Trauer

Astrid Steiner ist die Zeremonienleiterin bei Freud und Leid

Die ausgebildete Ritualbegleiterin Astrid Steiner unterstützt Menschen bei persönlichen Lebensübergängen. Erwin Hürlimann

Die ausgebildete Ritualbegleiterin Astrid Steiner unterstützt Menschen bei persönlichen Lebensübergängen. Erwin Hürlimann

Die 37-jährige Astrid Steiner aus Wettingen gestaltet stimmungsvolle Rituale an Wendepunkten des menschlichen Lebens. Sie gestaltet Abschiede für Personen, die sich nicht mehr mit der Kirche identifizieren können.

Ein Angehöriger, ein guter Freund stirbt. Die Trauer ist überwältigend, aber schnell kommt die Frage: Wie nehmen wir Abschied? Lange Zeit war es für die meisten Menschen klar, dass die Kirche dieses Ritual übernimmt. Heute suchen viele nach etwas anderem, weil sie sich nicht mehr mit den kirchlichen Institutionen identifizieren können. Die 37-jährige Astrid Steiner ist Ritualgestalterin und schafft – gemeinsam mit den Angehörigen – individuelle Abschiedszeremonien. «Bei mir steht immer der Mensch im Zentrum», sagt sie. In intensiven und oft langen Gesprächen mit den Angehörigen versucht sie, das Wesen des Verstorbenen zu erfassen. «Dabei ist es mir wichtig, dass ich möglichst viele Facetten dieses Menschen kennen lerne.» Das sei nicht immer ganz einfach, denn in der Regel wolle man vor allem Positives über einen Verstorbenen erzählen. «Aber die Ecken und Kanten gehören auch dazu, sonst wirkt eine Feier inszeniert, leer und nicht authentisch.»

Ort der Feier ist offen

Wo eine freie Abschiedsfeier stattfindet, ist offen. Das kann auf einem Friedhof, in einem Friedwald oder auch irgendwo sein, wo sich der Verstorbene wohl gefühlt hat. Astrid Steiner versucht stets, die Angehörigen in die Organisation der Feier einzubeziehen. «Jemand organisiert die Musik, jemand anderer hilft bei der Dekoration mit – das ist wichtig für die Angehörigen und gibt mir die Möglichkeit, mich ganz auf die Leitung der Zeremonie und die Geschichte des Verstorbenen zu konzentrieren.» Ihre Erfahrung als Redaktorin und Kommunikationsfachfrau hilft ihr dabei, die Lebensgeschichten in Worte zu fassen.

Auf die Frage, ob sie auch jemanden verabschieden könnte, der ihr nahe gestanden hat, gibt sie eine klare Antwort: «Nein. Da muss ich eine Grenze ziehen, denn sonst nehme ich mir die Möglichkeit zu trauern.» Ausserdem wäre das für sie zu emotional, zu schwierig.

Astrid Steiner hat ihre Ausbildung auf einer Gemeindeverwaltung gemacht. Schon dort kam sie in Kontakt mit Menschen, die an Wendepunkten im Leben standen. Später schrieb sie viele Porträts und Geschichten über chronisch kranke Menschen. «Ich hatte jedoch schon bald die Sehnsucht, mehr zu machen als zu schreiben. Ich wollte Menschen bei persönlichen Lebensübergängen begleiten und liess mich deshalb an der Schule für Rituale zur Ritualbegleiterin ausbilden.» Bereits während der dreijährigen Ausbildung bekam sie die erste Anfrage für eine Hochzeitszeremonie. «Das war ein bewegendes und aufregendes Erlebnis», sagt sie.

Heute arbeitet sie in einem 50-Prozent-Pensum als Kommunikationsfachfrau. Das sei ein Ausgleich zur intensiven Arbeit als Ritualbegleiterin, sagt sie. «Mir ist es wichtig, dass ich jedes Ritual individuell gestalten kann. Das heisst aber auch, dass ich nicht zu viele Aufträge annehmen kann und will.»

Weitere Informationen unter

www.abschiedszeremonien.ch oder www.hochzeitszeremonien.ch

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