Folge», sagt Gemeindeammann Peter Heiniger.

Keine Stellung zu den neusten Nachrichten nehmen die Gegner des Kirchen-Neubaus, die letztes Jahr eine Petition beim Gemeinderat eingereicht hatten. «Die Kirche ist ein Kulturgut, ein Zeitzeuge aus einer wichtigen Epoche der Dorf- und Kirchengeschichte Turgis», argumentierten sie.

Wie die neue Kirche aussehen würde, steht bereits fest: Als Sieger des Architekturwettbewerbs ging im Januar das Projekt der ds-architekten aus Basel hervor. Zusätzlich geplant ist direkt neben der Kirche der Bau von neun Wohnungen.

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